Marco Keim aus Dreieichenhain

Der Mont Blanc ruft

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Über einen Gletscher führt der Weg zum Breithorn, auf dem im Übrigen kein Gipfelkreuz steht. Marco Keim war mit einer Seilschaft samt Bergführer unterwegs.

Dreieichenhain - Die Berge haben es Marco Keim angetan. Auf den höchsten Gipfeln Deutschlands und Österreichs ist der Dreieichenhainer schon gewesen, vor Kurzem hat er seinen ersten 4000er bestiegen. Sein nächstes großes Ziel ist der Mont Blanc, das Dach der Alpen. Von Frank Mahn

Früher spielte Marco Keim Fußball, um den Stress im Job abzuschütteln. Doch bei der Soma des TVD hat er sich inzwischen abgemeldet, dafür ist er Mitglied im Deutschen Alpenverein geworden. Seine freie Zeit nutzt der 38-Jährige lieber, um in der Natur unterwegs zu sein. Wenn’s geht, möglichst hoch. Keim ist vom Bergwander-Virus befallen. „Das ist für mich ein super Ausgleich zur Arbeit“, erzählt er. Seine Brötchen verdient Keim als Vertriebler im Finanzsektor.

Die Leidenschaft fürs Bergwandern hat sich vor vier Jahren entwickelt. Damals erklomm Keim mit seiner Frau Petra die Zugspitze, höher als auf 2962 Meter geht’s in Deutschland nicht. Aber in Österreich. Deshalb nahm er sich 2016 den Großglockner vor, mit 3798 Metern der höchste Gipfel der Alpenrepublik. Das Gefühl, oben angekommen zu sein, hat den Dreieichenhainer überwältigt. Obwohl das Erreichen des Ziels teuer erkauft war. Keim quälte sich mit blutenden Füßen aufs Dach Österreichs, beim Abstieg kippte er im Tiefschnee mehrfach um: Sonnenstich.

Die (Tor)-Tour hat der Finanz-Spezialist keinen Moment bereut. Keim hat sich mittlerweile sogar eine Ferienwohnung in Reutte, also im Gebirge, zugelegt. Von dort ist es nur ein Katzensprung nach Garmisch-Partenkirchen. „Ich habe ein paar Kumpel angefixt, die dieses Jahr mal mit auf die Zugspitze wollen“, erzählt er. Einmal im Monat fährt er mit seiner Frau nach Tirol. „Reutte ist ja nicht so weit weg. Das passt auch mal für ein Wochenende.“ Regelmäßig trainiert Keim auch im Taunus, hat sich dort einer Fitnessgruppe des Alpenvereins angeschlossen. Bei einer Runde über Altkönig und Feldberg kommen schnell mal 20 Kilometer zusammen.

Grandiose Bergläufe in den Alpen

Die Haaner Fahne hat der Kerbborsch von 1997 auch auf dem 4164 Meter hohen Breithorn gehisst.

Im vergangenen Jahr graste Keim mehrere 3000er im Ötztal ab, ehe er sich 2018 an die nächste Stufe wagte. Seine Wahl fiel auf das Breithorn in der Nähe von Zermatt. Der Berg gilt als der am leichtesten zu besteigende 4000er der Alpen. Eine wirkliche Herausforderung sei der Berg tatsächlich nicht gewesen, berichtet Keim. Aber es sei ihm hauptsächlich darum gegangen, mal die Luft in dieser Höhe zu schnuppern. „Ich wollte mal testen, wie der Körper reagiert.“ In diesem Fall problemlos. Am vergangenen Donnerstag stand er oben auf dem Breithorn und ließ sich von einem Mitglied der sechsköpfigen Seilmannschaft fotografieren – mit der Haaner Flagge versteht sich. Wie auf dem Großglockner. „Das gehört einfach dazu“, sagt der überzeugte Lokalpatriot.

Wer auf den höchsten Erhebungen Deutschlands und Österreichs war und konsequent weiterdenkt, landet unwillkürlich beim Mont Blanc. Der König der Alpen ist eine andere Hausnummer, auch wenn die Besteigung in Fachkreisen nicht als besonders schwierig gilt. Wenn man gewisse Voraussetzungen mitbringt. Dazu gehört unabdingbar körperliche Fitness. Daneben ist es extrem wichtig, sich an die Höhe heranzutasten und sich zu akklimatisieren. Letzteres wird vielen am weißen Berg zum Verhängnis. „Ich lese mich momentan ein“, sagt Keim. Schließlich soll ihm genau das im nächsten Jahr nicht passieren.

Die höchsten Bergstationen in den Alpen

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