Dalila Kahl über Tücken der Corona-Verordnung

Dreieicher Bäder-Leiterin: „Sonne und 3G kamen leider gleichzeitig“

Die Dreieicher Bäder-Leiterin Dalila Kahl.
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Seit elf Jahren ist Dalila Kahl mit ihrem Team für die Leitung der beiden Dreieicher Bäder verantwortlich. Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen mit dem zweiten Corona-Sommer.

Fliegender Wechsel: Das Parkschwimmbad hat am Sonntag zum letzten Mal für dieses Jahr Besucher empfangen. Von heute an ist das Hallenbad wieder voll in Betrieb. Das Bad ist bereits seit Mitte August offen, allerdings bis dato ausschließlich für Seepferdchenkurse (siehe Bericht unten). Dalila Kahl ist seit elf Jahren Betriebsleiterin der Dreieicher Bäder. Wir haben sie nach ihren Erfahrungen dieses Sommers gefragt.

Die zweite Freibadsaison unter Corona-Bedingungen ist zu Ende, wie fällt Ihr Fazit aus?

Die zweite Saison war noch besser als die im vergangenen Jahr, rundherum erfolgreich. Die Gäste haben sich an das Online-Ticketing und die Zeitfenster gewöhnt. Es waren tolle Gäste.

Sie mussten quasi kurz vor Toresschluss die 3G-Regel einführen. Das soll nicht ganz so glatt gelaufen sein.

Ich würde nicht sagen, dass es nicht glatt gelaufen ist. Ich würde eher sagen, dass die 3G-Regel eine für alle Beteiligten sehr neue Regelung ist und somit für alle mit vielen Fragen und Hürden verbunden war und ist. Wir hatten seit einiger Zeit schon in unserem Ticketshop auf die „Gefahr“, dass es zur 3G-Regel im Freibad kommen könnte, hingewiesen und dabei auch die Nachweis- und Ausweispflicht erwähnt. Dass diese Regelung für das Hallenbad greifen würde, war allen klar. Für die Freibäder hatten wir, und somit bestimmt auch alle Gäste, gehofft, dass es nicht dazu kommen würde. Freibäder, viel frische Luft, Zeitslots, Möglichkeit der Nachverfolgung, ständige Reinigung und Desinfektion, keine überdachten Duschen, Maskenpflicht in den überdachten Bereichen, etc., alles Maßnahmen, die das Infektionsrisiko weitgehend ausschließen, weit mehr als auf jedem öffentlich zugänglichen Platz oder in jeder Fußgängerzone. Trotzdem kam die Auflage des Gesetzgebers – und die galt es eins zu eins umzusetzen.

Einige Badbesucher traf die Neuerung wohl unvorbereitet. Sie zogen verärgert wieder ab, weil sie die erforderlichen Nachweise nicht dabei hatten.

Nur ein Beispiel für eine „Hürde“, für die keine Lösung parat war und die natürlich bei schönem Wetter in einem Freibad sofort für Unmut sorgt. Getestete Besucher haben den Test sowie ein Ausweisdokument beim Einlass vorzulegen. Dies gilt auch für Kinder ab sechs Jahren. Der Nachweis eines Negativtests ist noch einfach durch die Tests in den Schulen, aber mit welchem Dokument können/sollen sich die Kinder ausweisen? Aber auch hier hoffen wir auf eine praktikable, kurzfristige Lösung. Leider kamen die Sonne und die Verordnung gleichzeitig.

Müssen Sie und Ihr Personal viel aushalten in dieser schwierigen Zeit?

Nein, wir müssen gar nichts aushalten, ganz im Gegenteil. Unsere Badegäste wissen, dass wir an den vorgegebenen Maßnahmen nichts ändern können und diese umsetzen müssen. Sie unterstützen uns durch ihr Verhalten und ihre Rücksicht. Gemeinsam freuen wir uns jetzt auf eine hoffentlich unterbrechungsfreie Hallenbadsaison und träumen von einem Sommer 2022 ohne Einschränkungen.

Das klingt ein bisschen so, als würde nur die Sonne scheinen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle Besucher Verständnis für die Regeln der Corona-Verordnung aufbringen.

Natürlich nicht. Das ist bei uns im Schwimmbad so wie überall. Aber bei allem Unverständnis, das vorherrschen mag, wissen die Besucher, dass wir an der Verordnung nichts ändern können, uns die Hände gebunden sind und wir einfach die gesetzlichen Vorgaben erfüllen müssen. Schwierig wäre es sicherlich, wenn wir keine einheitliche Linie hätten und auch mal ein Auge am Einlass zudrücken würden. Das würde sich ruckzuck herumsprechen und dann wäre es mit dem Verständnis, das man uns entgegenbringt, vorbei. Und glauben Sie mir, dem Schwimmbadteam am Einlass bricht schon das Herz, wenn sie Familien mit kleinen Kindern oder auch regelmäßigen Besuchern des Bades den Zutritt verwehren müssen, nur weil ein Nachweis oder ein Ausweis fehlt. Das ist viel schlimmer als mal ein Gast, der seinem Unmut über die Verordnung freien Lauf lässt.

Apropos Unterschiede: Die Nachbarstadt Neu-Isenburg öffnet ihr Hallenbad am Donnerstag. Aber nicht nur das: Auch die Sauna geht in Betrieb. Warum bleibt der Schwitzkasten im Dreieicher Hallenbad zu?

Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten in unserer Sauna können die notwendigen und vorgeschriebenen Abstandsregeln in der Sauna beim besten Willen nicht eingehalten werden. Von daher bleibt unser Schwitzkasten leider bis auf Weiteres geschlossen.

Interview: Frank Mahn

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