Dreieicher gesteht im Kinderporno-Prozess

Dreieich - Ein 48 Jahre alter Mann aus Dreieich hat massenweise Kinderpornos aus dem Internet heruntergeladen. Er habe die Bilder genutzt, „um weitere reelle Übergriffe auf Kinder“ zu verhindern, sagte er heute zum Prozessauftakt vor dem Darmstädter Landgericht.

Der wegen Kindesmissbrauchs vorbestrafte Mann soll rund 400.000 Bilder, 5000 Filme und 38.000 Textdateien über ein spezielles Tauschprogramm heruntergeladen haben. Laut Staatsanwaltschaft zeigen Bilder und Filme unter anderem Geschlechtsverkehr von Kleinkindern mit erwachsenen Männern. Nach dem Vorwurf der Anklage hat sich der Mann die Bilder nicht nur heruntergeladen und somit besessen, sondern auch für Dritte zur Verfügung gehabt, sagte Staatsanwältin Katia Schick. Ein Kriminalbeamter nannte die Menge der Dateien immens.

Der 48-Jährige führte seine Nähe zu Kindern unter anderem auf seine Behinderung zurück: Er ist Contergan geschädigt und hat keine Arme. Kinder hätten ihn darauf immer wieder angesprochen, so sei der Kontakt entstanden. Die Vorstrafen des Mannes, die zu Prozessbeginn verlesen wurden, sprechen eine andere Sprache. Daraus geht hervor, dass der Mann gezielt vernachlässigte Mädchen und Jungen in seine Wohnung lockte und sie auf schlimmste Art missbrauchte. Der Missbrauch begann bereits 1979, der Mann wurde zunächst zu mehreren Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt, 1999 zu vier Jahren und neun Monaten Haft.

Vorzeitige Entlassung wegen „besonderer Haftempfindlichkeit“

Wegen seiner „besonderen Haftempfindlichkeit“, so hieß es, sei er vorzeitig entlassen worden. 2006 begann er mit dem Herunterladen kinderpornografischer Dateien. Dabei habe er „Mädchen ab sieben Jahren bis zur Pubertät“ bevorzugt, erklärte er vor Gericht. Dass den Bildern reale Missbräuche zugrunde liegen, habe er in einer aktuellen Therapie begriffen. „Mir war es immer zuwider, Kindern Schaden zuzufügen“, betonte der Angeklagte. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Jens Aßling glaubte ihm jedoch nicht. „Sie haben teilweise ganz harte Sachen heruntergeladen“, warf ihm der Richter vor. Gewaltszenen an zwei- bis vierjährigen Mädchen seien zu sehen, deutete Aßling an. „Den Rest erspare ich uns“, fügte der Richter hinzu. Dazu schwieg der Angeklagte.

Er wolle eine Therapie machen und lernen, „mit Kindern umzugehen, ohne das es zu sexuellen Übergriffen“ komme, sagte der 48-Jährige. Die Neigung zu Kinderpornografie wolle er „umgehen“. Das Verfahren ist der zweite große Kinderpornoprozess vor dem Landgericht. Vor wenigen Monaten mussten sich neun Angeklagte verantworten, die gemeinsam rund 100.000 Dateien mit kinderpornografischem Material aus dem Internet heruntergeladen hatten. Acht der Männer wurden zu Haftstrafen verurteilt, einer von ihnen auch zu anschließender Sicherungsverwahrung. Der Prozess gegen den neunten Angeklagten ist noch nicht zu Ende.

dpa

Rubriklistenbild: © Tommy S./pixelio.de

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