Jugendliteraturjury

Nachahmer fallen gnadenlos durch

Gute Bücher sind wie Kino im Kopf – frei nach diesem Motto haben die Mitglieder der Jugendliteraturjury ihr Werbeplakat für die Siegerbücher gestaltet. Beim Fotoshooting im Viktoria-Kino entstand auch diese stimmungsvolle Aufnahme.
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Gute Bücher sind wie Kino im Kopf – frei nach diesem Motto haben die Mitglieder der Jugendliteraturjury ihr Werbeplakat für die Siegerbücher gestaltet. Beim Fotoshooting im Viktoria-Kino entstand auch diese stimmungsvolle Aufnahme.

Dreieich - Die Dreieicher Jugendliteraturjury hat einmal mehr ihr Urteil gefällt: Unter 149 Titeln, die 2013 in Deutschland erschienen sind, kürten die jungen Mitglieder fünf Siegerbücher und die beste Buchreihe.

Die Jury gibt auf diese Weise anderen Jugendlichen eine Orientierung auf dem Buchmarkt. Dafür gab es 2012 den hessischen Leseförderpreis. Die Gruppe Jugend-Literatur Dreieich – kurz: JuLiD – ist ein Leseclub für Jugendliche ab 14 Jahren aus Dreieich und Umgebung. Die Betreuung hat Linda Hein, Leiterin der Schul- und Stadtteilbücherei Weibelfeldschule, wobei die 19 Jugendlichen die monatlichen Treffen nach ihren Worten mittlerweile sehr eigenständig organisieren. Bei Tee und Keksen sichten und bewerten sie aktuelle Jugendliteratur. Die Bücher organisiert sich die Gruppe von den Verlagen.

Im Schuljahr 2013/2014 lasen die Jugendlichen 149 Titel, gaben dazu 436 Bewertungen ab und schrieben 36 Rezensionen. „Dabei durften alle Jurymitglieder selbst bestimmen, was sie lesen und bewerten“, erklärt Linda Hein. Einzige Voraussetzung sei, dass es sich um Neuerscheinungen handelt. Alles übertrumpfend war diesmal die Begeisterung für die Buchreihe „Das Lied von Eis und Feuer“, die vor allem durch die Fernsehserie „Game of Thrones“ einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht hat. Auch Comic-Adaptionen wurden verschlungen und auseinander genommen – „und jeder, der den Inhalt des nächsten Buches schon verraten wollte, wurde sogleich verwarnt“, erzählt Linda Hein schmunzelnd.

Die Siegerbücher im Überblick:

  • Sarah Maas: Die Erwählte (Throne of Glass, Teil 1)
  • Andrew Fukuda: Die Jäger der Nacht
  • Jonathan Stroud: Die seufzende Wendeltreppe (Lockwood & Co, Teil 1)
  • Kiera Cass: Selection
  • Raquel J. Palacio: Wunder
  • George R. R. Martin: Das Lied von Eis und Feuer

"Kuppel-Bücher" haben schlechte Chancen

Die Jury ging mit etlichen Büchern auch hart ins Gericht – allen voran mit jenen, die sie genervt „Kuppel-Bücher“ nennt. Das Schema ist nach der Erfolgsserie „Die Tribute von Panem“ immer gleich: Eine Bevölkerung lebt wie unter einer Kuppel, unterdrückt von der Regierung nach strengen Regeln. Ein Jugendlicher bemerkt die Ungerechtigkeit und rebelliert, meist mit einem romantischen Partner.

Die Umstürzung des Systems ist oftmals der Abschlussband der Trilogien. Neue Ideen werden dagegen wenig verlegt, so das Fazit der Jury. Dass es einige doch geschafft haben, zeigen allerdings die Siegerbücher –darunter Spannendes, Fantasy und ein berührender Titel, der wie durch ein „Wunder“ ohne Elfen und Schlachten auskommt. Entscheidend waren für die Jugendlichen das Cover, das Thema, die Umsetzung, Spannung, Sprache und die Charaktere.

Punktetabellen zur Bewertung

Die Siegertitel werden nun über den Sommer unter anderem in den Stadtbüchereien Dreieich, Langen und Egelsbach sowie in den Buchhandlungen Hugendubel (Neu-Isenburg), Rosenhahn und Litera (Langen) besonders beworben. Unabhängig davon gestaltet JuLiD regelmäßig das Medienangebot der Schul- und Stadtteilbücherei Weibelfeldschule mit.

Fünf Jahre nach der Gründung war das abgelaufene Juryjahr laut Linda Hein geprägt von mehr Selbstbestimmung der Jugendlichen. Die umfangreichen Punktetabellen zur Bewertung werden inzwischen ebenso eigenständig organisiert, wie der Nachschub an Lektüre und der Web- sowie Facebookauftritt („Schulbücherei Weibelfeldschule“). Zu den jüngst angeschobenen Aktionen zählte der Besuch beim Thienemann-Verlag, der dank einer Spende des Dreieicher Weihnachtskalenders möglich wurde.

Literaturverfilmungen sind für sie kostenlos

Seit 2013 gibt es zudem eine Kooperation mit den Dreieicher Kinos. Die Jugendlichen können Literaturverfilmungen kostenlos ansehen und schreiben im Gegenzug Filmkritiken. Seit einigen Monaten engagiert sich JuLiD auch für die Leseförderung von Kindern mit Migrationshintergrund. Im Rahmen des bundesweit geförderten Projektes „Literanauten überall“ gründete man mit dem Forum Sprendlingen Nord ein lokales Bildungsbündnis fürs Lesen.

Allerdings: Für viele Jurymitglieder endet nun die Schulzeit, darum sind neue Mitglieder willkommen. „JuLiD kann auch Karriere-Sprungbrett sein“, wirbt Linda Hein: „Drei Mitglieder werden nun ihren Berufsweg im Bibliotheks-, im Verlagswesen oder in der Schriftstellerei beginnen.“

(cor)

Die Rezensionen der JuLiD-Mitglieder zu den Siegerbüchern werden wir in nächster Zeit in loser Folge veröffentlichen

Bilder von der Buchmesse 2013

Frankfurter Buchmesse 2013: Impressionen

Frankfurter Buchmesse 2013: Impressionen
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Frankfurter Buchmesse 2013
Frankfurter Buchmesse 2013: Impressionen
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