Erinnerungsschild im Ringwäldchen als Zeichen, sich mehr um die Natur zu kümmern

Dreieicher Mahnmal für verheerenden Sturm

Die Baumstämme bleiben als Mahnmal stehen und haben jetzt auch ein Erinnerungsschild bekommen.
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Die Baumstämme bleiben als Mahnmal stehen und haben jetzt auch ein Erinnerungsschild bekommen.

Es ist ziemlich genau zwei Jahre her, als Sturmtief Bernd über Dreieich hinwegfegte. Es gibt wohl kaum jemanden, der sich nicht daran erinnert, was er an diesem Sonntagabend im August gegen 18 Uhr getan hat. Die Feuerwehr spricht heute noch von „einem Wunder, dass es keine Personenschäden gab“, als die Bäume auf der Bundesstraße B 486 zwischen Offenthal und Langen umknickten, wie die Streichhölzer und dabei Starkstromleitungen von den Masten rissen. Nun gibt es eine Erinnerungstafel als Zeichen, sich mehr um die Natur und den Klimawandel zu kümmern.

Dreieich - Die Schäden aber waren damals durchaus immens. Der Wald bei Philippseich wurde bei den Fallwinden innerhalb von zehn Minuten fast komplett zerstört, innerhalb des Stadtgebiets wurden Dutzende Bäume entwurzelt, rechnet man den Wald dazu, kann man durchaus von Tausenden reden.

„Bernd ist das heftigste Sturmereignis in Dreieich unserer Generation“, ist sich Sylvio Jäckel, der Baumexperte des Dienstleistungsbetriebs (DLB) sicher, „und es hat auch das Bewusstsein der Leute durchaus verändert.“ Bei den umfangreichen Aufforstungsaktionen des DLB im Stadtgebiet von Dreieich haben sich die Bürger sehr engagiert. „Nie zuvor hatten wir so viele Baumspenden, als in den vergangenen beiden Jahren. Das Bewusstsein für die Bäume ist auf jeden Fall gestiegen“, so Jäckel. 2020 waren es rund 30 gespendete Bäume, das ist schon eine große Zahl, bei einem Preis von rund 400 Euro für einen Baum. Die Spender berichten auch von ihrer Motivation, den DLB zu unterstützen: „Ein Senior hat mir erzählt, dass er mit Corona ja das Geld für den Urlaub gespart hat, und einen Teil davon jetzt sehr gerne in zwei neue Bäume für Dreieich investiert“, hört sich Jäckel diese Geschichten an.

Alleine sieben der Baumspenden wurden im Ringwäldchen und der gegenüberliegenden Parkanlage verpflanzt. Dabei achtet der DLB bei den Sorten darauf, dass sie auch längere Trockenperioden mal überstehen können und gleichzeitig auch waldbaulich interessant sind. In Götzenhain waren das jetzt beispielsweise Schwarznussbäume und Ulmen. Am Rande des Ringwäldchens hat Jäckel auch eine besondere Idee als Erinnerung an den so folgenreichen Sturmabend umgesetzt: „Dort stand eine Kiefer nah am Wegesrand. Der Stamm besteht eigentlich aus zwei Stämmen, die eng miteinander verschlungen sind. Obwohl sie sich in der Sturmnacht aneinander festhalten konnten, war die Krone des Baumes völlig zerzaust und zerbrochen, sodass sie nicht zu retten war“, berichtet der DLB-Experte. Das komplette Geäst wurde also entfernt, aber die beiden so kunstvoll verwachsenen Stämme bleiben jetzt als Erinnerung an den Sturm stehen. Wie die gespendeten Bäume kleine, goldene Schilder mit den Namen ihrer Baumpaten bekommen, trägt auch die Kiefer jetzt ein Schild mit der Aufschrift „Vereint im Sturm“, mit dem Datum des 18. August. „Die doch noch recht hohen Baumstümpfe sind irgendwie als Mahnmal zu verstehen, dass wir uns um unsere Natur kümmern müssen und die Folgen des Klimawandels, die ja schon sehr sichtbar sind, ernst nehmen müssen“, sagt Sylvio Jäckel.

Insgesamt hat er aber das Gefühl, dass der vielleicht nicht so ganz schöne Sommer mit den vielen Regenstunden dem Wald und den Bäumen in der Region Erholung bringt. „Man sieht es ja auch überall, es ist viel grüner als in den beiden heißen und trockenen Sommern zuvor“, so der Baumexperte. Einige Bäume im Stadtgebiet, die von den DLB Mitarbeitern regelmäßig kontrolliert werden, hätten sich sichtlich erholt. Aber es gebe auch einige Bäume, insbesondere die Buchen, für die die Wassermassen der vergangenen Wochen einfach schon zu spät kommen.

Von Nicole Jost

Der verschlungene Kiefernstamm am Rande des Ringwäldchens in Götzenhain.

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