Beseitigung von Gefahrenstellen an Weihern aus Haftungsgründen notwendig

Dreieicher Rathauschef rechtfertigt Absperrungen

Diese Optik wird noch einige Zeit diesen Uferbereich des Burgweihers dominieren. Der Holzzaun im Hintergrund verschwindet, wenn die Pflanzen eine natürliche Barriere bilden. Die rot-weißen Baken sollen durch einen Zaun oder ein Geländer ersetzt werden. Mit der Planung beschäftigt sich aktuell ein Architekturbüro.
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Diese Optik wird noch einige Zeit diesen Uferbereich des Burgweihers dominieren. Der Holzzaun im Hintergrund verschwindet, wenn die Pflanzen eine natürliche Barriere bilden. Die rot-weißen Baken sollen durch einen Zaun oder ein Geländer ersetzt werden. Mit der Planung beschäftigt sich aktuell ein Architekturbüro.

Vier Weiher in Dreieich werden eingezäunt. Diese Entscheidung sorgt bei vielen für Unverständnis. Doch Bürgermeister Martin Burlon verteidigt die Maßnahmen. Sie seien aus Haftungsgründen notwendig.

Dreieich – Die Enttäuschung steht der Familie ins Gesicht geschrieben. Vor allem den Kindern. Sie sind traurig. Auch die Eltern stehen ratlos vor der rot-weißen Absperrung. Nutrias aus nächster Nähe am Weiher an der Winkelsmühle beobachten – das geht seit Anfang März nicht mehr. In Ufernähe zu kommen, ist aber nicht etwa verboten, weil kleine wie auch große Leute die Nager mit den auffällig orange gefärbten Zähne gerne gefüttert haben – was man ja nicht tun soll.

Nein. Der Weg ist aus Gründen der Sicherheit abgeriegelt. Damit niemand reinfallen und im schlimmsten Fall ertrinken kann. Das hat, wie schon mehrfach berichtet, der Magistrat mit Bürgermeister Martin Burlon an der Spitze verfügt.

Hintergrund ist ein Unglück in Nordhessen, bei dem 2016 drei Kinder in einem Löschteich ertranken. Der damalige Bürgermeister von Neukirchen wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Gericht befand ihn der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen schuldig. Heißt so viel wie: Hätte dort ein Zaun gestanden, wäre das Unglück (wahrscheinlich) nicht passiert. Über die Berufung ist noch nicht entschieden, der frühere Rathauschef leidet unter den Geschehnissen, ist sich aber keiner Schuld bewusst. Den Teich, sagte er vor Gericht, gebe es seit 200 Jahren. Vorher sei nie etwas passiert und es habe sich auch niemand beschwert, dass der Teich gefährlich sei.

Für Dreieich sprach der Gemeindeversicherungsverband die Empfehlung aus, vier Gewässer zu sichern. Die Arbeiten dazu haben vor wenigen Wochen begonnen und vor allem im Netz eine heftige Debatte ausgelöst. Für manche sind die Kosten von 140 000 Euro Verschwendung von Steuergeldern, andere monieren die Verschandelung der Landschaft beispielsweise durch den Metallzaun am Herrenweiher in Dreieichenhain.

Martin Burlon verteidigt die Vorgehensweise. „Wir wissen, dass einige Bürgerinnen und Bürger die Sicherungsmaßnahmen an den vier stehenden Gewässern in Dreieich kritisch sehen. Sei es mit Blick auf die Kosten oder hinsichtlich der Ausführung“, so der Bürgermeister. „Wir alle wünschen uns, dass in Dreieich weiterhin kein tragisches Unglück wie seinerzeit in Nordhessen passiert, wo kleine Kinder wegen der fehlenden Möglichkeit, sich selbst wieder ans Ufer zu retten, ertranken, da sie offenbar immer wieder von der künstlich befestigten Böschungsfläche abrutschten und ins Wasser zurücksanken.“ Burlon verweist darauf, dass die handelnden Personen der Stadt mit ihm an der Spitze in der Haftung seien, „wenn sich herausstellen sollte, dass wir nicht alles uns Mögliche unternommen haben, entsprechende Gefahrenstellen zu beseitigen“.

Die Zäune am Herrenweiher stehen ja bereits, am Burgweiher gehen die Arbeiten weiter. Am Fußweg zur Straße hin wurden die Beete verbreitert, miteinander verbunden und mit Johannisbeersträuchern und Purpurweiden bestückt. Der Holzzaun ist nur ein Provisorium. Er verschwindet, wenn die Pflanzen eine natürliche Barriere bilden. Die Bereiche am Überlaufbauwerk und an der Anglertreppe bleiben vorerst abgesperrt. Hier soll ein Zaun beziehungsweise ein Geländer hin, der/das sich in Absprache mit der Unteren Denkmalbehörde und dem Geschichts- und Heimatverein „harmonisch in das Gesamtensemble einfügt“, wie es in einer Mitteilung aus dem Rathaus heißt. Seit gestern dicht ist der Uferweg unmittelbar an der Burg. Hier ist eine Steinschüttung vorgesehen, die hauptsächlich unter der Wasseroberfläche liegt und somit die Optik nicht beeinträchtigt. Bis Ostern soll der Pfad wieder offen sein.

Wie lange der Weg am Weiher an der Winkelsmühle noch zu bleibt, ist offen. Es handelt sich laut Stadt um eine Auenlandschaft, die es zu erhalten gilt. Welche Sicherungsvorkehrungen getroffen werden, soll sich im Laufe des Jahres entscheiden. Der Weiher an der Götzenhainer Mühle soll mit einem Tor abgeriegelt werden. (Von Frank Mahn)

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