Eigentümer wollen ihren Teil der Anlage im Haag verkaufen

Dreieicher Reitverein bangt um seine Existenz

Sie hoffen auf eine Lösung für den PSV: Tanja Vorbauer (links), stellvertretende Vorsitzende, und Tanja Rehnig, Einstellersprecherin des Vereins im Haag.
+
Sie hoffen auf eine Lösung für den PSV: Tanja Vorbauer (links), stellvertretende Vorsitzende, und Tanja Rehnig, Einstellersprecherin des Vereins im Haag.

Pferdesport hat in Dreieich eine große Tradition. Einer der Vereine, der seit Jahrzehnten für den Breiten- und Turniersport steht, ist der Pferdesportverein (PSV) Dreieich. Jetzt sieht der Vorstand des 1975 gegründeten Vereins die Zukunft in Gefahr.

Dreieich - Die Besitzverhältnisse auf der Anlage am Waldrand im Haag sind ungewöhnlich. Ein Wohnhaus, die Stallungen für rund 40 Pferde, Heu-, Stroh- und Futterlager sowie der Dressurplatz gehören der Familie Zimmer. Der Verein hat den Stall gepachtet und in den 70er Jahren mit Hilfe von Spendengeldern der Mitglieder eine Reithalle mit Vereinsheim und eine Wohnung für Pferdepfleger auf einem Grundstück der Stadt in langfristiger Erbpacht gebaut. Gegenüber, zwischen Tennisverein und Tierheim, wurde – ebenfalls auf städtischem Grundstück und in Erbpacht – ein großer Springplatz angelegt. Über viele Jahre wurden im Haag große Turniere ausgetragen. Auch wenn es in der vergangenen Zeit etwas ruhiger geworden ist, gehen dort immer noch viele Erwachsene, Kinder und Jugendliche ihrem Hobby nach. Regelmäßig macht der PSV mit der Aktion Reiten für krebskranke Kinder auf sich aufmerksam.

Seit rund eineinhalb Jahren stehen die Stallungen der Familie Zimmer zum Verkauf. Der langfristige Pachtvertrag wurde dem Verein gekündigt, wird immer nur kurzfristig verlängert. „Wir sind in einer Art Schwebezustand“, sagt PSV-Vorsitzender Andreas Doermer. Wenn ein privater Eigentümer Stallungen und Plätze kauft, wird er das Areal privat nutzen wollen. „Wir aber finanzieren die Kosten für die Halle, das sind die Ausgaben für die Grundsteuer, die Versicherungen und die Instandhaltung, über die Einnahmen aus den Boxenmieten. Auch zwei Angestellte werden von diesem Geld bezahlt“, erläutert Doermer. Wenn der Verein aber keine Boxen mehr verpachten kann, kann er auch keine Einnahmen durch Mieten generieren.

Die Situation ist für den Verein schon jetzt problematisch. Durch den gekündigten Pachtvertrag sind bereits Pferdebesitzer mit ihren Tieren ausgezogen, weil sie fürchten, kurzfristig einen neuen Stall suchen zu müssen, wenn die Anlage verkauft ist.

„Wir haben Verständnis für Familie Zimmer. Es ist ihre Anlage, natürlich können sie sie verkaufen. Wir hatten über viele Jahre guten Kontakt. Wir selbst können die Stallungen nicht kaufen, dazu fehlen die Mittel. Wir brauchen jetzt einen Plan B“, so der Vorsitzende. „Der Verein braucht eine Heimat für die rund 60 Mitglieder und die Pferde“, sagt Doermers Stellvertreterin Tanja Vorbauer. Eine Idee gibt es: „Wir würden gerne selbst bauen, einen Stalltrakt mit rund 25 Boxen am Rande des Springplatzes. Damit wären wir unabhängig und der Verein hätte Bestand“, erläutert Vorbauer. Zur Stadt gibt es erste Kontakte. „Natürlich sind viele Dinge zu klären. Stadt, Kreis, Untere Naturschutzbehörde müssen mit ins Boot.“

Familie Zimmer ist grundsätzlich am Fortbestand des Vereins interessiert. „Wir haben das bei den Kaufinteressenten formuliert, dass es schön wäre, wenn ein künftiger Eigentümer sich eine Kooperation mit dem Verein vorstellen kann. Wir sind auch bemüht, einen solchen Käufer zu finden, können dies aber letztlich nicht garantieren“, sagt James Earp, Schwiegersohn von Margret Zimmer, die derzeit noch auf der Reitanlage im Haag lebt. Das Areal gehöre einer Erbengemeinschaft aus drei Generationen der Familie Zimmer, die aufgelöst werden müsse. Zu dieser Gemeinschaft gehören drei Seniorinnen, deren Altersabsicherungen vom Erlös abhängen.

Der Verein habe die letzten Jahrzehnte die Anlage für eine günstige Pacht nutzen können, so Earp. Nach einer Erhöhung habe es in den vergangenen Monaten Probleme gegeben. Die Stimmung sei nicht mehr so gut wie in den Jahren zuvor. „Aber uns ist sehr daran gelegen, dass wir den Verkauf friedlich abwickeln können. Vielleicht ist das hier ja ein Weckruf, doch noch mal ganz offen über alles zu sprechen. Eine langfristige Verpachtung an den Verein ist dabei keine Option, der Verkauf steht fest“, stellt James Earp im Namen der Familie Zimmer klar.

Letztlich wäre eine Einigung für beide Parteien wichtig. Denn nicht nur der Pferdesportverein kann nicht ohne die Stallungen existieren – auch ein möglicher Käufer hat vermutlich ein Interesse daran, eine Reithalle, die dem Verein gehört, nutzen zu können.(Von Nicole Jost)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare