Überflieger unter der Brücke

Dreieicher Skate- und Bikepark immer beliebter

Freihändig im freien Fall: Die Sprünge über die Dirtbike- Hügel unter der A 661 sind atemberaubend.
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Freihändig im freien Fall: Die Sprünge über die Dirtbike- Hügel unter der A 661 sind atemberaubend.

Der Dreieicher Skate- und Bikepark unter der Autobahnbrücke an der Hainer Chaussee ist ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche nicht nur aus Dreieich. Und einige zeigen stellen geradezu artistische Fähigkeiten unter Beweis.

Dreieich – So manch eine Mutter kann da wahrscheinlich nicht hinschauen: Mit großen Anlauf von der Startrampe runter, saust Noah auf den ersten großen Hügel der sogenannten Dirtjump-Anlage unter der Autobahnbrücke an der Hainer Chaussee in Dreieichenhain zu. Bei seinem ersten Sprung scheint Noah in der Luft vom Fahrrad zu springen, um den speziellen Dirtjump-Drahtesel danach lässig wieder unter Kontrolle zu bekommen und über dem nächsten, noch höheren Sandhaufen gemeinsam mit seinem Rad in schwindelerregender Höhe einen Salto zu drehen.

Noah ist an diesem Nachmittag nicht der Einzige der etwas älteren Jungs – er ist 16 –, der solche Stunts zeigt. Auch Jonas, Maxi und Moritz haben diese besonderen Tricks mit dem Fahrrad extrem gut drauf.

Die Jungs sind gut geschützt mit Helmen, zum Teil auch mit Rückenprotektoren – gefährlich sieht’s trotzdem aus. „Ja, das stimmt schon, aber das ist ja nicht so, dass sie hier zum ersten Mal ankommen und dann aus dem Nichts einen Salto drehen“, sagt Rifki Kestem, Mitarbeiter der städtischen Jugendarbeit. „Sie kommen Tag für Tag, üben über Monate und tasten sich an die Tricks ran. Sie haben es echt drauf, ich finde es gut, dass sie sich so für dieses Hobby begeistern und dafür brennen. Allemal besser, als zu Hause stundenlang vor den Handys und Tablets zu sitzen“, sagt der Pädagoge.

Den Skatepark unter der Autobahnbrücke gibt es schon seit vielen Jahren. In der Pandemie hat er zunehmend an Bedeutung gewonnen, die Jugendlichen haben die Dirtjump-Anlage selbst mit ausgebaut und die Mitarbeiter der Jugendförderung haben das Areal unweit des BIK-Hauses als wichtigen Jugendtreffpunkt erkannt. „Besonders im harten Lockdown, als alle unsere Häuser zu waren, haben wir gemerkt, wie viel Zulauf dieser Platz hat“, berichtet Kestem. Seit Oktober 2020 war er mit einem Team sechsmal in der Woche vor Ort, seit diesem Juli nur noch von Montag bis Freitag zwischen 15 und 18 Uhr. Das Team bietet Tee, Wasser und Obst an – und es gibt eine Bäckerei, die Stückchen vom Vortag spendet, die dankbar verputzt werden. „Wir helfen, wenn mal was an einem Fahrrad oder Roller kaputt geht und wir bieten für die Rampen auch Scooter zum Ausleihen an, das wird auch gut und gerne genutzt“, berichtet Kestems Kollege Patrick Bessler.

Natürlich sind die städtischen Mitarbeiter auch da, wenn es doch mal zu einem Unfall kommt: „Zum Glück mussten wir bislang nur Pflaster verteilen“, so Kestem schmunzelnd. Es sei grundsätzlich gut, wenn Erwachsene vor Ort sind. Das schätzen auch die Eltern. Schließlich ist die Menge an Kindern und Jugendlichen an vielen Tagen richtig groß. Es kommt durchaus vor, dass sich junge Erwachsene zum „Chillen“ auf der Rampe niederlassen. „Dann trauen sich die Kleinen, die ja zum Teil erst sechs oder acht Jahre alt sind, mit den Rollern nicht mehr rein. Dann vermitteln wir auch gerne“, erläutert der städtische Mitarbeiter. Alle gemeinsam achten darauf, dass die Anlage sauber bleibt – und tatsächlich, die Müllberge unter der Autobahnbrücke gehören offensichtlich der Vergangenheit an.

Die Clique um Noah kommt fast täglich an die Hainer Chaussee, so oft es die Schule eben zulässt. Auch bei den Jüngeren mit den Rollern sind viele Jungs dabei, die jeden Tag zum Üben kommen. Es ist offensichtlich ein Jungs-Hobby, an diesem Nachmittag sind gar keine Mädchen da. „Aber manchmal kommen Mädchen. Es werden mehr, das ist cool“, findet Dominik. Für Dina Maschaev ist die Anlage ein echter Gewinn. „Super, dass es so etwas in unserer Stadt gibt. Meine Söhne lieben es hier, sie sind noch zu klein, um alleine zu kommen, aber wir sind auch wirklich oft hier“, sagt die Mutter von zwei Söhnen. Georg (8) ist gestern mit seinem Roller von der Rampe gefallen. Die kleine Beule auf der Stirn und den Kratzer an der Lippe trägt er mit einem gewissen Stolz: „Heute geht es schon wieder super. Ich will so gut werden wie die großen Jungs“, kündigt er an.

Jetzt träumt das Team der Jugendförderung gemeinsam mit den Jugendlichen von einer Beleuchtungsanlage, um die Anlage auch an den Winternachmittagen nutzen zu können.

Von Nicole Jost

Es herrscht viel Betrieb im Skaterpark unter der Autobahnbrücke. Noah (vorne) und seine Freunde kommen fast täglich, um mit ihren Bikes zu trainieren.

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