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Dreieicher Sportanlagen mal wieder gut für Knatsch

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Von: Frank Mahn

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Ganz schönes Gedränge: Bis zu 90 Mädchen und Jungen tummeln sich manchmal zeitgleich auf dem Kunstrasen an der Maybachstraße. Die Freigabe des Naturrasens stellt der städtische Dienstleistungsbetrieb für Mitte nächster Woche in Aussicht.
Ganz schönes Gedränge: Bis zu 90 Mädchen und Jungen tummeln sich manchmal zeitgleich auf dem Kunstrasen an der Maybachstraße. Die Freigabe des Naturrasens stellt der städtische Dienstleistungsbetrieb für Mitte nächster Woche in Aussicht. © strohfeldt

Die Sonne scheint seit geraumer Zeit fast täglich, die Temperaturen sind mild – ideales Wetter für Fußballer. Sollte sich eigentlich jeder Kicker drüber freuen. Doch in Dreieich ist vieles speziell. Einige Rasenplätze sind in sehr schlechtem Zustand, allen voran die auf dem Gelände in der verlängerten Rheinstraße in Götzenhain und an der Maybachstraße in Sprendlingen.

Dreieich - Dass ein Teil der Plätze noch immer gesperrt ist, führt zu Unmut bei den Vereinen. In ihren Augen kümmert sich der städtische Dienstleistungsbetrieb (DLB) nicht ausreichend um die Pflege. Kreisoberligist SG Götzenhain hat in diesem Jahr noch kein Heimspiel auf seinem angestammten Gelände ausgetragen. „Wir gehen finanziell auf dem Zahnfleisch und verlieren bei jedem Spieltag, der nicht in Götzenhain ausgetragen werden kann, mehrere hundert Euro“, klagt Stefan Jungermann vom Vorstand der Fußballabteilung. „Wir können logistisch aufgrund der Platzsperren nicht immer alles durch ganz Dreieich fahren, wenn es denn überhaupt alternative Plätze gibt“, klagt er.

Seit gestern hat sich die Situation in Götzenhain immerhin leicht entspannt. Die nördliche Hälfte des Rasenplatzes ist nach Angaben von Ernst Willand für die Jugend freigegeben worden. „Das können wir verantworten. Die andere Seite ist total uneben, da ist die Verletzungsgefahr zu hoch“, sagt Willand, der beim DLB den Geschäftsbereich Grün, Spiel, Sport leitet. Für die Unterhaltung der Plätze ist der Betrieb seit Anfang 2022 zuständig.

Der Rasen in Götzenhain ist nach Willands Worten „der schlechteste in Dreieich“. Das Geläuf sei durch einen hohen Grundwasserstand „extrem vernässt“, zudem sei die Drainage defekt. Um den Platz, der ein Paradies für Häufchen bauende Regenwürmer ist, aufzubereiten, müsse der Boden komplett frostfrei sein. Denn zur Tiefenlockerung kommt eine Spezialmaschine zum Einsatz. Bis vor Kurzem, so Willand, habe es noch Nachtfrost gegeben. In dieser Woche drehte dann der Mähroboter erste Runden.

Was die Tiefenlockerung angeht: Am Montag und Dienstag ist erst mal der Rasen an der Maybachstraße dran, weil dort der „Spieldruck“ höher sei, wie Willand aus dem Rathaus erfahren hat. Die Belegung ist nämlich Sache der Stadt.

Den maroden Zustand des Götzenhainer Rasens attestiert auch ein vom DLB beauftragtes Gutachten, das einen kompletten Neuaufbau empfiehlt. Die Sanierung wurde 2021 bei der Stadt beantragt, aber zurückgestellt. Grund: Zwischenzeitlich hat der SGG-Hauptvorstand für Verwaltung und Politik ein Ideenpapier zur Umgestaltung des Gesamtgeländes vorgelegt. Dazu hat es nach Worten von Bürgermeister Martin Burlon ein erstes Gespräch gegeben, das zweite folgt in Kürze.

Zu allem Überfluss haben sich in den Wasserleitungen des Funktionsgebäudes Legionellen eingenistet – aufgrund der langen Nichtnutzung, aber trotz gelegentlichen Aufdrehens der Hähne durch den Verein. „Wir haben erst einmal sechs Mikrofilterduschen einbauen lassen. Hier besteht keine Gefahr, an Legionellen zu erkranken“, sagt Dirk Böttcher, technischer Vorstand der DreieichBau. Bei einer Begehung am Donnerstag entnahm das Institut Fresenius erneut Proben, um eine Gefährdungsanalyse zu erstellen. Wenn sie vorliegt, sollen weitere Schritte folgen.

Die Fußballabteilung hat aus der Misere ihre ganz eigenen Konsequenzen gezogen. Erste und zweite Mannschaft sollen am Sonntag ihre Punktspiele auf dem ungeliebten und ebenfalls maroden Hartplatz austragen. Denn in Offenthal ist der Rasen auf dem Susgo-Gelände seit dieser Woche bespielbar und auch verfügbar. Das würde allerdings wieder einen Umzug bedeuten.

Eine Baustelle ist in Teilen auch das Stadion an der Maybachstraße. Dort lief über mehrere Wochen die Heizung nicht, Reparatur nicht möglich, Duschen höchstens kalt. Inzwischen sei eine neue Anlage installiert worden, berichtet Dirk Böttcher. Im Kabinentrakt soll demnächst noch mehr passieren. Wer die Örtlichkeit kennt, weiß: Das ist bitter nötig. Böttcher kündigt eine Erneuerung der sanitären Einrichtungen an. Der Auftrag sei vergeben. „Jetzt kommt es darauf an, wie lange es dauert, bis die Teile kommen.“

Die dort kickenden Vereine – SKG, FV 06, Fortuna Dreieich und STG-Oldies – treiben noch andere Sorgen um. „Es gibt Tage, da tummeln sich bis zu 90 Jugendliche auf dem Kunstrasen, sodass kein vernünftiges Training zu machen ist“, sagt Kurt Miltenberger, früher viele Jahre Jugendleiter der SKG und Ehrenmitglied des Vereins. „Wir haben einen riesigen Zulauf, die Kinder und Jugendlichen wollen alle raus und sich bewegen“, ergänzt der Sprendlinger. Weil die Naturrasen an der Maybachstraße und In der Neuen Lach (FV 06) bei längerem Regen und in den Wintermonaten nicht nutzbar seien, konzentriere sich alles auf den Kunstrasen, der dadurch hoffnungslos überlastet sei.

Miltenberger ist der Meinung, dass die Pflege der Anlage „total vernachlässigt wird“. Früher hätten sich Platzwarte gekümmert, „heute keiner mehr“. Lediglich die Vereine übernähmen Reinigung und Schließdienste. „Um Spiel- und Trainingsbetrieb für Aktive und Jugendliche weiterhin zu gewährleisten, müssen die Verantwortlichen der Stadt die Sportanlagen zeitnah sanieren und pflegen“, fordert Miltenberger. Kleines Trostpflaster: Der Rasen soll laut Ernst Willand Mitte nächster Woche bespielbar sein.

Wie es sich mit den Sportanlagen verhält

Sieben städtische Sportanlagen stehen den Fußballvereinen in Dreieich zur Verfügung. Mit dem FC Offenthal, dem SV Dreieichenhain und dem FV 06 Sprendlingen hat die Stadt vor einigen Jahren Pachtverträge abgeschlossen, sie kümmern sich selbst um die Pflege der Plätze. Die Pacht ist symbolisch, beträgt einen Euro pro Jahr. Alle drei Vereine erhalten von der Stadt einen jährlichen Zuschuss, um die Aufgabe stemmen zu können. Die Sportplätze in Offenthal (Susgo), an der Breiten Haagwegschneise (TVD), in der verlängerten Rheinstraße (SG Götzenhain) und an der Maybachstraße (unter anderem SKG) werden vom städtischen Dienstleistungsbetrieb gepflegt. Für die Gebäude auf den Anlagen ist die DreieichBau AöR zuständig. Sie ist eine Tochter der Stadt. 

Von Frank Mahn

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