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Dreieicher Sportpark wird zum Adlerhorst

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Von: Frank Mahn

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Bald wehen hier auch Fahnen von Eintracht Frankfurt. Der Fußball-Bundesligist hat die Mehrheit an der Dreieich Sportstätten Betriebs- und Marketing GmbH übernommen.
Bald wehen hier auch Fahnen von Eintracht Frankfurt. Der Fußball-Bundesligist hat die Mehrheit an der Dreieich Sportstätten Betriebs- und Marketing GmbH übernommen. © Strohfeldt

Die Adlerträger von Eintracht Frankfurt sind im Anflug: Der Fußball-Bundesligist, genauer dessen Stadion GmbH, hat sich bei Hans Noltes Dreieich Sportstätten Betriebs- und Marketing GmbH (DSBM) eingekauft. Wie die Eintracht mitteilte, hat sie 62,5 Prozent der Anteile am Sportpark in der Lettkaut erworben. Ab kommender Saison wird dort die neue U21 der Eintracht trainieren und spielen.

Dreieich - Was geplant ist, erfuhren Magistratsmitglieder und Vertreter der Fraktionen bei einem Treffen mit dem Vorstand der SGE und einer Abordnung der DSBM um Hans Nolte. Die Lokalpolitiker nahmen das Gehörte überwiegend positiv zur Kenntnis.

Das Nutzungskonzept für den etwa 35 000 Quadratmeter großen Sportpark sieht unter anderem vor, dass auch die Jugendmannschaften des SC Hessen weiterhin ihre Heimat in der Lettkaut haben. Darüber hinaus soll das Stadion für Veranstaltungen von örtlichen Vereinen, Schulen, Kitas und karitativen Einrichtungen wie etwa Jugend- und Flüchtlingshilfe zur Verfügung stehen. Public Viewing, Biergarten, Firmenveranstaltungen und Familienfeiern spielen ebenfalls eine Rolle in den Überlegungen.

Zum Sportlichen: Die Eintracht bringt nach mehrjähriger Pause wieder eine zweite Mannschaft an den Start. Der Verein will regionale und überregionale Talente fördern und die Durchlässigkeit in den Profifußball erhöhen. Das Team wird in der Hessenliga einsteigen, der fünfthöchsten Spielklasse.

Laut Eintracht fehlen im Deutsche Bank Park und am Riederwald die Voraussetzungen für die Umsetzung eines solchen Projekts. „Das Areal in Dreieich passt perfekt zu unserem Vorhaben“, sagt Axel Hellmann, Vorstandssprecher der Eintracht Frankfurt Fußball AG. Zwischen der Eintracht und dem SC Hessen bestehen seit dessen Gründung 2013 enge Verbindungen, etliche frühere Bundesligaspieler waren dort in verschiedenen Funktionen tätig.

In Dreieich, so Hellmann, könne man der Mannschaft eine moderne und sehr gut ausgestattete Heimspielstätte bieten. Neben dem Hauptfeld im Stadion gibt es einen multifunktionalen Kunstrasen sowie einen 44 mal 24 Meter großen Soccercourt. Seit geraumer Zeit sind Pläne in der Mache, die einen Ausbau vorsehen. Sie sind ganz nach dem Geschmack der Eintracht. „Um das Nutzungskonzept gewährleisten und alle Interessen berücksichtigen zu können, ist eine infrastrukturelle Weiterentwicklung des Sportparks unabdingbar. Wir befürworten daher den aktuellen Entwurf des Bebauungsplans ‚Sport-, Bildungs- und Freizeitcampus Lettkaut Sprendlingen‘ ausdrücklich und hoffen auf eine zeitnahe Realisierung des Vorhabens“, so Hellmann. Bestandteil dieses Plans, der auch dazu dienen soll, alle von Vereinen genutzten Flächen in der Lettkaut dauerhaft zu sichern, sind weitere Funktionsgebäude für die Sportler sowie eine mögliche Halle im Stadion. Auch eine Fußballschule könnte entstehen. Außerhalb sind ein weiterer Fußballplatz sowie weitere Parkplätze vorgesehen.

„Wir freuen uns sehr über das Engagement der Eintracht am Standort Dreieich, vor allem auch im Sinne der nachhaltigen Sicherung und Weiterentwicklung des Sportparks“, erklärt Bürgermeister Martin Burlon. Er ist auch froh über das „klare Bekenntnis“ der Eintracht zur Region und die geplante Einbindung ortsansässiger Vereine und sozialer Einrichtungen.

Die Koalition aus CDU, SPD und FWG empfängt die Eintracht mit offenen Armen. „Wir sind über die klaren Aussagen in Bezug auf die vereinbarte zukünftige gemeinsame Nutzung der Anlage durch die U21 und die Sicherstellung der Kinder- und Jugendmannschaften des SC Hessen sehr erfreut“, teilt CDU-Fraktionschef Hartmut Honka mit. Und zum Bebauungsplan: „Wenn diese Planung für die zukünftige Nutzung des Geländes durch die Eintracht und den SC Hessen förderlich ist, erwarten wir zeitnah die entsprechende Vorlage durch die Verwaltung in den städtischen Gremien.“

Ähnlich äußert sich Holger Dechert. Es sei gut, dass die beiden Partner eine Lösung gefunden hätten, „bei der der SC Hessen weiter besteht, seine für die gesamte Stadt wichtige Jugendarbeit fortsetzen kann und sich in bewährter Weise weiter in der Vereinslandschaft von Dreieich einbringen wird“, so der Vorsitzende der SPD-Fraktion. Mit dem neuen starken Partner sei es vielleicht auch möglich, das bisher unattraktive südliche Stadtentree aufzuwerten. Für Dechert ist es unerlässlich, den Bebauungsplan zu Ende zu bringen, der nicht nur den Ausbau des Sportparks ermögliche, sondern auch die Kleingärten sowie andere Vereinsgebäude rechtlich auf sichere Füße stelle.

Die FWG stehe den Planungen der Eintracht grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber, so Fraktionschef Marco Lang. „Wenn sich der SC Hessen wie signalisiert zurückzieht, hätte das Gelände zumindest eine nahtlose ,artgerechte’ Folgenutzung.“ Die Freien Wähler hätten seinerzeit dem Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan zugestimmt – „zu dieser Entscheidung stehen wir auch heute noch“, versichert Lang.

Für die FDP sei am wichtigsten, dass die Eintracht auf Nachfrage bestätigt habe, dass die bisherige Praxis, das Areal anderen wie Schulen, Behindertenhilfe etc. zur Verfügung zu stellen, beibehalten werden solle, betont Fraktionschef Alexander Kowalski und hebt als weiteren wichtigen Punkt die Fortsetzung der Jugendarbeit beim SC Hessen hervor.

„Für Fußball-Fans ist es sicher eine tolle Sache, wenn künftig Eintracht-Mannschaften im Sportpark auflaufen“, meint Roland Kreyscher. Nach wie vor handele es sich beim Ausbau aber um ein privatwirtschaftliches Vorhaben. „Das bedeutet auch, dass der Vorhabenträger die Kosten des Verfahrens trägt“, macht der Fraktionschef die Meinung seiner Partei klar. Üblicherweise werde das in einem städtebaulichen Vertrag geregelt. Und: „Vom Einstieg der Frankfurter Eintracht erwarten wir mehr Transparenz und Offenheit im weiteren Verfahren.“

Das fordern auch die Bürger für Dreieich. „Die grundlegende Frage ist, welchen Nutzen die Stadt und konkret die Dreieicher Vereine – hier: Sportvereine und dann der räumliche Bestandsschutz der Kleintiervereine nebenan – von den Planungen haben werden. Dieser Nachweis ist – neben einer Konkretisierung der baulichen Maßnahmen und einer transparenten Kommunikation aller Vorhaben an Bürger, beteiligte Vereine und Gremienvertreter – immer noch zu führen“, kritisiert Natascha Bingenheimer von der BfD-Fraktion.

Am 11. Mai wollen Vertreter der DSBM und der Eintracht in öffentlicher Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Umwelt und Energie ihre Pläne erläutern und Rede und Antwort stehen.

Von Frank Mahn

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