Dreieicher Stimmen zur Frankfurter Buchmesse

„Besuch ist immer ein Fest“

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Corinna Plate (Buchkontor) zeigt Kinderbücher zum Klimawandel.

Bücherstapel bis beinahe unter die Decke der Messehallen, über 7 500 Aussteller, royaler Flair zur Eröffnung mit dem norwegischen Kronprinzenpaar Mette-Marit und Haakon für das skandinavische Gastland und viele Buchautoren zum Anfassen nah.

Dreieich – Die Buchmesse ist 2019 wieder ein Besuchermagnet und am Wochenende öffnen sich endlich die Pforten auch für alle Bücherwürmer aus der Region.

Die Dreieicher Fachleute haben sich in den Messehallen bereits umgesehen und schildern ihre Eindrücke der einmaligen Atmosphäre. „Mein erster Weg führt immer zu Denis Scheck. Der Literaturkritiker bietet immer einen guten Überblick, was als Nächstes auf den Markt kommt – unverzichtbar als Buchhändlerin“, berichtet Jule Schmidt von der Buchhandlung „Gut gegen Nordwind“ in der Sprendlinger Hauptstraße.

Für sie sei die Messe auch immer eine gute Gelegenheit, Buchautoren live zu erleben. Am Mittwoch war ihre persönliche Überraschung der Live-Auftritt von Blogger Sascha Lobo. Sein Werk „Realitätsschock“ polarisiere. „Zu Beginn war das Publikum auch sehr verhalten, aber er hat so eine interessante Persönlichkeit, dass er im Laufe des Gesprächs die Sympathien seines Publikums gewonnen hat“, berichtet Jule Schmidt. Die Diskussion mit Grünen-Politiker Robert Habeck und dem französischen „Tierreich“-Autor Jean Baptiste Del Amo verdirbt ihr die Lust auf das nächste Schnitzel und ihr ganz persönlicher Höhepunkt ist die Lesung mit Sasa Stanisic, Gewinner des Deutschen Buchpreises.

„Schon seit dem Auftritt im Schauspiel, den ich vergangene Woche live erlebt habe, habe ich mit ihm gefiebert. Ein tolles Buch – es hat mich so gefreut, dass er gewonnen hat. Er hat es so verdient“, sagt Schmidt. Das Buch ist derzeit bei „Gut gegen Nordwind“ ausverkauft – aber es ist nachbestellt, denn die Nachfrage ist jetzt natürlich hoch.

Bei Corinna Plate im „Buchkontor“ in der Dreieichenhainer Fahrgasse stapelt sich das Gewinnerbuch „Herkunft“ noch auf einem Stuhl nahe der Eingangstür. „Ich habe es schon viel verkauft. Es ist, im Gegensatz zu dem Siegerbuch aus dem vergangenen Jahr, aber auch der pure Lesegenuss. Es ist unterhaltsam, spielt mit Sprache und nimmt ein ganz aktuelles Thema auf. Nämlich: Was bedeutet eigentlich Herkunft? Das Glück liegt in den kleinen Facetten und die Beschreibungen sind so empathisch“, hat auch Corinna Plate Freude an dem preisgekrönten Werk.

Für sie ist der Besuch bei der Buchmesse immer ein Fest – in diesem Jahr ein besonders gelungenes: „Die Branche atmet auf. Nach der depressiven Stimmung im vergangenen Jahr verbreitet sich derzeit Optimismus. Schön ist, dass die Sachbücher einen solchen Aufwärtstrend erleben“, sagt Plate. Auch wenn sie die 70 000 deutschsprachigen Neuerscheinungen als zu viel erlebt, gebe es viele spannende Werke.

Die Themenauswahl sieht sie stark von Greta Thunberg und den Diskussionen rund um den Klimawandel geprägt. „Selbst im Kinderbuchbereich haben wir verstärkt Bücher, die sich mit den Polargebieten, der Natur oder der Müllvermeidung beschäftigen. Das ist ein guter Trend!“

Die Stadtbücherei war gleich mit vier Bibliothekarinnen zu Gast bei der Buchmesse. „Das ist ein Pflichtbesuch und wir freuen uns immer sehr darauf“, sagt Leiterin Doris Bohländer-Schäfer. Sie selbst hat dem ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck und seinen Worten zur Toleranz gelauscht und hat sich ebenfalls die Lesung mit Sasa Stanisic angehört: „Es war toll, ihn live zu erleben.“

Auch die Chefin der Dreieicher Stadtbücherei erlebte die Messe als besonders politisch und mit einem klaren Bekenntnis der Branche gegen den Populismus und rechtes Gedankengut. Auch der Trend zu mehr Nachhaltigkeit und einem achtsamen Umgang mit der Natur sei an den Ständen auf dem Messegelände überall spürbar.

Doris Bohländer-Schäfer hat noch einen wertvollen Tipp für die Lesefreunde, die den Messebesuch an diesem Wochenende noch vor sich haben: „Gehen sie früh los. Wir waren gleich um neun Uhr in der Halle. Ab elf wird es fast unerträglich voll und um drei reicht es dann auch schon fast inmitten all des Trubels.“

VON NICOLE JOST

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