Sind giftige Dämpfe ausgetreten?

Hier gibt es keinen Sport, bis die Luft rein ist

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Momentan gesperrt: Nach dem Brand einer Heizungsanlage in der vergangenen Woche ist die Sporthalle auf dem HLL-Campus aktuell nicht nutzbar. Das trifft nicht nur die Max-Eyth-Schüler, sondern auch die Sportvereine.

Der Brand vergangene Woche auf dem HLL-Campus in Dreieich hat ein Nachspiel. Die Turnhalle der Max-Eyth-Schule ist immer noch nicht benutzbar. Ein Gutachter muss zunächst klären, ob giftige Dämpfe ausgetreten sind. So lange liegt nicht nur der Schulsport brach, auch viele Sportvereine sind betroffen.

Dreieich – „Achtung! Bis auf Weiteres gesperrt!“ Umrahmt von roter Flatterband-Optik prangen diese Worte auf den Schildern an der Turnhalle auf dem HLL-Campus. Seit dem Brand einer Heizungsanlage, der am Dienstagmittag vergangener Woche ausgebrochen war und einen Großeinsatz der Feuerwehr ausgelöst hatte (wir berichteten), ist das Haus acht auf dem Campus des HLL (Haus des lebenslangen Lernens) gesperrt. Darin sind Bewegungsräume der Vhs, Bistro und der Bandraum der Musikschule untergebracht – vor allem aber die Sporthalle.

Die Schüler der Max-Eyth-Schule (MES) müssen seitdem im Sportunterricht ein bisschen mehr Theorie pauken, sagt Wolf Dieter Gäbert, der Leiter des beruflichen Bildungszentrums auf dem Campus Dreieich. „Wir behelfen uns aber auch, indem wir einzelne freie Hallenplätze, etwa bei der Heinrich- Heine- oder Ricarda-Huch-Schule belegen“, sagt Gäbert. Man habe auch Squash-Plätze angemietet. „Die Lehrer reagieren auf die Situation.“

Denn auch, wenn der Brand in dem Technikraum – nach ersten Erkenntnissen war wohl ein technischer Defekt der Heizungsanlage die Ursache – von der Feuerwehr schnell gelöscht war, kann der Kreis als Schulträger nicht ausschließen, dass giftige Dämpfe in die Sporthalle und die anderen Räume gelangt sind. Denn der Rauch hatte sich schnell in alle Gebäudeteile verbreitet. „Ein Gutachter nimmt nun eine Messung vor. Bis wir wissen, dass keine giftigen Dämpfe in der Luft sind, bleibt die Sporthalle gesperrt“, sagt Kreissprecherin Ursula Luh.

Doch nicht nur die Schüler der MES sind betroffen. Neben den Schülern der Strothoff International School, denen das ebenfalls geschlossene Bistro mittags als Speiseraum dient, sind zahlreiche Abteilungen von Dreieicher Sportvereinen nun vorläufig ohne Trainingsort.

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Denn nachmittags gehen an unterschiedlichen Wochentagen die Basketballer des SVD, die Sportler der SKG-Abteilungen Badminton, Rhythmische Sportgymnastik, die Volleyballer des TVD sowie die Rhönradturner und Basketballer der STG in der Halle auf dem Campus ihrem Sport nach. Teilweise sind die Teams nun anderweitig untergekommen, teilweise liegt das Training brach.

Auch bei der Stadt helfe man den Vereinen bei der Suche nach Plätzen in anderen Hallen, um die Trainingszeiten aufrecht zu erhalten. „Geplante Veranstaltungen an den Wochenenden konnten auf andere Hallen kurzfristig umgelegt werden“, heißt es zudem aus dem Rathaus. So etwa bei der SKG: Sie richtet am Wochenende die Hessischen Meisterschaften in Rhythmischer Sportgymnastik aus, die eigentlich in der Sporthalle der Max-Eyth-Schule ausgetragen werden sollte. Der Wettbewerb ist nun in die Hans-Meudt-Halle verlegt worden. „Das ist ein enormer logistischer Aufwand für uns“, sagt Gigi Eschmann, Abteilungsleiterin Gymnastik/Tanz. Matten und Teppiche müssen aus den anderen Schulturnhallen zum Wettkampfort gebracht werden. Zudem habe die Meudt-Halle Stangen an der Decke und sei nicht so hoch wie eigentlich von den Sportlern benötigt. Doch immerhin kann das Turnier wie geplant stattfinden. Für das Training weichen die Kurse, die sonst dort trainieren, auf andere Schulsporthallen aus – teilweise wird parallel in abgetrennten Bereichen geprobt. „Wir rücken alle zusammen. Jetzt noch mehr als sonst“, sagt Eschmann.

Auch die Basketballer des SVD müssen zusammenrücken. „Unsere ersten Damen spielen in der Regionalliga und sind gerade in den letzten Zügen der Saison – da trifft uns die Hallensperrung ziemlich“, sagt der stellvertretende Abteilungsleiter Christoph Knittel. Insgesamt fünf Teams – die jeweils ersten und zweiten Mannschaften sowie die weibliche U18 – nutzen normalerweise die HLL-Halle. „Gerade trainieren wir unter beschränkten Bedingungen“, sagt Knittel. Nach dem Brand sei der Verein schnell informiert worden, noch am Abend wäre Training gewesen. „Jetzt hoffen wir auf eine verlässliche Aussage, wann wir die Halle wieder nutzen können.“

Nun hängt alles vom Ergebnis des Gutachtens ab. Nach Angaben der Kreis-Pressestelle war der Gutachter gestern Vormittag vor Ort. „Wir können aber noch nichts zum Ergebnis sagen, wir müssen erst das schriftliche Gutachten abwarten“, sagt Sprecherin Sandra Klauß. Das liege wahrscheinlich nächste Woche vor. An der MES und bei den Vereinen hofft man, dass es bestätigt, dass die Luft „rein“ ist – damit Schulsport und Training bald wieder wie gewohnt möglich sind.

Von Julia Radgen

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