Ausleihzahlen klassischer Medien gehen zurück

Stadtbücherei ist als Lernort gefragt

Die neuen MakeyMakeys präsentieren Büchereileiterin Doris Bohländer-Schäfer (links) und Linda Hein, Leiterin der Schul- und Stadtteilbücherei Weibelfeldschule. Foto: klemm Jeder Dreieicher ist rechnerisch viermal pro Jahr bei uns gewesen. Doris Bohländer-Schäfer Leiterin der Stadtbücherei

Mit der Jahresbilanz 2018 ist die Stadtbücherei Dreieich zwar zufrieden, allerdings macht sich ein insgesamt verändertes Lese- und Nutzerverhalten in Bibliotheken auch in Dreieich bemerkbar.

Dreieich – Die Ausleihzahlen sind – wenngleich nur leicht – rückläufig, dafür werden die Bibliotheken immer mehr als Treffpunkt sowie als Ort der Kommunikation und Begegnung genutzt. Diesem Trend will auch die Stadtbücherei Rechnung tragen.

Lag die Ausleihe 2017 noch bei 216.586 Medien, sank die Zahl auf 195.025 im vergangenen Jahr. Neben dem heißen Sommer führt Leiterin Doris Bohländer-Schäfer das auf ein geändertes Nutzerverhalten zurück – dem Bücherlesen und -ausleihen machten nicht zuletzt die Sozialen Netzwerke, Smartphones und Tablets Konkurrenz. Bei anderen Bibliotheken sei der Rückgang stärker ausgefallen, berichtet sie.

Den Trend kann auch Linda Hein, Leiterin der Schul- und Stadtteilbücherei Weibelfeldschule, bestätigen: „Es wird aber weiter gelesen.“ Immer wieder kämen Schüler und andere Nutzer in die Bücherei, um das Cover eines Buches abzufotografieren und es sich dann online zu besorgen.

Dazu passt, dass die Ausleihzahl der elektronischen Medien um 7,58 Prozent (von 22.749 auf 24.473) gestiegen ist. Die Stadtbücherei gehört zu den Gründungsmitgliedern des Onleihe-Verbundes Hessen (www.onleiheverbundhessen.de), dem mittlerweile 103 Bibliotheken mit einem Bestand von 202.116 E-Medien angehören. „Es zeigt sich, dass Kunden mit ganz ungewohnten Lesegewohnheiten die Stadtbücherei besuchen“, betont Bohländer-Schäfer. Manche würden weiterhin lieber in gedruckten Büchern lesen, andere bevorzugen hingegen die elektronische Version. „Das Angebot konkurriert nicht, vielmehr sprechen die unterschiedlichen Medienformen unterschiedliche Zielgruppen an und ergänzen sich damit“, weiß die Büchereileiterin.

Während die Ausleihzahlen der klassischen Medien zwar gesunken seien, werde die Bibliothek vermehrt als „Dritter Ort“ genutzt, sagt Bohländer-Schäfer. Dieser Begriff stammt vom US-Soziologen Ray Oldenburg, der die Wohnung als ersten, den Arbeitsplatz als zweiten und Räume der Kommunikation als dritten Ort bezeichnet. Bibliotheken werden zur Begegnung, Inspiration und lokalen Identifikation genutzt – so auch in Dreieich: Mit 170.945 und 181.036 Besuchern in den beiden vergangenen Jahren zählt die Stadtbücherei mit ihren fünf Zweigstellen zu den beliebtesten und meist genutzten Kultur- und Bildungseinrichtungen der Stadt. „Jeder Dreieicher ist damit rechnerisch viermal bei uns gewesen“, rechnet die Leiterin vor. Die 400 Veranstaltungen verzeichneten 11.685 Besucher.

Die Bibliotheken werden nicht nur als Treffpunkt, sondern auch zum gemeinsamen Lernen genutzt. Das zeigt sich beispielsweise im Selbstlernzentrum im Haus des lebenslangen Lernens (HLL) sowie in der Schul- und Stadtteilbücherei der Weibelfeldschule. „Bei uns bereiten sich Schüler auf das Abitur vor. Sie finden es schön, auch mal das Handy auslassen zu können“, sagt Hein.

Den aktuellen Trends will sich die Stadtbücherei Dreieich nicht verschließen. „Wir wollen Dinge ausprobieren und schauen, was ankommt und funktioniert“, meinen Bohländer-Schäfer und Hein. Zu den neuen Wegen zählen auch Anschaffungen aus dem Preisgeld – in Höhe von 10.000 Euro – zum Hessischen Bibliothekspreis der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, über den sich das Team der Stadtbücherei im vergangenen Jahr freuen konnte. Das Geld wurde in zwei iPads investiert, um den multimedialen Lerngedanken vor Ort im Selbstlernzentrum zu unterstreichen, und in einen Klassensatz der Lerngeräte MakeyMakeys, mit dem Kinder und Jugendliche Stromkreise kreativ koppeln können. Finanziert wurden auch sogenannte Tonies. Dabei handelt es sich um ein digitales Audiosystem für Kinder. Die Ausleihe startet im April.

Um den Treffpunktcharakter der Bücherei und ihrer Zweigstellen zu unterstreichen, wird es auch in diesem Jahr wieder Lesungen, Vorlesestunden und Ausstellungen geben. Fortgesetzt wird beispielsweise auch die enge Zusammenarbeit zu historischen Themen mit Oberstufenschülern der Ricarda-Huch-Schule.

Außerdem laufen bereits jetzt die Vorbereitungen zum 70-jährigen Bestehen der Stadtbücherei Sprendlingen auf Hochtouren, das im kommenden Jahr gefeiert wird.

Von Holger Klemm

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