Feuerwachen sind in die Jahre gekommen

Dringender Sanierungsbedarf bei der Feuerwehr 

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Die Duschen im Götzenhainer Feuerwehrhaus sind bereits 50 Jahre alt. Auch in den anderen Wachen in den Stadtteilen sind die sanitären Anlagen in keinem guten Zustand.

Dreieich - Feuerwehrleute springen mitten in der Nacht in ihre Einsatzfahrzeuge, wenn es in der Stadt brennt. Sie retten Menschenleben bei Unfällen oder Katzen aus Bäumen und sie packen an, wenn nach einem Starkregen die Keller ganzer Straßenzüge vollgelaufen sind.

Aber in Dreieich hat die Freiwillige Feuerwehr auch mit anderen Problemen zu kämpfen. Mit 224 Einsatzkräften hat die Stadt Dreieich die größte und schlagkräftigste Feuerwehrtruppe im ganzen Kreis Offenbach, die im vergangenen Jahr bei 705 Einsätzen für Sicherheit für die Bevölkerung gesorgt hat. Am Sommerstammtisch der Grünen erzählen die drei ehrenamtlichen Stadtbrandinspektoren Markus Tillmann (Feuerwehr Offenthal), Carsten Lichtinghagen (Feuerwehr Götzenhain) und Ulrich Schulz (Feuerwehr Sprendlingen) aus dem Alltag der Lebensretter, der positiven Entwicklung der Personalstärke, aber auch von den Problemen, mit denen die Einsatzkräfte zu kämpfen haben.

„In der Frage unserer Ausrüstung wollen wir uns nicht beschweren. Bei der Sicherheit und der Ausstattung spart die Stadt Dreieich nicht und wir liegen weit vorn“, erklärt Carsten Lichtinghagen dem Grünen-Fraktionssprecher Roland Kreyscher und seinen Parteikollegen. Das klingt nach einem deutlichen Aber und das kommt auch prompt: Schon seit vielen Jahren sei der Stadt der dringende Sanierungsbedarf der Feuerwehrhäuser bekannt.

„Das Geld für die anstehenden Arbeiten wird noch meist in den Haushalt eingestellt, aber die Maßnahme wird dann immer weiter verschoben“, weiß Stadtbrandinspektor Markus Tillmann. Eigentlich seien alle fünf Feuerwehrhäuser in den Stadtteilen in die Jahre gekommen. Stinkende Toiletten, kaputte Türen, rieselnder Putz. „Wir wissen uns zu helfen – aber irgendwann geht es eben auch nicht mehr.“ So seien die Duschen, die beispielsweise die Götzenhainer Feuerwehrleute nach einem anstrengenden Einsatz nutzen, fast 50 Jahre alt, betont Lichtinghagen. Leicht muffeliger Geruch und sich stauende Abflüsse inklusive.

Fehlende Umkleiden für Feuerwehr-Frauen

Für die Kinder- und Jugendwehren gibt es keine Räume und seit Jahren ein großes Thema sind auch die fehlenden Umkleiden für die Feuerwehr-Frauen. Nicht zuletzt dank der erfolgreichen Feuerwehr-AG mit der Weibelfeldschule ist der weibliche Anteil in den Einsatzabteilungen von acht auf zwölf Prozent gestiegen.

Lediglich im Feuerwehrhaus Sprendlingen gebe es eine eigene Umkleide für die Frauen. „Aber die ist im Keller. Wenn sie dann schon schnell im Feuerwehrhaus sind, rennen die Frauen nicht die Treppe rauf und runter. Sie wollen auch auf dem ersten Einsatzwagen sein und ziehen sich dann doch zwischen den Männern um“, sagt Markus Tillmann. Einzig für Offenthal ist kurzfristig Abhilfe in Sicht, weil dort eine Halle frei wird, in der bislang Katastrophenschutz-Utensilien gelagert sind. Die Sachen kommen nach Sprendlingen.

Für Peter Graff, Fraktionsmitglied der Grünen, ist der Sanierungsstau an den Feuerwehrgebäuden neu. „Wir sehen diese Details im Haushalt nicht. Bei uns kommt das Produkt nur in dem Punkt Umlagen an. Das müssen wir dann schon mal gezielt nachfragen, denn so haben wir immer unwissentlich zugestimmt, dass die Sanierung noch mal verschoben wird“, will Graff die Feuerwehrleute unterstützen. Im aktuellen Nachtragshaushalt für 2018 ist die Sanierung der sanitären Anlagen für Götzenhain und Dreieichenhain mit 12.000 und 14.000 Euro eingeplant.

Freiwillige Feuerwehr Offenthal feiert 125 Jahre

Die im Mai 2017 eingeweihte Feuerwache Nord in der Maybachstraße habe sich bewährt, berichten die Stadtbrandinspektoren. Die mobile Wache helfe sehr, die gesetzlich vorgeschriebenen Hilfsfristen von zehn Minuten auch im Sprendlinger Norden einzuhalten. „Wir wünschen uns, dass das Provisorium zeitnah aufgegeben wird und durch einen Bau ersetzt wird. Wir müssen dann auch noch mal über den Standort reden“, sagt Markus Tillmann.

Die Idee, in der verlängerten Fichtestraße eine zweite Sprendlinger Feuerwache einzurichten, sei nach wie vor sehr interessant, weil viele Feuerwehrkollegen dort in der Nähe wohnen und von diesem Standort aus auch Buchschlag gut anfahrbar sei. Das sei nämlich der einzige Stadtteil, der mit nur noch zwölf Einsatzkräften – besonders tagsüber – sehr dünn besetzt ist.

Schüler beim „Grundlehrgang der Feuerwehr“: Bilder

Diese Dezentralität der Feuerwachen in den fünf Stadtteilen, so betonten alle drei Stadtbrandinspektoren, sei der einzige Weg in dem großen Stadtgebiet von Dreieich für ausreichend Sicherheit zu sorgen. Sie erteilen damit auch einer leisen Frage Roland Kreyschers nach Tabus, wie der Zusammenlegung zweier Stadtteilwehren, beispielsweise von Offenthal und Götzenhain, eine klare Absage. (zcol)

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