Konkurrenzkampf mit harten Bandagen

Dubiose Wahl der Kleingärtner beschäftigt Justiz

Dreieich - Es ging tumultartig zu in der Jahreshauptversammlung des Kleingärtnervereins Sprendlingen im Oktober 2016. Auslöser: der Tagesordnungspunkt Wahl von Günter Neukirch zum Vorsitzenden. Von Holger Klemm und Frank Mahn 

Mit dem Vorwurf der Wahlmanipulation beschäftigte sich jetzt das Amtsgericht Langen – und gab dem Kläger recht. Es sind massive Vorwürfe, die Sergej Krüger erhebt. Das Mitglied des Kleingärtnervereins bezeichnet Neukirch als „Alleinherrscher“ und hält ihm Willkür vor. „Manche Leute im Verein haben Angst vor ihm“, sagt Krüger, der in der Jahreshauptversammlung im Oktober für das Amt des Vorsitzenden kandidieren wollte. Dies habe Neukirch verhindert. „Er wollte mich nicht mal reinlassen“, schildert Krüger. Am Mikrofon habe er dann seine Kandidatur bekannt gegeben und gefordert, dass sein Name auf den Wahlzettel geschrieben werde, berichtet Krüger. Das sei nicht mehr möglich, weil der Zettel schon vorbereitet sei, habe ihm Neukirch entgegnet.

Mehr als 200 Mitglieder erlebten im Sprendlinger Bürgerhaus eine hitzige und chaotische Versammlung, bei der zwischendurch sogar mal die Polizei auftauchte. Die habe Neukirch verständigt, um ihn aus dem Saal zu weisen, sagt Krüger. Allerdings habe er damit keinen Erfolg gehabt. Besagter Wahlzettel und das folgende Prozedere waren es, die Krüger endgültig auf die Palme brachten. Auf diesem habe es neben dem Namen Neukirch nur ein Feld für Enthaltungen, aber keines für Nein-Stimmen gegeben. Auf die entsprechende Fragen habe es die Antwort gegeben, dass Leute, die Neukirch nicht wählen wollten, Enthaltung ankreuzen sollten. Am Ende habe es mehr Enthaltungen als Stimmen für Neukirch gegeben. Die Versammlung sei dann abgebrochen worden, so Krüger. Bei einer zweiten Versammlung hätten die Besucher erfahren, dass ein Anwalt alles geprüft habe und Neukirch rechtmäßig Vorsitzender sei. So seien nur die anderen Vorstandsmitglieder gewählt worden.

Ob dieser dubiosen Umstände zog Krüger vors Amtsgericht. Nach der Verhandlung vor zwei Wochen verkündet Richter Sebastian Uebele gestern Morgen das Urteil. Er gibt der Klage statt. Neukirch sei demnach kein Vorsitzender des Kleingärtnervereins. Die Begründung wird Kläger und Beklagtem zugeschickt. Uebele sagt aber, dass für ihn der Wahlzettel ausschlaggebend gewesen sei. Es habe keine Option gegeben, auch mit Nein zu stimmen. Der Richter hat nach eigenen Angaben während der Verhandlung den Vergleich vorgeschlagen, Neuwahlen abzuhalten. Dies sei von Neukirch abgelehnt worden – mit der Begründung, dass dies zu viel Zeit in Anspruch nehme.

Gartenfotos von Familie Schäfer aus Dreieich 

Der Beklagte teilt gestern auf Anfrage mit, dass er noch auf eine Bestätigung des Urteils durch seine Anwältin warte. Neukirch betont aber, bis zu einer Neuwahl kommissarisch im Amt zu bleiben. Zudem müsse das Gericht zu einer Neuwahl auffordern. Er räumt ein, dass die Versammlung „etwas chaotisch“ verlaufen sei. Das habe daran gelegen, dass bei früheren Versammlungen per Handzeichen abgestimmt worden sei.

Es würden sich zwar nun einige bei der Stadt freuen, mutmaßt Neukirch. „Doch dazu gibt es keinen Grund“, betont er. Es gehe weiter darum, für den Erhalt der Gärten in der Lettkaut zu kämpfen. Dort will Investor Hans Nolte bekanntlich mit der Frankfurter Eintracht eine deutsch-chinesische Fußballakademie bauen. Bürgermeister Dieter Zimmer hatte daher „vorsorglich“ drei dort angesiedelten Vereinen gekündigt, darunter den Kleingärtnern. Unter Neukirchs Führung leisteten sie bislang erbitterten Widerstand gegen das Projekt.

Gartenbilder von Rosemarie und Uwe Rohe aus Dreieich

Rubriklistenbild: © dpa

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