Mal eben nach Berlin geradelt

Eintracht-Fans sammeln mehr als 6600 Euro für sozialen Zweck

+
Freuen sich über den Erfolg der Spendenaktion „Mit dem Rad nach Berlin“ (von links): Atilla Freund (Frankfurt), Jens Warnek (Bergen-Enkheim), Dominik Brinker (Ortenberg/Wetteraukreis), Kerstin Schäfer aus Sprendlingen, Katrin Winter (AKHD) und Michael Kullmann (Offenbach). Auf dem Bild fehlt der sechste Radler im Bund, Bernhard Merk.

Dreieich - Der 19. Mai 2018 ist ein Datum, das Kerstin Schäfer so schnell nicht vergessen wird. Am Abend dieses Samstags entzauberte die Frankfurter Eintracht die hochfavorisierten Münchner Bayern im Pokalfinale mit 3:1 und versetzte ihre Fans in einen Freudentaumel. Von Frank Mahn

Mittendrin im Berliner Olympiastadion: Kerstin Schäfer und ihr Mann Roger. Während er die Hauptstadt konventionell mit dem Auto angesteuert hatte, war Kerstin Schäfer in besonderer Mission unterwegs – mit dem Fahrrad und als Spendensammlerin für den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Frankfurt/Rhein-Main (AKHD), für den die 51-Jährige seit drei Jahren ehrenamtlich engagiert ist. Bei der Tour kam die stolze Summe von 6602,38 Euro zusammen.

Die Vorgeschichte: Das Ehepaar weilte auch 2017 beim Finale in Berlin, als die Eintracht gegen Dortmund den Kürzeren zog. Kerstin Schäfer gehörte zum Empfangskomitee, das die damalige Radlergruppe begrüßte. Die war ebenfalls für den AKHD unterwegs und sammelte mehr als 6500 Euro ein. „Das hat mich gereizt und ich hab’ mir gedacht: Da kannst du doch auch mal mitfahren“, erzählt die Dreieicherin. Radfahren ist zwar nicht ihre Spezialdisziplin, „aber ich bin sportlich und laufe sehr viel“.

Hölzenbein löst Ticketproblem

Mit fünf anderen Eintracht-„Nasen“ nahm sie das Abenteuer vom Römer aus in Angriff. Nach wenigen Kilometern – insgesamt sind es etwa 600 – erlebte der Tross eine Riesenüberraschung. In einem Ort in der Wetterau wurden die Radler von Weltmeister Bernd Hölzenbein und einem Team von Eintracht-TV abgepasst. Außer Schäfer – sie und ihr Mann verpassen seit Jahren kaum ein Spiel im Stadtwald – hatte keiner Karten für das Finale, die Männer waren auf gut Glück losgefahren. Die Benefizaktion hatte sich mittlerweile aber rumgesprochen und Eintracht-Legende Hölzenbein versorgte die Unterstützer nicht nur mit T-Shirts – er löste auch das Ticketproblem.

Nach fünfeinhalb Tagen trafen die Radler erschöpft, aber glücklich auf dem Breitscheidplatz ein. „Es ist überwältigend, dass nach dem Erfolg im letzten Jahr auch dieses Jahr wieder so viel Geld gesammelt werden konnte. Wir haben uns für den guten Zweck gemeinsam auf diesen schweißtreibenden Weg gemacht. Jeder hat seinen Teil zum Gelingen beigetragen“, sagt Kerstin Schäfer. Und Mitfahrer Dominik Brinker ergänzt: „Die Unterstützung durch die einzelnen Fanclubs und Personen an der Strecke hat uns täglich motiviert weiterzufahren. Der Pokalsieg hat die Fahrt dann noch gekrönt.“

Bilder: So feiern Fans und Team den Pokalsieg der Eintracht

Auch Katrin Winter, Koordinatorin beim AKHD, ist stolz auf das Team und seine Leistung. „Wir sind auch in diesem Jahr von dem medialen Interesse überrascht worden. Umso glücklicher sind wir, dass durch diese Aktion viele Menschen auf die Kinderhospizarbeit aufmerksam wurden und uns unterstützen.“

Der Ambulante Dienst begleitet Kinder und Jugendliche auf ihrem letzten Weg. Ziel ist es, die Lebensqualität der Kinder und ihrer Familien zu verbessern. Qualifizierte ehrenamtliche Mitarbeiter betreuen die Familien ab der Diagnose, im Sterben und über den Tod hinaus. Sie orientieren sich dabei an den Bedürfnissen der Betroffenen, für die das Angebot kostenfrei ist.

Eintracht gewinnt Pokalfinale gegen Bayern: Bilder

Im AKHD Frankfurt, der 2006 eröffnet wurde, werden aktuell 30 Familien aus der Region begleitet. Der Dienst finanziert sich überwiegend aus Spenden. Die Betreuung erfolgt meistens zuhause, es gibt aber auch Kooperationen mit mehreren Frankfurter Krankenhäusern.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare