Eigenes Start-up mit Fallnetz

Bei Ad&Vision selbstständig Mini-Agentur leiten

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Hier soll die Mini-Agentur ihren Sitz haben: Ad&Vision-Inhaber Udo Kübler, und sein Sohn Patrick, Geschäftsführer des kreativen Bereichs, zeigen den Raum für das Start-up-Experiment, das ein Jahr läuft.

Dreieich - Fünf Kreative, ein Jahr Zeit und ein eigenes kleines Büro ohne Miete – das steckt hinter dem Projekt „AdLab“. Von Julia Radgen

Damit will der Dreieicher Agenturinhaber Udo Kübler jungen Hochschulabsolventen die Chance geben, ihr eigenes Start-up zu gründen – angedockt an die Agentur, aber eigenständig. Bisher hat Udo Kübler erst zwei Interessenten für sein Experiment beisammen. „Die meisten fragen ,Wo ist der Haken?‘, andere trauen sich die Sache nicht zu“, sagt der Inhaber von Ad&Vision. Seine Agentur für Kommunikation – „wir machen mehr als eine klassische Werbeagentur“ – hat er vor 23 Jahren gegründet. „Davor war ich selbstständig und habe viele Erfahrungen gemacht, für die ich zwar im Nachhinein dankbar bin, die ich anderen aber gerne ersparen möchte“, erklärt Kübler, warum er auf die Idee kam, ein rund 100 Quadratmeter großes Büro mit allem Drum und Dran kostenlos für junge Absolventen aus den Bereichen Design, Werbung und Digitales bereitzustellen.

Vor Ort können die Kreativen die vorhandene Technik nutzen: Das Start-up auf Probe bekommt ein eigenes Datennetzwerk und Drucker, sogar eine Kaffeebar. „AdLab ist genau das, was ich mir gewünscht hätte, als ich, mit meinem Abschluss in der Tasche, als Einzelkämpfer angefangen habe“, erklärt Kübler. Das Experiment soll den Kandidaten dabei helfen, sich auszuprobieren und ihre Ziele zu erreichen – ohne das hohe finanzielle Risiko, das sonst schon für die Infrastruktur anfällt. Das AdLab garantiere nicht, dass alles so läuft, wie die Teilnehmer es sich vorstellen, aber die Fallhöhe sei gering. „Es bietet keine Sicherheit vor Rückschlägen, kann sie aber abmildern. Immerhin entfällt die Sorge um Miete und Equipment“, sagt Kübler, der glaubt: „Wer sich weiterentwickeln will, muss aus seiner Komfortzone heraus.“

Der Raum des AdLab schließt direkt an den der Agentur an. „Man kann die Tür zumachen und hat seine Ruhe – oder man ist nah dran am Geschehen“, sagt Kübler. Das sei die Grundidee hinter dem Kreativ-Unternehmen auf Probe. Die fünf Teilnehmer arbeiten unabhängig von der Mutteragentur, darauf legt Kübler wert. „Wir halten uns keinen kleinen Ableger mit Abhängigen.“ Die jungen Kreativen könnten eigene Kunden in eigenen Projekten betreuen, haben aber die rund 40 erfahrenen Kollegen der Dreieicher Agentur in Reichweite und können von diesen lernen. „Die Projekte der Agentur stehen den Teilnehmern offen“, sagt Kübler. Das sei auch für die Kunden eine neue Erfahrung. Wer nach einem Jahr dort weiter arbeiten wolle, über den freue man sich; genauso gut können die Teilnehmer der Versuchs-Agentur einfach weiterziehen.

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Doch bisher sei die Resonanz sehr dünn gewesen, berichtet Kübler enttäuscht. Man habe Hochschulen für Gestaltung/Design, Digitale Medien und Marketing angeschrieben, „doch wir werden oft mit Headhuntern in einen Topf geworfen.“ Dabei suche er mit dem Projekt nicht Mitarbeiter, sondern wolle jungen Absolventen Starthilfe geben. Ganz uneigennützig ist die Sache aber nicht: Kübler spricht von einer Win-Win-Situation. Die Teilnehmer des Projekts können Kontakte zu dem Kundenstamm der Agentur knüpfen – „und wir profitieren mitunter vom unverbrauchten, jungen Denken, das uns neue Ideen aufzeigen kann“.

Business statt Bücher: Wenn Studierende gründen

Das AdLab-Projekt ist bewusst als nur einjährige Fortführung des Studiums – also Start-up auf Zeit – angelegt. Das Jahr beginnt, sobald das Team ausgewählt wurde. „Wir können auch mit zwei Leuten anfangen, aber da ist die Durchmischung nicht ideal.“ Am besten sollten Werber, Grafiker, Texter, Softwareentwickler und Eventmanager zusammenarbeiten. Nach einem Jahr bietet sich dann bis zu fünf neuen Teilnehmern die Chance auf das Abenteuer Start-up. Absolventen aus Design und Werbung können sich noch bis zum 30. September – einzeln oder als Team – unter www.adlab.rocks bewerben.

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