Eine Ode an den Gerstensaft

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Peter Bach zeigt seine Sammlung.

Dreieichenhain - 1516 ist für Peter Bach ein wichtiges Jahr. Zum Ende des Mittelalters wurde nämlich das Reinheitsgebot verkündet. Von Enrico Sauda

Bierliebhaber Bach hat dieses bedeutende Ereignis in einem Schaukasten festgehalten. Zu sehen ist die Szene, die er mit 28 bis 30 Millimeter großen Zinnfiguren nachgestellt hat, noch bis Sonntag, 20. September, in einer neuen Ausstellung im Dreieich Museum, die am Donnerstagabend eröffnet wurde.

Die „Hopfen und Malz im Mittelalter“ betitelte Schau umfasst mehr als 50 solcher Dioramen und führt chronologisch von den Anfängen der Herstellung des Bieres über die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung des Gerstensaftes im Altertum und den ersten Stationen der Braukunst in Klöstern sowie mittelalterlichen Ortschaften bis hin zur Bierfröhlichkeit um die Jahrhundertwende. So zeigen die Werke, die Bach in manchmal monatelanger Kleinarbeit zusammenstellt, Begebenheiten aus dem alten Ägypten, Saufgelage um 52 nach Christi Geburt oder auch eine Szene aus dem „Jedermann“ - die ist übrigens erstmals zu sehen. „Die Ägypter konnten bereits bierähnliche Getränke herstellen.“ Deshalb zeigt ein Diorama eine Mumifizierung, weil dem Toten eine besondere Biersorte als Wegzehrung ins Jenseits mitgegeben wurde.

Doch Peter Bach stellt nur etwa ein Drittel seiner kompletten Sammlung aus, die er in drei Jahrzehnten zusammengestellt hat.

Eines der liebevoll angefertigten Ausstellungsstücke.

Auf die Idee, Zinnfiguren zu bemalen und szenisch aufzubauen, kam der ehemalige Journalist durch ein amerikanisches Ehepaar, das in Flein bei Heilbronn in seiner Nachbarschaft wohnt. „Sie brachten mich zu ‚Klio‘, der deutschen Gesellschaft der Freunde und Sammler kulturhistorischer Zinnfiguren“, erinnert sich Peter Bach, der sofort Feuer und Flamme für die kleinen Figuren war. „Weil aber in dem Verein jeder ein eigenes Spezialgebiet hat, wollte ich mir auch eines suchen.“ Und da Bach nicht nur für Verlage, sondern auch für so manche Brauerei in der Öffentlichkeitsarbeit tätig war, lag das Thema auf der Hand. Außerdem sind seine Frau Ingrid und er leidenschaftliche Biertrinker. „Sehr zum Verdruss der Fleiner, denn der Ort ist bekannt für seinen Wein.“

Mehr als eine halbe Million Zinnfigurentypen gebe es bisher. Davon besitzt Peter Bach einige Hundert verschiedene. „Doch ich bin sicher, dass der Hersteller eine ganz andere Zielrichtung hatte, als dass seine Rohlinge die Biergeschichte darstellen“, ulkte der Ausstellungsmacher, der seine Figuren bei der Kulmbacher Zinnfigurenbörse, die im zweijährigen Turnus über die Bühne geht, findet. „Kurios ist sicher auch, dass die Börse im dortigen Bierstadl stattfindet“, sagt Bach mit einem Augenzwinkern. Obwohl es bereits mehr als 500 000 Figurentypen gibt, „finde ich dort immer wieder neue Winzlinge, die ich mir dann herausfische“, berichtet Bach, der seine Sammlung bereits oft gezeigt hat. Seine erste Ausstellung war etwa 1988 im Wehrgeschichtlichen Museum in Raststatt - „Bier und Militär, das passte irgendwie zusammen“. Seitdem war seine Sammlung viel unterwegs - er präsentierte sie rund 50 Mal.

Die Bierausstellung im Museum

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Dem Sammler, der sein Alter nicht verraten möchte, geht es um die Darstellung der Geschichte des Bieres - „ich habe mich immer schon für die Vorgeschichte interessiert“. Zum anderen ist ihm die Kunst des Bemalens der Figuren wichtig. „Man muss bedenken, das deren Köpfe nicht größer sind als der Nagel des kleinen Fingers einer kleinen Hand.“ Das sei die Herausforderung. Hin und wieder sehe man den Figuren auch die Laune an, die Bach beim Verzieren hatte. „Dann lächelt die eine halt mal und die andere schaut böse.“

Mit seiner Sammelleidenschaft gehört Bach zu einer Gruppe von rund 5 000 Leuten, die sich organisiert haben. „Doch es gibt viel mehr Sammler. Etwa 50 000 bis 60 000.“

Das Dreieich Museum ist dienstags bis freitags von 9 bis 12.30 und von 14 bis 18 Uhr geöffnet sowie samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 10.30 bis 18 Uhr.

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