Mit einem Tee gegen Malaria

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Emanuel Schaaf vor dem Bild einer Artemisia-Annua-Anamed-Pflanze.

Sprendlingen ‐ Emanuel Schaaf schickt Tee nach Afrika. An sich nichts Außergewöhnliches. Doch dieses Getränk soll dort Menschen heilen, die an Malaria erkrankt sind. Die Pflanze, aus der dieses Getränk gebraut wird, pflanzt er selbst an, früher in einer Gärtnerei, jetzt auf dem Balkon: Es handelt sich um Artemisia Annua-Anamed, eine Heilpflanze. Von Enrico Sauda

Zwar sei die heilende Wirkung dieses Krauts bereits seit einigen Tausend Jahren bekannt - in China wird er seit 340 gegen Malaria verwendet. Aber so richtig in den Fokus der Öffentlichkeit geriet die Pflanze erst, als während des Vietnamkrieges bei den Amerikanern und den Nordvietnamesen Malaria ausbrach, weiß der Heilpraktiker der an der Frankfurter Straße eine Praxis unterhält.

Wirkung galt lange Zeit als umstritten

Forscher fanden damals in China heraus, dass es vor vielen Tausend Jahren bereits ein Fieber gegeben hat, das der Malaria glich und das mit dieser Pflanze erfolgreich bekämpft wurde. „Der Wirkstoff, das Artemisinin, sitzt in Blättern“, erklärt Schaaf, der die Pflanzen, die er zieht, ausschließlich nach Afrika liefert. „Ich schicke sie nach Winnenden zu Dr. Hans-Martin Hirt, der auf dem Schwarzen Kontinent sehr aktiv ist. Dort hat die Pflanze wegen der Entwicklungshilfe große Verbreitung gefunden.“ Dass sie überhaupt wirken würde, galt lange Zeit als umstritten. So sollen erste Studien der Weltgesundheitsorganisation nach dem Vietnamkrieg (WHO) ergeben haben, dass sie nicht helfe. „Allerdings kann das daran liegen, dass sie eine andere Pflanze der gleichen Gattung untersucht haben, die über weniger Wirkstoff verfügt“, vermutet Schaaf, der seinem Beruf seit etwa zwei Jahrzehnten nachgeht.

Der Tee soll richtig scheußlich schmecken

Vor rund zehn Jahren soll es eine neue Prüfung gegeben haben, „die positiv ausfiel. Wahrscheinlich wird sie deshalb nun von der WHO in Kombination mit chemischen Wirkstoffen empfohlen“, vermutet Schaaf, der die Pflanze vor zwei Jahren bereits angebaut, rund 50 Kilogramm geerntet und verschickt hat. „Die Menschen in Afrika können den Tee - der übrigens richtig scheußlich schmecken soll - entweder vorbeugend trinken oder wenn sie bereits erkrankt sind. Wobei ich den Artemisia-Tee nicht als Medikament zur Prophylaxe empfehle.“ Er gibt Artemisia nur noch als Rohstoff zur Weiterverabreitung ab.

Der Tee helfe auf jeden Fall. „Nach drei Tagen geht es den Erkrankten besser, nach fünf Tagen haben sie kein Fieber mehr“, berichtet Schaaf. Das liege daran, dass der Wirkstoff mit freiem Eisen reagiere, das hauptsächlich in den roten Blutkörperchen sitze. „Dort sind auch die Malaria-Erreger, die Eisen brauchen. Die chemische Reaktion, die dann in den Blutkörperchen stattfindet, tötet die Erreger ab.“ Ernsthafte Nebenwirkungen seien ihm nicht bekannt.

Stellt sich die Frage, warum dieses Mittel nicht längst überall erhältlich ist. Es sei schwer, den Wirkstoff etwa als Tablette einzunehmen, weil der Körper dem Wirkstoff der hohen Konzentration wegen schnell den Garaus mache. Und auf Tee gibt es keine Patente, „deshalb könnte die Pflanze für die Pharmaindustrie nicht von Interesse sein“.

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