Mehrheit auf wackligen Füßen

Empfehlung für Einführung von Leinenpflicht während Brutzeit

Dreieich - Die Diskussion dauerte gerade einmal 13 Minuten. Mit knapper Mehrheit hat der Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Energie dem Parlament die Einführung einer Leinenpflicht während der Brut- und Setzzeit empfohlen. Von Frank Mahn 

Die knapp 20 Hundehalter im Rathaus hatten sich den Abend anders vorgestellt. Die Grünen hatten das Thema auf die Agenda gesetzt, das in Dreieich zuletzt zur Jahreswende 2015/2016 behandelt worden war. Damals kassierte Bürgermeister Dieter Zimmer (SPD) eine vom Magistrat eingebrachte Vorlage – mangels Aussicht auf Erfolg im Vorfeld der Kommunalwahl. Nun haben die Grünen einen neuen Anlauf genommen, eine Satzung mit der bei vielen Hundehaltern unbeliebten Leinenpflicht zu verankern.

Man wolle nicht mit „Feld- und Flursündern abrechnen“, erklärt Fraktionssprecherin Dr. Heidi Soboll zu Beginn ihres Plädoyers, nachdem ein Besucher gefragt hatte, ob den Grünen Zahlen von Vorfällen mit frei laufenden Hunden bekannt seien. Es gehe ihrer Fraktion um den vorsorgenden Naturschutz und den Erhalt der biologischen Vielfalt. Das funktioniere allerdings nicht ohne gegenseitige Rücksichtnahme. Betroffen seien vor allem Tiere, die ihre Jungen am Boden aufziehen. Eine Leinenpflicht solle verhindern, dass Feldhasen, Lerchen, Bekassinen oder Rebhühner bei der Aufzucht gestört werden. Hunde hätten einen angeborenen Jagdtrieb, der zur Gefahr für Wildtiere werden könne. Hundehalter bekämen von den leisen Tragödien manchmal gar nichts mit, wenn ihr Hund von einem Abstecher in die Wiesen zurückkehre, sagt Soboll. „Manchmal reicht es schon, wenn ein Hund ein Junges nur berührt. Der fremde Geruch irritiert die erwachsenen Tiere, die dann eventuell ihren Nachwuchs verstoßen.“ Wenn ein Hund brütende Vögel vertreibe, bestehe die Gefahr, dass die Eier im Gelege auskühlten oder von anderen Tieren zerstört würden.

Eine Leinenpflicht in der Brut- und Setzzeit vom 1. März bis 15. Juni sei sinnvoll und zumutbar, meint Soboll. In dieser Periode müssen Hunde in Feld und Flur auf den Wegen bleiben. In den meisten Städten im Kreis gibt es nach den Worten der Fraktionssprecherin eine solche Satzung. Was zur Folge habe, dass Hundehalter aus dem Umland mit ihren Vierbeinern nach Dreieich kämen. Eine Leinenpflicht sei folglich auch ein Signal an die Nachbarkommunen.

Der Antrag der Öko-Partei geht aber noch weiter. So soll das Stundenkontingent des Feldschützen in der Brut- und Setzzeit auf eine volle Stelle angehoben werden. Zudem soll er den Status eines Hilfspolizisten bekommen, „um die Satzung auch wirkungsvoll durchsetzen zu können“.

„Wir sehen die Problematik mit den Bodenbrütern, halten den Antrag aber für nicht durchsetzungsfähig. Verantwortungsvolle Hundehalter halten sich an die Regeln, die anderen tun es auch mit Satzung nicht“, sagt Karin Holste-Flinspach (CDU). Dr. Günter Gericke (FDP) schlägt einen Modellversuch für eine Saison vor. Dann könne man schauen, ob sich die Situation verbessert habe. Von einer Satzung auf Probe hält SPD-Fraktionschef Holger Dechert nichts. „Die kann man nicht einfach einführen und dann wieder abschaffen.“ Einen Fraktionszwang gebe es bei der SPD in dieser Sache nicht, jeder könne für sich selbst entscheiden.

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Die vier Sozialdemokraten und die beiden Grünen sprechen sich für die Leinenpflicht aus und sorgen somit für eine Mehrheit. Von der vierköpfigen CDU-Fraktion votieren drei Parlamentarier dagegen, ein Mitglied enthält sich. Eine weitere Neinstimme kommt von der AfD, während sich die Vertreter von FDP und FWG (je einer) enthalten. Ob die Mehrheit tragfähig ist, wird sich endgültig erst im Stadtparlament Mitte Mai zeigen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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