Angehender Architekt

Eric Göbel aus Dreieich macht Villa Schott zum Thema seiner Masterarbeit

Architekt Eric Göbel mit dem Plakat seiner Masterarbeit und dem kleinen 3 D-Ausdruck der Villa Schott, der sie in ihrem heutigen Zustand zeigt.
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Der angehende Architekt Eric Göbel mit dem Plakat seiner Masterarbeit und dem kleinen 3 D-Ausdruck der Villa Schott, der sie in ihrem heutigen Zustand zeigt.

„Ich bin in Sprendlingen aufgewachsen und kenne die Villa Schott bereits seit Kindertagen. Nachdem ich für ein Fotoprojekt an der Technischen Universität (TU) Darmstadt die Erlaubnis hatte, das Gebäude zu betreten und zu fotografieren, hat es mich nicht mehr losgelassen“, erzählt Eric Göbel.

Dreieich – Nun ist die geschichtsträchtige Villa am südlichen Ortsausgang von Sprendlingen, die an die 60 Jahre brach liegt, die Grundlage für seine Masterarbeit, die er im Februar dieses Jahres vor seinen Professoren an der Uni präsentierte.

Für die Dreieicher ist die „Villa im Park“, wie das 1902 von dem Sektfabrikanten Wilhelm Löffler in Auftrag gegebene Haus einst hieß, einerseits ein Schandfleck, weil es eben über Jahrzehnte am Ortseingang vor sich hin gammelte. Andererseits ist sie auch ein Stück Stadtgeschichte und ein Ort, der zahlreiche Fans von sogenannten „Lost Places“ anlockte – Gebäude, die eigentlich nicht mehr betretbar und die zu fotografieren sehr reizvoll sind.

Als der 28 Jahre alte angehende Architekt mit seiner Kamera jeden Winkel der Villa festhält, gehört es schon dem Projektentwickler FBW und es gibt einen Bebauungsplan, der auch die Sanierung des herrschaftlichen Gebäudes mit vielen Jugendstilelementen vorsieht.

Die Abschlussarbeit eines Architekten muss natürlich sehr viel mehr beinhalten als die Beschreibung eines – zugegebenermaßen sehr spannenden – alten Gebäudes. Göbel hat in seiner Masterthesis am Beispiel der Villa Schott ein Verfahren entwickelt, ein denkmalgeschütztes Gebäude zu rekonstruieren, seinen Ist-Zustand darzustellen und gleichzeitig auch einen Entwurf anschaulich zu präsentieren, wie es nach einer Sanierung aussehen könnte. Im Sommer 2019 verbringt Göbel viele Stunden in der Villa, in der es in den 80er Jahren auch mal gebrannt hat und deren Dach mittlerweile eingestürzt ist. Mithilfe von vielen Fotografien und Drohnenaufnahmen wendet der junge Architekt die sogenannte „Structure from Motion“-Methode an.

„Ziel ist es, ein dreidimensionales Aufmaß des Gebäudes zu erstellen. Hierbei wird eine Vielzahl von Fotos aus unterschiedlichsten Blickwinkeln via Software zu einem dreidimensionalen Netz verrechnet“, erläutert er. In einem zweiten Schritt mit einem weiteren Programm wird ein 3D-Modell aus den Fotos. Zu der Masterthesis gehört ein solcher 3D-Ausdruck der Villa, die das Gebäude in kleinem Maßstab in seinem heutigen Zustand zeigt.

Richtig spannend wird dann der letzte Schritt, die Präsentationsform der Arbeit: Über eine Virtual Reality-Brille wird das Haus in seinem Ur-Zustand begehbar: „Ich kann die Villa mit diesen Bildern virtuell erlebbar machen und den Betrachter in das alte Herrenzimmer führen, ihm die alten Tapeten zeigen, den Aufgang zum Obergeschoss und in die Räume, in denen vermutlich einst die Bediensteten gelebt haben“, erläutert Eric Göbel. Jede Technik für sich gibt es schon, neu an der Arbeit ist, dass Göbel sie verbindet: „Denn diese Methode funktioniert auch für die Pläne der Zukunft. Damit ist sie insbesondere für Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen, interessant, weil ich so sehr plastisch darstellen kann, wie ein Haus aussah, wie wir viele Elemente aus der Historie retten und es doch modern nutzbar machen können.“

In seinem Entwurf für die Villa Schott ist es das Vestibül, die Empfangshalle der Villa im Erdgeschoss, welches über eine elegant geschwungene Treppe alle Räume im Obergeschoss zugänglich macht, das er erhalten möchte. Göbel stellt sich in seinem Entwurf ein Co-Living-Konzept vor, das Wohnen und Arbeiten verbindet. Das Haus mit rund 200 Quadratmetern Wohnfläche könnte im Erdgeschoss zum Arbeiten und für repräsentative Zwecke genutzt werden und oben sieht Göbel die Wohnmöglichkeiten für junge Gründer, die das Erdgeschoss gemeinsam nutzen.

Bekanntlich hatte der Projektentwickler FBW andere Pläne, aber für Eric Göbel war die Masterthesis dennoch ein großer Erfolg. Für seine ganz eigene Idee, für die er zunächst eine Genehmigung der TU benötigte, weil die Abschlussarbeiten von Studenten für gewöhnlich nicht so individuell sind, hat sich das Risiko gelohnt. Göbel bekam eine Eins auf seine Arbeit. „Für die Professoren war die Geschichte der Villa nicht relevant, für sie war meine neue Methode wichtig“, weiß der Architekt. Für ihn hat die Villa aber eine große Bedeutung: „Ohne sie wäre ich nicht auf meine Idee gekommen.“

Eric Göbel will die von ihm entwickelte Technik jetzt Architekturbüros und Denkmalschutzbehörden vorstellen. Die ganze Masterarbeit ist online unter ericgoebel.de einsehbar. (Von Nicole Jost)

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