Gemeinsam die Kuh vom Eis kriegen

Dreieichenhain - In die Diskussion um die fehlenden Betreuungsplätze in Dreieichenhain ist Bewegung gekommen. Aller Voraussicht nach nächste Woche setzen sich alle Beteiligten an einen Tisch – in der Hoffnung, die Kuh vom Eis zu kriegen. Von Frank Mahn

„Das Ziel ist, alle Kinder unterzubekommen“, sagt Susanne Stahr, Leiterin der Ludwig-Erk-Schule (LES). Allerdings sei unklar, wie das gelingen könne.

Wer die Vorgeschichte nicht kennt: Eine Eltern-Initiative hatte vor Kurzem Alarm geschlagen. Ihre Kinder besuchen vom Sommer an die Erk-Schule. Die derzeit dort vom Förderverein angebotenen Plätze zur Mittagsbetreuung (40) und die in den beiden städtischen Horten (70) reichen aber nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen. Nach aktuellem Stand müssen 26 Familien davon ausgehen, dass sie keinen Platz bekommen. Die Elterngruppe um Ulrike Frohns findet sich damit nicht ab, weil im schlimmsten Fall Existenzen dranhängen; nämlich dann, wenn ein Elternteil seinen Beruf aufgeben muss. Die Initiative fordert deshalb einen weiteren Ausbau der Platzkapazität (zum Beispiel auch durch Splitting). Perspektivisch betrachtet, so Frohns, müsse sich die LES auf den Weg zur Ganztagsschule machen.

Ein solcher Schritt sei vor fünf Jahren von der Schulgemeinde – auf Anregung der Stadt – ausführlich diskutiert, nach Abwägung aller Vor- und Nachteile aber verworfen worden, schreiben Schulleitung und LES-Elternbeirat in einer Stellungnahme. Eine Entscheidung pro Ganztagsschule hätte die Auflösung des Horts an der Hainer Chaussee durch die Stadt und eine alleinige Abdeckung des Betreuungsbedarfs durch die Schule zur Folge gehabt. Zwar wäre das Hortgebäude eingebunden worden, aber auch die Klassenzimmer hätten als Räume für die Betreuung genutzt werden müssen, so Stahr. Zudem habe man im Vergleich zum Hort mit einer deutlichen Verschlechterung des Betreuungsschlüssels rechnen müssen. „Auf Basis des damaligen Elternwunsches, keine Ganztagsschule einzuführen, sondern die Betreuung dual über Schule und Horteinrichtungen weiterzuführen, hat sich die Schulleitung jährlich um eine optimale Lösung bemüht und in keinem Fall die Entwicklung der Betreuungssituation blockiert“, heißt es in der Stellungnahme.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung müsse man die Situation neu überdenken, räumt Stahr ein. Für das Schuljahr 2013/14 erhöhe sich der Bedarf an Betreuungsplätzen bis 14 beziehungsweise 16 Uhr von derzeit 48 auf 62 Prozent der Schülerschaft. Die Schulgemeinde sei jetzt gefragt, welche Ziele sie in der Zukunft umsetzen und wie sie das Schulprofil gestalten wolle.

Ohne eine Erweiterung dürfte der Weg zur Ganztagsschule kaum zu verwirklichen sein. Der Kreis hat sich aus der Finanzierung solcher Investitionen aus Mangel an Geld inzwischen komplett zurückgezogen. Auf die Stadt können die Beteiligten nach den Worten von Bürgermeister Dieter Zimmer setzen. „Wir unterstützen den Weg zur Ganztagsschule“, sagt der Rathauschef. Erst müsste man freilich prüfen, was umzubauen wäre und wie hoch die Investitionen dafür seien. „Vielleicht muss man gar nicht so viel machen“, hofft Zimmer. Womöglich reiche ja ein Pavillon.

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare