Fachbereichsleiter geht in Ruhestand

Als Tipp-Ex noch unentbehrlich war

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Letztmals wird Thomas Müller am 28. Februar an seinem Schreibtisch im Dreieicher Rathaus Platz nehmen. Danach beginnt für den Sprendlinger ein neuer Lebensabschnitt. 

Dreieich - Er fing an, als die Stadt Dreieich gerade entstanden war, er hat unter allen vier bisherigen Bürgermeistern gearbeitet – nun naht sein letzter Arbeitstag. Thomas Müller, Leiter des Fachbereichs Bürger und Ordnung, geht am 28. Februar in den Vorruhestand. Von Holger Klemm 

Eine seiner letzten Amtshandlungen wird die Teilnahme am 50. Runden Tisch Radverkehr sein, ein Thema, für das er sich besonders engagiert hat. „Natürlich hat sich viel verändert“, erzählt der Sprendlinger. Das fängt schon mit der Ausstattung der Arbeitsplätze im Rathaus an. Damals konnte von Computern keine Rede sein. „Es gab nur mechanische Schreibmaschinen, elektrische fanden sich allenfalls im Vorzimmer des Bürgermeisters.“ Der Tipp-Ex-Verbrauch sei hoch gewesen, um Fehler in Schreiben auszumerzen. „Wem sagt das heute noch etwas?“, fragt er schmunzelnd.

Müller fing nach seinem in Darmstadt abgelegten Abitur und der Zeit bei der Bundeswehr in der Dreieicher Verwaltung an. Schon nach einem Jahr wurde der junge Mann zum Inspektorenanwärter für den gehobenen Dienst ernannt. Die Ausbildungsjahre boten ihm die Möglichkeit, einen tiefen Einblick in alle Bereiche der Verwaltung zu bekommen.

Nach seiner Tätigkeit im Bauamt bis 1986 wurde er stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes. Als der damalige Leiter Berthold Olschewsky 1990 die Leitung des Hauptamts übernahm, rückte Müller an die Spitze des Ordnungsamts. Aus dem Amt wurde im Laufe der Jahre der Fachbereich Bürger und Ordnung, zu dem aktuell die Bereiche Bürgerbüro, Wahlen, Gewerbe und Gaststätten, Standesamt, Büchereien, Straßenverkehr, öffentliche Sicherheit und Ordnung sowie Brand- und Katastrophenschutz gehören.

In seinen Anfangsjahren wuchs die Stadt gerade erst zusammen. Auch wenn es immer noch ein Eigenleben in den Stadtteilen gebe, habe sich auch ein Dreieich-Bewusstsein entwickelt, so Müller. Insgesamt gebe es eine positive Entwicklung. Vieles hätte es ohne Dreieich gar nicht gegeben, ist er sich sicher.

Müller hat mit allen vier bisherigen Bürgermeistern – Hans Meudt, Bernd Abeln, Berthold Olschewsky (alle CDU) und Dieter Zimmer (SPD) – zu tun gehabt. „Ich kam mit allen gut zurecht.“ Enger seien aber die Verbindung zu Olschewsky, mit dem er zusammen das Ordnungsamt leitete, und zu Zimmer, mit dem er zusammen in der Ausbildung war, gewesen. Das sei dann noch einmal eine andere Ebene, auch wenn es manche Sache durchaus schwerer mache.

Auf besondere Erfolge angesprochen, nennt Müller den Radverkehr, den er seit etwa 2007 betreut. Dabei sei das keine originäre Aufgabe des Ordnungsamtes. Nach einer Radtour durch die Stadtteile zum Radverkehrskonzept kam zum Abschluss auf dem Lindenplatz die Frage auf, wer sich in der Stadtverwaltung um das Thema kümmern soll. Damit betraut wurde Müller. „Das hat viel Spaß gemacht“, betont er. Der Runde Tisch mit Vertretern der Verwaltung, der Fraktionen und des ADFC sei ein Erfolgsmodell, das von anderen Kommunen übernommen worden sei. Dabei habe man angesichts der städtischen Finanzkrise klein angefangen. Mittlerweile sei viel erreicht worden wie die Fahrradstraße vom Buchschlager Bahnhof nach Sprendlingen. „Da ist auch jetzt bei schlechtem Wetter viel los.“ In der umstrittenen Raddirektverbindung durch die Stadt sieht er einen Glücksfall für Dreieich. „Wir können so die Schulen erschließen.“ Eine mögliche Verbindung entlang der Bahnlinie sollte trotzdem weiter ein Thema bleiben. „Man kann das eine tun, ohne das andere zu lassen.“ Besonders wichtig ist für Müller insgesamt, dass bei Planungen jetzt auch die Belange der Radler berücksichtigt werden. Angesicht der Erfolgsgeschichte passt es, dass er sich mit der Teilnahme am 50. Runden Tisch beruflich verabschiedet.

Wenn man Müller fragt, ob etwas liegen geblieben ist, kommt er auf das Kienbaum-Gutachten zur Schuldenbremse zu sprechen. Der damit verbundene Stellenabbau in der Verwaltung habe im Prinzip dazu geführt, oft nur noch das laufende Geschäft erledigen zu können. „Manches Wünschenswerte war nicht mehr möglich“, räumt Müller ein. Ein Beispiel sei der Katastrophenplan zur Vogelgrippe, der beim Ausbruch der Krankheit entstanden ist. Man habe den Plan aber nicht fortschreiben können und müsse bei einem möglichen erneuten Ausbruch bei Null anfangen.

Bilder der großen Turnschau in Dreieich

Insgesamt beobachtet der Fachbereichsleiter eine zunehmende Anonymität in der Gesellschaft und führt dafür ein trauriges Beispiel an. Mitte der 90er Jahre bekam er von Pietät Müller erstmals den Fall, dass die Stadt für eine Beerdigung eines Dreieichers aufkommen sollte, der keine Angehörigen hatte und völlig allein war. Mittlerweile gebe es im Schnitt zehn solcher Fälle im Jahr. Und manchmal wollen auch Angehörige nicht dafür aufkommen, weil sie mit dem Verstorbenen nichts mehr zu tun hatten.

Müller, der im Mai 62 wird, hat den Abschied von seinem Beruf gut vorbereitet und mit seiner Familie besprochen. Zu der gehören neben seiner Frau zwei Töchter und zwei Enkelinnen. Er hat keine Angst, in ein Loch zu fallen. „Es gibt ein Leben nach der Arbeit.“ Der ehemalige Triathlet, der bis 2004 an fünf Ironman-Wettbewerben in Roth und Frankfurt teilnahm, dann aber keine Zeit mehr fand, will wieder mehr Sport treiben. Und dazu gehören Schwimmen und Radeln. „Ich freue mich auf den neuen Lebensabschnitt.“

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