„Ich hatte wackelige Beine“

Falsche Polizistin schockt 80-Jährige am Telefon

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Sprendlingen - Eine Frau gibt sich als Polizistin aus und will sich damit das Vertrauen einer 80-jährigen Sprendlingerin erschleichen. Zwar klappt der Betrugsversuch nicht, die Seniorin hat dennoch an den Nachwehen zu knabbern. Von Daniel Schmitt

„Guten Tag, Marie Stukmann von der Polizei in Sprendlingen hier. Wir möchten Sie warnen.“ Mit diesen Worten begann das Telefongespräch, das eine 80-Jährige in große Sorge versetzte. Was will denn die Polizei? Warnung? Vor was? „Ich war sofort sehr angespannt“, sagt die Sprendlingerin. Die junge Frau am anderen Ende der Leitung betrieb schnell vermeintliche Aufklärung. Sie berichtete von einem Einbruch in der Nähe, bei dem einer von vier Tätern festgenommen worden sei. Bei ihm habe man einen Zettel gefunden, auf dem der Name der Seniorin stehe. Auch die genaue Adresse der Sprendlingerin sei notiert, hieß es. Dies deute darauf hin, dass demnächst ein Einbruch bei ihr geplant sei.

„In diesem Moment habe ich wacklige Beine bekommen“, schildert die Rentnerin, „das hat mir Angst gemacht“. Angst, die unbegründet war. Denn den Einbruch in der Nachbarschaft hat es nicht gegeben. Auch das mit dem Zettel war gelogen. Beides war der Fantasie der falschen Polizistin entsprungen, die sich als Marie Stukmann ausgab. Die Frau bediente sich einer nicht ganz neuen, aber immer wieder erfolgreichen Taktik von Trickbetrügern. Als Polizist bei älteren Menschen anrufen, sie ausfragen, anschließend zu einem Ortstermin vorbeischauen und dann um Geld und Schmuck erleichtern. So sollte es auch bei der Sprendlingerin laufen. „Ich war hin- und hergerissen“, sagt die Rentnerin ehrlich. Sie habe der Anruferin kurz geglaubt. „Diese Betrüger sind ziemlich gut geschult. Sie bauen eine Schreckensszenario auf, wie in diesem Fall den angeblichen Einbruch, und bieten dann Hilfe an“, sagt Polizeisprecher Rudi Neu. Ziel der Betrüger sind meist Rentner, im besten Fall alleinstehend. Die Namen der Opfer finden die Kriminellen im Telefonbuch. „Es wird nach altmodisch klingenden Namen Ausschau gehalten. Dann werden diese abtelefoniert“, erklärt Neu. In diesem Fall zeigte das Display auf dem Telefon der 80-Jährigen sogar die richtige Nummer der Sprendlinger Wache - ebenfalls eine Täuschung.

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Die Betrügerin sei sehr überzeugend gewesen, erzählt die immer noch aufgewühlte Sprendlingerin. Mit selbstbewusster Stimme habe die Frau immer wieder darauf hingewiesen, nur helfen zu wollen. „Vertrauen Sie Ihrer Polizei“, hieß es während des Gesprächs mehrfach. Die falsche Polizistin fragte nach, ob die Seniorin alleine lebe, ob das Haus gegen Einbrecher geschützt sei und ob sie denn überhaupt Wertvolles wie Geld oder Schmuck im Haus aufbewahre. Bei der letzten Frage schrillten endgültig die Alarmglocken der Seniorin. „Ich habe ihr geantwortet, dass die richtige Polizei vorbeikommen kann, bei diesem Treffen aber auch meine Kinder und Enkel anwesend sein werden.“ Das Gespräch war sofort beendet. Die Betrügerin legte auf, sie war aufgeflogen. Obwohl der Vorfall schon eine Woche zurückliegt, bereitet er der 80-Jährigen noch immer Unbehagen. „Ich habe einige Nächte schlecht geschlafen und gehe im Moment ungern alleine durch die Stadt.“

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Für die richtige Polizei ist die Suche nach ihren Nachahmern ziemlich kompliziert. Das Hauptproblem: Es gibt kaum Anhaltspunkte. Zwar versuchen die Beamten, die Anrufer zurückzuverfolgen, die Nummern sind aber oft im Ausland geschaltet. Entsprechend schwierig seien die Ermittlungen, erklärt Polizeisprecher Neu und betont, dass die Polizei niemals in solch einem Fall einfach anrufen würde. „Leider reagiert aber nicht jedes Betrugsopfer so wie in diesem Fall. Der Trick funktioniert häufig, sonst würden die Täter diesen ja nicht mehr benutzen“, sagt Neu.

Auch heute Morgen ereigneten sich zwei ähnlich gelagerte Fälle in Sprendlingen. Eine angebliche Polizistin teilte den Opfern mit, dass Falschgeld auf deren Konto liegen würde und dieses abgehoben werden müsse. Glücklicherweise blieben auch diese Versuche ohne Erfolg. „Wir schließen aber nicht aus, dass es dieser Tage in Sprendlingen noch weitere Versuche gab und warnen davor, diesen zu glauben“, sagt Neu.

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