Probleme für Politik sichtbar machen

Familien in der Krise: Eltern aus Dreieich fordern mehr Transparenz und Gesamtelternbeirat

Wir sind mit unserem Engagement mittlerweile tief in der landes- und bundesweiten Politik verankert.
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Wir sind mit unserem Engagement mittlerweile tief in der landes- und bundesweiten Politik verankert.

Als es im ersten Lockdown seitens der Politik im April lapidar hieß‚ Kitas und Schulen bleiben bis Sommer geschlossen, reichte es engagierten Eltern aus Dreieich. „Viele Familien gingen zu diesem Zeitpunkt auf dem Zahnfleisch“, erinnert sich Katrin Bruns, berufstätige Mutter von drei Kindern.

Dreieich – Bruns und Ulrike Stroh taten sich mit anderen Eltern zusammen, um auf die schwierige Situation der Familien in der Pandemie aufmerksam zu machen. Ihre erste Aktion damals: eine Demonstration in Wiesbaden vor dem Hessischen Landtag. „Für uns war das die erste Demonstration überhaupt. Aber Familien durften in der Covid-19-Politik nicht einfach weiter ganz hintenanstehen“, berichten die Frauen vom Beginn ihrer politischen Arbeit. Aber sie fühlen sich gehört: „Wir bekamen direkt unglaublich viel Zuspruch, auch von Medien und der Politik“, schildert Bruns. So entstand die Initiative Familien in der Krise (FidK) mit mehr als 300 aktiven Mitgliedern, bundesweit und 7 000 Followern in den sozialen Medien, organisiert in acht Bundesländern.

Der Erfolg gibt den Dreieicher Müttern recht: „Wir sind mit unserem Engagement mittlerweile tief in der landes- und bundesweiten Politik verankert“, erzählt Ulrike Stroh, dass sie mit allen Fraktionen im Hessischen Landtag im Austausch seien. Das Gefühl, etwas bewegen zu können und die Bedürfnisse von Familien sichtbar zu machen, sodass sie in der Politik ankommen, gibt der Initiative Mut und Motivation. „Das jüngste Papier, das die Ministerpräsidenten in die Runde am Mittwoch einbringen, liegt auf unserer Linie – das zeigt uns, dass wir ernst genommen werden“, sagt Ulrike Stroh.

Die Gruppe habe in kurzer Zeit viel erreicht: „Die Schulen und Kitas bleiben in der zweiten Welle offen. Die Relevanz von Kitas und Schulen nicht nur als Bildungsstätten, sondern auch als Orte sozialer Sicherheit ist angekommen. Anfang November waren wir sogar nach Berlin eingeladen und durften als Experten vor der Kinderkommission des Deutschen Bundestages sprechen“, berichtet die Dreieichenhainerin.

Seit dem Sommer gibt es eine FidK-Regionalgruppe im Kreis Offenbach. Mit Vanessa Marder, Andrea Steinkamp, Yasmin Soprun, Katrin Bruns und Ulrike Stroh sind fünf Dreieicherinnen im Kreis aktiv. Mit Landrat Oliver Quilling stehen sie insbesondere zu den Covid-19-Maßnahmen wie den Quarantäne-Regelungen für Kinder in regem Kontakt.

In Dreieich will sich die Regionalgruppe für einen stärkeren Fokus der lokalen Politik auf die Familien und deren Bedürfnisse einsetzen. „In Ergänzung zum Stadtelternbeirat haben wir nicht nur die Eltern und Kinder städtischer Kitas im Blick, sondern alle Familien – für ein familienfreundliches Dreieich“, fordert die Gruppe einen Gesamtelternbeirat, der auch die Schulbetreuung und die Kindergärten und Krippen in privater und kirchlicher Trägerschaft berücksichtigt. Für die Verwaltung bestehe Handlungsbedarf hinsichtlich größerer Transparenz bei der Vergabe der Betreuungsplätze und einer besseren personellen und IT-Ausstattung im zuständigen Fachbereich. „Wir glauben, hier liegt die Ursache von Fehlern, die passieren“, so Stroh. Die Gruppe steht im engen Austausch mit Bürgermeister Martin Burlon. Die Dreieicherinnen wünschen sich einen Dialog zwischen Stadt und Eltern auf Augenhöhe und einen Wegweiser für Familien mit allen nötigen Informationen, der für alle Familien gleiche Ausgangsbedingungen schafft. Wer mehr erfahren will, kann sich auf familieninderkrise.com informieren. Wer Lust hat, sich in dem Team zu engagieren, erreicht die Gruppe unter hessen@familieninderkrise.com. (Von Nicole Jost)

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