INTERVIEW Dr. Béla Waldhauser über 66 Jahre Bremser

Fastnachtsaktivitäten in Dreieich trotz Lockdown

Mit einem Brotschieber überreichte Dr. Béla Waldhauser Jubiläumsorden an langjährige Mitglieder.
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Mit einem Brotschieber überreichte Dr. Béla Waldhauser Jubiläumsorden an langjährige Mitglieder.

Ein närrisches Jubiläum – nämlich 66 Jahre – feiern die Bremser, die ihre Wurzeln in Buchschlag haben. Nach dem Abriss des Bürgersaals fand der Verein bei der SKG Sprendlingen eine neue Heimat. Dr. Béla Waldhauser ist seit zwei Jahren Vorsitzender. Der 58-Jährige ist Geschäftsführer eines Rechenzentrums.

Dreieich - Der Chef der Bremser kann über einiges berichten, wie der Verein versucht, trotz Lockdown über die Runden zu kommen. Groß ist bereits die Vorfreude auf die nächste Kampagne.

Herr Waldhauser, die Pandemie hat auch die Narren ausgebremst. Bemerken Sie schon gewisse Auflösungserscheinungen bei den Bremsern, weil die Kinder zum Beispiel nicht mehr trainieren können? Oder schweißt die Krise eher noch mehr zusammen?

Nein, von Auflösungserscheinungen kann bestimmt keine Rede sein. Zwischen dem erstem und dem zweiten Lockdown haben viele unserer Gruppen auch trainiert, teilweise in privaten Gärten mit Mindestabstand, teilweise per Videokonferenz oder mit Videos. Derzeit würde ich aber eher von einem Winterschlaf reden, in freudiger Erwartung der kommenden Kampagne. Wir freuen uns alle schon auf den 11.11.2021, in der Hoffnung, dann wieder eine „normale“ Kampagne zu haben.

Was machen Sie, um in dieser schwierigen Zeit mit wenigen sozialen Kontakten den Zusammenhalt bei den Bremsern zu stärken?

Wir haben uns für die Corona-Zeit viele Aktionen überlegt, um immer wieder darauf hinzuweisen, dass auch ohne Sitzungen und Umzüge die „fünfte Jahreszeit“ präsent ist. So wurden die Bremser traditionell am 11.11. auf Gott Jokus eingeschworen. Das haben wir einfach mit einem Video vor dem Schneckenbrunnen in Buchschlag gemacht. Außerdem haben wir im Dezember Masken mit dem Bremserlogo verteilt und erst kürzlich den Kampagneorden an alle aktiven Bremser. Und das natürlich am 30.01., dem Datum unserer ersten Nacht ohne Bremse, wo die Aktiven auch sonst ihren Kampagneorden bekommen hätten. Und zu guter Letzt geht seit ein paar Wochen der „Brotschieber“ herum und wir verteilen corona-konform und mit Abstand die Jubiläumsorden an die langjährigen Mitglieder. Davon haben wir dieses Jahr übrigens in Summe 19, eines davon sogar für 55-jährige Vereinstreue.

66 Jahre Bremser, das hatten Sie sich anders vorgestellt. Wird das närrische Jubiläum denn in irgendeiner Form gewürdigt?

Zum einen war es für uns selbstverständlich, dass wir in unserer Jubiläumskampagne auch einen Kampagneorden haben werden, der wie seit vielen Jahren das diesjährige Motto ins Bild setzt. Aber auch die erste „Couch ohne Bremse“ war natürlich ein Tribut an unser närrisches Jubiläum. Und als besonderes Bonbon wird es auch noch ein Jubiläumsheft geben, das wir an die Mitglieder verteilen oder in gebundener Form gegen eine Spende an Mitglieder und Freunde des Vereins abgeben.

In anderen Städten haben sich Karnevalsvereine zusammengetan, um gemeinsam eine wie auch immer geartete Veranstaltung auf die Beine zu stellen. War das für Dreieich keine Option?

Das war leider nie eine Option, da die Meinungen zwischen den vier Dreieicher Karnevalsvereinen zu weit auseinandergingen. Umso mehr freue ich mich über die Online-Sitzung der SG Götzenhain und natürlich über unsere eigenen Aktivitäten, die bei unseren Mitgliedern außerordentlich positiv angenommen werden.

66 Jahre sind eine stolze Zeit. Wie sehen Sie die Zukunft der Bremser? Braucht nicht auch der Karneval in dieser sich rasant verändernden Zeit neue Impulse und Formate? Auch um junge Leute zu begeistern und an sich zu binden.

Aktuell sehe ich die Zukunft der Bremser nach wie vor sehr positiv. Wir haben seit vielen Jahren weit über 200 Mitglieder, davon sehr viele Aktive. Natürlich ist es in der heutigen Zeit schwer, junge Leute zu begeistern und vor allem zu halten. Bei den Mädchen gelingt uns das immer wieder durch unsere Garde- und Showtanzgruppen. So fangen die Kleinsten schon im Alter von vier Jahren an und werden an den Karneval herangeführt. Nur beim männlichen Nachwuchs würde ich mir deutlich mehr wünschen. Da hatten wir schon verschiedene Ansätze, aber leider bisher ohne durchgreifenden Erfolg.

Es gibt ja Spaßbremsen, die mit Karneval nichts anfangen können und sich fragen, was erwachsene Menschen an dieser Art von Unterhaltung finden. Was halten Sie denen entgegen?

Ich würde sagen: Jedem Tierchen sein Pläsierchen! Andere gehen jedes zweite Wochenende ins Fußballstadion oder begleiten die Lieblingsmannschaft sogar noch zu den Auswärtsspielen. Ich bin zum Beispiel erst mit 31 Jahren zum Karneval gekommen. Es wurde mir also bestimmt nicht in die Wiege gelegt. Im Verein und in der Gruppe habe ich dann die andere Seite des Karnevals erlebt, nämlich all das, was „hinter den Kulissen“ stattfindet. Und das ist mir persönlich ebenso wichtig wie die Auftritte auf der Bühne oder der Spaß bei den Umzügen.

Wenn Sie für die Bremser einen Wunsch frei hätten, würde der wie lauten?

Diese Frage ist am einfachsten zu beantworten. Mein Wunsch ist, dass alle Mitglieder gesund bleiben und wir eine Kampagne 20/21 ohne Einschränkungen feiern können.

Das Interview führte

Frank Mahn

Kampagneorden mit Hinweis auf Corona.

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