Stadt investiert in Blindenleitsysteme

Felder mit wichtiger Funktion

Manchem Sehenden fallen sie gar nicht auf, andere beschweren sich über ihr „Stolperpotenzial“: Sogenannte Leit- und Auffindestreifen führen Blinde und Sehbehinderte sicher an einer Bushaltestelle entlang bis zur Einstiegstelle, wie hier in der Eisenbahnstraße. (c)Foto: p
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Manchem Sehenden fallen sie gar nicht auf, andere beschweren sich über ihr „Stolperpotenzial“: Sogenannte Leit- und Auffindestreifen führen Blinde und Sehbehinderte sicher an einer Bushaltestelle entlang bis zur Einstiegstelle, wie hier in der Eisenbahnstraße. 

Dreieich - Bei neu zu gestaltenden Straßen muss die Stadt auch die Barrierefreiheit im Blick haben.

Mit Rillen, kleinen Erhöhungen und Hindernissen sprechen Felder auf dem Boden – sogenannte Blindenleitsysteme – den Gehör- und Tastsinn blinder und sehbehinderter Menschen an und bieten ihnen im Straßenverkehr eine unerlässliche Orientierungshilfe. Der Magistrat ist bereits seit einigen Jahren verstärkt dabei, bei Baumaßnahmen an Einmündungen oder Straßenübergängen ein möglichst barrierefreies Queren zu ermöglichen. „Wir berücksichtigen das beispielsweise bei der Planung der Großbaustelle im Hainer Weg, an den Bushaltenstellen und im Kreisverkehr“, erklärt Erster Stadtrat Martin Burlon. In den kommenden Jahren werden die Bushaltestellen im Stadtgebiet zukunftsgerecht ausgebaut werden, sagt Burlon. So seien für das kommende Jahr Investitionen im sechsstelligen Bereich geplant.

Die Stadt bediene sich verschiedener baulicher Möglichkeiten, um blinden und sehbehinderten Menschen ein sicheres und barrierefreies Bewegen zu ermöglichen, erklärt Kai Nauhardt, der für die öffentlichen Verkehrsflächen zuständig ist. Zum einen gibt es sogenannte Auffinde- und Abschlussstreifen: Der Sehbehinderte bemerkt bei breiteren Gehwegen die Streifen und kann sich daran zum nächsten Leitelement führen lassen. Auffinde- und Abschlussstreifen gibt es seit der Sanierung 2011 unter anderem an Haltestellen und Ampeln in der Eisenbahnstraße. Auch an der Ampelanlage in der Darmstädter Straße auf Höhe der Brücke über den Hengstbach sind sie zu finden. Zudem wird die Stadt an allen Haltestellen, die in den kommenden Jahren barrierefrei ausgebaut werden, Auffindestreifen installieren. „Das sehen wir als Verpflichtung überall da, wo wir baulich eingreifen“, erklärt Burlon.

Wo die Straße überquert werden kann, markieren die Richtungsfelder. Sie geben Blinden beim Wechsel der Straßenseite die Richtung vor, anhand derer sie zur anderen Seite geführt werden. Die Rippenplatten des Richtungsfelds zeigen zur gegenüberliegenden Seite. Richtungsfelder sind an den Querungsmöglichkeiten in der Hainer Chaussee, der Landsteiner Straße oder auch am Burgweiher in Dreieichenhain zu finden. Auch an manchen Kreuzungen wie Pestalozzi-/Herrnröther Straße oder der Kreuzung vor dem Rathaus sind Richtungsfelder eingebaut. Auch diese Felder will die Stadt sukzessive an Kreuzungen ergänzen, um ein barrierefreies Überqueren zu ermöglichen.

Ein Element, das Fußgänger ebenfalls an Querungsstellen finden können, ist das Sperrfeld – ein Plattenfeld, das wie das Richtungsfeld eine Rippenstruktur aufweist. Allerdings hat es parallel zur Fahrbahn eingebaute Rippen. So zeigt es dem schlecht oder gar nicht Sehenden an, dass hier ein Queren für sehbehinderte Menschen nicht vorgesehen und gefährlich ist. Es wird beispielsweise an Bordsteinabsenkungen eingebaut. „Diese Stellen dienen beispielsweise Rollstuhlfahrern oder Nutzern von Rollatoren als Möglichkeit, von der Straße wieder auf den Gehweg zu kommen“, erklärt Kai Nauhardt. Das Sperrfeld verhindert zugleich, dass der Blinde dort versehentlich auf die Straße geführt wird. Sperrfelder gibt es beispielsweise in der Hainer Chaussee oder am Hainer Weg. Am Weiher in Dreieichenhain befindet sich zudem direkt neben dem abgesenkten Bordstein mit Sperrfeld das Richtungsfeld, das eine geeignete Querung für sehbehinderte Fußgänger markiert.

Zudem setzt die Stadt Aufmerksamkeitsfelder an Stellen ein, an denen besondere Hindernisse oder Gefahren lauern – aber auch dort, wo mehrere Leitelemente aufeinandertreffen. „Im Prinzip sind diese Felder wie Kreuzungen zu sehen“, erklärt Nauhardt. Aufmerksamkeitsfelder werden durch Noppenplatten dargestellt, da diese richtungsneutral sind und einen starken Kontrast zum glatten Pflaster aufweisen. „Diese Bodenindikatoren werden von blinden Menschen ohne Probleme beim Darüberlaufen oder Ertasten – auch mit dem Blindenstock – wahrgenommen.“ Wichtig für all diese Bodenfelder ist, dass sie einen starken Kontrast zum umgebenenden Grund aufweisen – sowohl optisch als auch haptisch. Daher ist es neben der farblichen Unterscheidung notwendig, die Platten so einzubauen, dass die Rippen oder Noppen ein wenig über dem restlichen Gehwegniveau liegen. Immer wieder erreiche das Rathaus Kritik von sehenden Passanten an diesen gefühlten „Stolperstellen“, berichtet Nauhardt. „Wir können hier nur an die Toleranz und Akzeptanz der Dreieicher appellieren.“ Die Flächen seien für sehbehinderte und blinde Passanten absolut unverzichtbar.

Mit Sehbehinderten auf Tandemtour

Wer die Felder blockiert, in dem er sein Auto, sein Fahrrad oder auch seine Mülltonnen auf den Orientierungsstreifen abstellt, gefährdet die sehbehinderten Fußgänger. „Wichtig ist, dass die Orientierungshilfen für Blinde von anderen Verkehrsteilnehmern geachtet werden“, betont Nauhardt. Auch zugeparkte, abgesenkte Bordsteinkanten seien ein großes Hindernis für Bürger, die auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind. (jrd)

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