Architektonisches Kleinod im Grünen

Film erzählt Geschichte der Villenkolonie in Dreieich-Buchschlag

Flammen zerstörten das alte Rathaus: 1968 brannte das Buchschlager Amtshaus nieder. Es wurde nach einer politischen Entscheidung abgerissen und nicht wieder neu gebaut.
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Flammen zerstörten das alte Rathaus: 1968 brannte das Buchschlager Amtshaus nieder. Es wurde nach einer politischen Entscheidung abgerissen und nicht wieder neu gebaut.

Die Kamera fährt bei schönstem Sonnenschein vorbei an den prächtigen Häusern der Villenkolonie Buchschlag. Der Zuschauer bekommt einen Einblick in die Gärten und erfährt viel über die Bemühungen des Denkmalschutzes im Dreieicher Stadtteil.

Buchschlag – Kim Bagus, Vorstandsmitglied des Geschichtsvereins Buchschlag und Journalistin und Autorin für Fernsehproduktionen, hat für den digitalen Tag des offenen Denkmals einen Film für den Geschichtsverein gedreht. Unter dem Titel „Die Villenkolonie Buchschlag – ein architektonisches Kleinod in Dreieich“ lässt Bagus die Zuschauer einen Blick in die Geschichte einer der ältesten Gartenstädte Deutschlands werfen, zeigt die schönsten Seiten der Kolonie und lässt auch Vereinskollegen, Bewohner und Fachleute zu Wort kommen. Sie führen aus, warum es sich so lohnt, diese Perle der Architektur im Rhein-Main-Gebiet zu erhalten.

Dabei erzählt Dorothee Kaltenbach, die sich in der Mitgliederversammlung in dieser Woche aus dem Vorstand zurückzog und zum Ehrenvorstandsmitglied ernannt wurde, von der Entstehungsgeschichte des Ortes im Grünen. Wie einst Jakob Latscha eine Reformsiedlung für Familien und Handwerker im Sinn hatte, aber Großherzog Ernst Ludwig eine Gartenstadt umsetzte, bei der jedes Haus mindestens 1000 Quadratmeter Garten haben sollte. Der Großherzog war ein Enkel von Queen Victoria und liebte die Englischen Gärten – und diese Leidenschaft ist Buchschlag bis heute anzusehen.

Der Film zeigt das Haus des Schriftstellers Rudolf Binding in der Ernst-Ludwig-Allee, der 1913 zum ersten Bürgermeister Buchschlags gewählt wurde. Kim Bagus erinnert an den Schauspieler Theo Lingen, der 1926 in ihrem heutigen Haus als Untermieter lebte, die Nerven aller Nachbarn strapazierte und als Folge schnell wieder ausziehen musste.

Das fast siebenminütige Video erzählt auch vom verheerenden Brand des alten Rathauses 1968, das nicht wieder aufgebaut, sondern abgerissen wurde. Das wäre bei geltenden Denkmalschutzbestimmungen vielleicht nicht passiert. Aber der Denkmalschutz wurde erst 1979 in Buchschlag eingeführt – übrigens, wie Bagus in der Moderation des Films erzählt – gegen den Widerstand Buchschlager Bürger. Bagus ist aber überzeugt: „Das war die Rettung für viele alte Villen.“

Heute ist Buchschlag die größte denkmalgeschützte Anlage im Kreis Offenbach. 93 Häuser haben den Einzelschutz und der alte Ortskern steht unter Ensembleschutz. Der Film zeigt, wie wichtig es ist, dass Denkmalschutzbehörden, Bauamt und Bauherren alles dafür tun, dass der Charakter dieser besonderen Villenkolonie erhalten wird. Dies gelingt dank einer Gestaltungssatzung, die für Buchschlag gilt. Inzwischen gebe es auch bereits einige Beispiele von Neubauten, die sich in das gestalterische Bild von Buchschlag einfügten, so Bagus.

Sie erwähnt im Film, dass die Besonderheit des Stadtteils noch besser vermittelt werden müsse, um ihn für die Zukunft zu schützen und zu erhalten. Jeder, der in Buchschlag baue, müsse wissen, dass er nicht bauen könne, wie er wolle.

Der Film beinhaltet auch noch einen kleinen „Werbeblock“ für den 2008 gegründeten Geschichtsverein, der die Anfänge der Gartenstadt erforscht, der Öffentlichkeit mit der Veranstaltung „Offene Gärten“ Blicke hinter die eingewachsenen Gärten ermöglicht und den Geist Buchschlags am Leben erhalten möchte.

Wer den Film über Buchschlag und den Denkmalschutz in der Gartenstadt sehen möchte, findet ihn auf der Seite 2020.tag-des-offenen-denkmals.de unter dem Stichwort „Denkmale digital entdecken“ mit der Eingabe der Dreieicher Postleitzahl. (Von Nicole Jost)

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