Betreiber vermissen Konzepte der Politik

Fitnessstudios fehlt auch in Dreieich die Perspektive

Hoffen darauf, ihr Fitnessstudio Vita Fit in Sprendlingen bald wieder zu öffnen: Kristiane Uhl mit Ehemann Wilfried, Tochter Katharina Lehr und Schwiegersohn Christopher ((von links).
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Hoffen darauf, ihr Fitnessstudio Vita Fit in Sprendlingen bald wieder zu öffnen: Kristiane Uhl mit Ehemann Wilfried, Tochter Katharina Lehr und Schwiegersohn Christopher ((von links).

Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres mussten Fitnessstudios auch in Dreieich ihre Pforten schließen. Seit November stehen Laufbänder oder Stepper still, sind Krafträume verwaist. Den Kunden fehlt ein wichtiger Ausgleich zur Arbeit, die Betreiber beklagen eine fehlende Perspektive. Alle haben dabei eins gemeinsam: Die Hoffnung, möglichst bald wieder zusammen zu trainieren.

Dreieich - Wehmütig blickt Christopher Lehr auf die angestaubten Hanteln im Regal. Seit drei Monaten hat kein Gast seine Arme mit ihnen in Form gebracht. „In unserem Studio ist es traurig leer“, meint der Betreiber des Fitnessstudios Vita Fit in Sprendlingen. Wo bis November noch fleißig Gewichte gestemmt, auf dem Laufband gejoggt oder dem Ergometer in die Pedale getreten wurde, steht jetzt alles still. Nur Lehr, seine Frau Katharina und seine Schwiegereltern und Gründer des Familienunternehmens, Kristiane und Wilfried Uhl, sind noch ab und an in den Räumen an der Maybachstraße, sehen nach dem Rechten. Der Lockdown hat die Kunden ausgesperrt – bis mindestens 14. Februar.

Für die Familie ist es bereits das zweite Mal, dass sie ihr Studio hat schließen müssen. Schon im vergangenen März zwang sie der erste Lockdown, die Räume für ihre Kunden zuzusperren, doch in diesem Winter sei es noch schlimmer, meint Lehr. Ihm fehle vor allem eine echte Perspektive. Den Lockdown ständig um ein paar Wochen zu verlängern, sei nicht der richtige Weg, ist sich der Betreiber sicher. Lehr hätte sich gewünscht, dass die Politik zwischen den Lockdowns neue Konzepte erarbeitet hätte. „Es gab und gibt immer nur das Konzept zu schließen“, meint er. „Uns werden keine Alternativen angeboten.“ Dabei hätten viele Studios im Sommer ihre Hausaufgaben gemacht. So seien im Vita Fit die geforderten Abstands- und Hygieneregeln umgesetzt und dazu viel Geld in die Hand genommen worden. Dass das Studio trotzdem schließen musste, ist für Christopher Lehr völlig unverständlich.

Nicht nur bei ihm steige deswegen der Frust, auch bei seinen Kunden spüre er diesen deutlich, sagt er. Vor allem psychisch seien viele Menschen mit ihrer Kraft am Ende. Gerade Personen, die in das Studio kommen, um etwas gegen ihre gesundheitlichen Beschwerden wie Rücken- oder Gelenkschmerzen zu tun, hätten aufgrund der langen Trainingspause wieder Probleme. Lehr berichtet: „Manche meiner Kunden fragen sich ernsthaft, ob der Lockdown oder das Virus schlimmer ist.“ Er erwarte daher, dass die Politik Fitnessstudio-Betreibern endlich eine Öffnungsstrategie vorlege.

„Öffnen können wir frühestens nach Ostern“, glaubt Thomas Trübenbach, Betreiber von Old-School-Training in Götzenhain. Auch er ist enttäuscht darüber, dass er sein Studio trotz Hygienekonzept wieder dichtmachen musste. Dabei seien die Gruppengrößen stets im zulässigen Rahmen gewesen und die Abstands- und Hygienevorschriften stets eingehalten worden, betont er. Daher glaubt Trübenbach auch, dass eine Öffnung der Fitnessstudios mit einem Hygienekonzept durchaus möglich wäre. „Im Sommer hat es doch auch geklappt“, meint er. Für seine Kunden hieße es dann wieder: Zu Hause umziehen, beim Betreten des Studios Mundschutz tragen, diesen erst am eigenen Platz abgelegen und während des Trainings auf den nötigen Abstand achten. Warum dies nicht ein weiteres Mal funktionieren soll, versteht Trübenborn nicht: „Es ist einfach frustrierend, man sieht kein Licht am Ende des Tunnels.“

Auch wenn das Studio finanziell nicht von Mitgliedsbeiträgen abhängig sei, da jeder Kunde über ein Kartensystem für eine gewisse Anzahl an Trainingsstunden bezahlt, seine Trainingsgruppen vermisst der Inhaber natürlich trotzdem. Und auch die Mitglieder wollten sich endlich wieder im Studio treffen, betont Trübenbach. Denn im Old-School-Training stehe nicht allein der Sport im Vordergrund, „es fehlt die Gemeinschaft, das miteinander reden“. Der Inhaber hofft daher, dass der Lockdown schneller vorbei geht, als er es vermutet.

Kathrin Dante sehnt sich ebenfalls danach, ihr Studio wieder zu öffnen. Für die Personaltrainerin, die ihre Kunden seit Februar 2020 in Offenthal begrüßt, ist es aber wichtiger, dass „wir nach dem Lockdown richtig öffnen können, ohne Abstandsregeln“. Denn sie möchte nicht bloß mit drei oder vier Menschen in ihrem Studio trainieren dürfen, sondern den vorhandenen Raum auch ausnutzen. Damit dies möglich ist, sei sie bereit, noch etwas länger zu warten, versichert die Trainerin.

Zurzeit bietet Dante ihre Kurse ausschließlich online an. Diese hält sie allerdings live direkt aus ihrem Studio ab. Bis zu 20 Stunden in der Woche zeigt die Personaltrainerin vor ihrem Laptop, mit welchen Übungen man sich fit hält. Dante: „Am Anfang war es für mich sehr ungewohnt, so ganz allein in dem großen Raum zu stehen.“ Inzwischen mache ihr das aber Spaß, betont sie. Mit ihren Live-Kursen halte sie Kontakt zu ihren Kunden und bekomme von diesen auch sofort Feedback. Und die freuen sich bereits darauf, mit Kathrin Dante auch vor Ort an ihrer Fitness zu arbeiten. Daher ist sich diese sicher, „dass mein Studio gut laufen wird, sobald ich wieder aufmachen kann.“

Von Joshua Bär

Personaltrainerin Kathrin Dante hält ihre Kurse während des Lockdowns ausschließlich online ab.

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