Beim Sport Stacking vergessen Kinder ihre Sorgen

Flüchtlingen Freude schenken

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Aus Bechern Türme oder Pyramiden stapeln macht Spaß. Christiane Hosemann und Sybille Gallert (rechts) freuen sich, wenn die Kinder ihre Sorgen mal vergessen.

Dreieich - Überall klappert und scharrt es, wird wild durcheinander geredet, laut gelacht und immer wieder fliegen im Eifer des Gefechts Becher durch die Gegend, die eigentlich möglichst schnell gestapelt werden sollen. Von Sina Gebhardt

Wenn es einem der Kinder erfolgreich gelungen ist, ein Türmchen zu bauen, dann strahlt es übers ganze Gesicht – und genau darum geht es auch: Flüchtlingen mit ein bisschen der eigenen Zeit einfach nur Spaß und Freude zu schenken. Zum Beispiel mit einem Nachmittag Sport Stacking (Sportstapeln), wie es Christiane Hosemann am Dienstag in der Winkelsmühle gemacht hat.

„Weil ich voll berufstätig bin, habe ich keine Zeit, regelmäßig etwas anzubieten. Aber ich wollte mich trotzdem in die Flüchtlingshilfe einbringen“, berichtet Hosemann über die Hintergründe der Aktion. Im Gespräch mit Sybille Gallert, die sich seit 2015 im Netzwerk Flüchtlingshilfe Dreieich engagiert, ist die Idee entstanden, eine ganz unverbindliche Freizeitgestaltung für Flüchtlinge anzubieten. Für Hosemann, die mit KidsRelax ein Zentrum für Entspannungspädagogik leitet, war naheliegend, dass sie ein Angebot für Kinder macht – aber auch die begleitenden Eltern können den Cups nicht widerstehen und stapeln die Becher ebenfalls fleißig zu Pyramiden. „Es macht Spaß und ist schön, eine Beschäftigung für die Kinder zu haben“, findet Majid Rana, der 2014 aus Pakistan nach Deutschland gekommen ist und heute mit seinen fünf Kindern das Angebot nutzt.

Die 17 teilnehmenden Kinder im Alter von sechs bis 15 Jahren kommen größtenteils aus der Gemeinschaftsunterkunft, die in einem früheren Gebäude der Max-Eyth-Schule eingerichtet wurde. Sie sind sichtlich erfreut über die Abwechslung, die ihnen geboten wird. „Kind ist Kind“, findet Hosemann, „und wie alle Kinder wollen sie spielen und lassen sich begeistern.“ Dazu muss man nicht einmal die gleiche Sprache sprechen, die Kommunikation funktioniert auch so, über Zeichen oder einfach nur das Vormachen von Übungen. Zwar wird mit dem Geschicklichkeitssport die Konzentration gefördert, aber ein Lernziel gibt es nicht. „Es geht nur darum, ihnen eine schöne Zeit zu geben“, so die Entspannungspädagogin.

Und das kann praktisch jeder. Deshalb möchte Gallert andere motivieren, ebenfalls eine Freizeitbeschäftigung für Flüchtlinge zu gestalten. „Es gibt dabei keine Verpflichtung, es muss nicht regelmäßig stattfinden und auch nicht perfekt sein. Es geht einfach um die ,Spende’ eines schönen Nachmittags“, räumt Gallert mögliche Bedenken aus. Denkbar sei alles: Ob malen, basteln oder eine Tanzstunde, ob ein Angebot für Kinder oder Erwachsene, ob in der Gemeinschaftsunterkunft oder in den Räumen der Winkelsmühle. Selbst um die Organisation kümmern sich die Ehrenamtlichen vom Netzwerk Flüchtlingshilfe, bestätigt Hosemann: „Alles war vorbereitet, ich bin wirklich nur noch gekommen, um meine zwei Stunden mit den Kindern zu verbringen.“

Die strahlenden Kinderaugen zeigen, wie leicht es ist, mit solch einer Aktion jemanden glücklich zu machen. Wer Interesse hat, für Flüchtlinge einen Nachmittag zu gestalten, wendet sich an Ilona Klein vom Flüchtlingsnetzwerk: Tel.: 06103/601-212.

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