Bei Inklusion noch einiges zu tun

Förderverein Behindertenhilfe Dreieich freut sich über Rotary-Sozialpreis

Großen Spaß haben die Sommerfeste mit dem Fußballturnier des Fördervereins in den vergangenen Jahren gemacht. Doch in diesem Jahr musste die beliebte Veranstaltung coronabedingt entfallen.
+
Großen Spaß haben die Sommerfeste mit dem Fußballturnier des Fördervereins in den vergangenen Jahren gemacht. Doch in diesem Jahr musste die beliebte Veranstaltung coronabedingt entfallen.

„Das ist ein Zeichen großer Wertschätzung.“ Heidi Schäfer, Vorsitzende des Fördervereins Behindertenhilfe, freut sich über die Auszeichnung mit dem Rotary-Sozialpreis – zusammen mit dem Weltladen in Neu-Isenburg.

Dreieich – Die offizielle Verleihung musste zwar coronabedingt abgesagt werden, wird aber nachgeholt. Dotiert ist der Preis mit jeweils 5 000 Euro, die aktuell besonders wichtig sind. Denn durch die Pandemie sind dem Förderverein Einnahmemöglichkeiten weggebrochen. „Überhaupt geht in diesen Zeiten so vieles verloren“, bedauert Elke Blum, die mit Schäfer und Elsbeth Backes den Vorstand bildet. Nötig sind Geduld, Durchhaltevermögen und Optimismus.

Unabhängig von der Pandemie müsse für die Inklusion und Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit einem Handicap noch einiges getan werden – nach der Devise „Eingliedern statt Ausgrenzen“. Auch wenn sich im Vergleich zur Zeit vor 50 Jahren vieles verbessert habe, sei man noch lange nicht am Ziel, betont Blum. Die Fortschritte seien nur erreicht worden, weil Menschen sich dafür starkgemacht haben. Man dürfe nicht immer nur auf den Staat und die Stadt verweisen, sondern müsse sich auch selbst engagieren.

In diesem Sinne hatte sich der gemeinnützige Verein im April 2014 gegründet. Damals hatte die Stadt im Zuge der Maßnahmen zur Schuldenbremse auch Sparmaßnahmen in ihrer Behindertenarbeit, die neben den fünf Freizeitclubs mit Mitgliedern unterschiedlichen Alters auch die Freizeiten umfasst, vornehmen müssen.

Der Verein mit seinen aktuell 80 Mitgliedern sprang in die Bresche und übernahm die Finanzierung von weiteren Tagen bei den Freizeiten, die von der Stadt gekürzt werden mussten. „Für uns sind die Freizeiten sehr wichtig“, betont Schäfer. Sie bedeuten auch eine Auszeit für die Familien von der Betreuung ihrer Kinder, die sie rund um die Uhr in Anspruch nimmt.

Elke Blum (links) und Heidi Schäfer vom Vorstand des Fördervereins freuen sich über die Auszeichnung mit dem Rotary-Sozialpreis. Auf dem Foto fehlt Elsbeth Backes.

„Wir sind der Stadt sehr dankbar für ihr Engagement“, betont Schäfer. Man müsse dabei aber helfen. Neben den Mitgliedsbeiträgen und Spenden nahm der Verein auch bei Veranstaltungen wie den Sommerfesten oder beim Stadtfest Geld für die Aufgaben des Vereins ein. Das ist 2020 alles entfallen. Dabei steht eine wichtige Anschaffung an. Der städtische Bus, der bei den Clubaktivitäten und den Freizeiten zum Einsatz kommt, ist in die Jahre gekommen und muss dringend ersetzt werden. Nicht nur deswegen wünscht sich der Verein mehr Mitglieder.

Überhaupt hat Corona die Familien vor zusätzliche Herausforderungen gestellt, die an den Nerven zehren. Die Freizeiten mussten ausfallen, die Clubabende nach einer kurzen Zeit wieder eingestellt werden. Besonders betroffen sind Heimbewohner mit Handycap, die nicht herausdürfen. Elke Blum berichtet von ihrem 52-jährigen Sohn, der seine Freundin seit März nicht mehr sehen durfte. „Die beiden können nur telefonieren“, berichtet sie. Deshalb hoffen die Mitglieder des Fördervereins, dass bald bessere Zeiten kommen und die wichtigen Aktivitäten – wenn auch unter Auflagen – wieder aufgenommen werden können. Weitere Infos zum Förderverein gibt es im Internet. (Von Holger Klemm)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare