Förderverein trotzt Sparpolitik

Dreieich - Die Sparpolitik der Stadt in Folge des Kienbaum-Gutachtens ging auch zu Lasten der Behindertenbetreuung. Doch die Betroffenen lamentierten nicht, eine Elterninitiative für Menschen mit Behinderung rief einen Verein ins Leben, um die Kommune in ihrer Arbeit zu unterstützen. Von Frank Mahn

Anderthalb Jahre sind seit der Gründung vergangen, inzwischen zählt der Verein knapp 80 Mitglieder. „Wir sind stolz auf das, was wir in der kurzen Zeit erreichen konnten“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Heidi Schäfer. Der Förderverein Behindertenhilfe Dreieich hat sich mehrere Ziele auf die Fahne geschrieben. Durch die Teilnahme an verschiedenen Festen haben die Mitglieder die Arbeit der städtischen Behindertenbetreuung stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. „Wichtig ist uns bei allen Aktivitäten, auf die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung und deren Angehörigen aufmerksam zu machen“, sagt Kassenwartin Elke Blum. Noch immer gebe es Menschen, die auf Abstand gingen, wenn sie Behinderten begegneten, ergänzt sie. „Wir wollen die Integration vorantreiben. Menschen mit Behinderung müssen raus und nicht nur unter sich bleiben“, weiß Heidi Schäfer aus Erfahrung mit ihrem 19-jährigen Sohn. Für ihn sei es eminent wichtig, unter Leute zu kommen.

Zurzeit besuchen 82 Behinderte aus Dreieich und benachbarten Kommunen die fünf Clubs der Behindertenhilfe, die unter städtischer Regie laufen. Im Rathaus laufen die Fäden bei Ursula Zimmermann und Michael Krüger zusammen. Sie kümmern sich um Organisation und Verwaltung. Dem Alter entsprechend stehen an den Clubtagen verschiedene Aktivitäten auf dem Programm: Einkaufen, Kegeln, Kino, Besuche von Restaurants, Museen, Tierparks, Festen und vieles mehr. „So ein Angebot wie bei uns gibt sehr selten“, sagt Bürgermeister Dieter Zimmer nicht ohne Stolz.

Dennoch blieb die Behindertenhilfe von Einsparungen nicht verschont. Gravierendster Einschnitt: Die Sommerfreizeiten der Erwachsenen wurden von 13 Tagen auf acht gekürzt. „Für viele Teilnehmer sind die Freizeiten oft der einzige Urlaub im Jahr. Zudem ist es wichtig, dass sie mal Abstand zum Elternhaus oder Wohnheim bekommen“, führt Elke Blum aus. Umso glücklicher ist der Vorstand, dass es gelungen ist, dank zahlreicher Spenden für die drei Clubs der Erwachsenen einen weiteren Tag der Freizeit 2017 zu finanzieren. Das mag auf den ersten Blick nicht viel erscheinen, doch der Eindruck täuscht. Denn: Allein für An- und Abreise mit dem umfangreichen Equipment gehen zwei Tage drauf.

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Und warum erst 2017? „Wir hätten es auch gerne dieses Jahr schon gemacht, doch die Planung war vorher schon abgeschlossen“, erklärt Ursula Zimmermann. Wer geeignete Häuser finden will, muss rechtzeitig buchen. Zimmermann ist sehr froh über die Unterstützung des Vereins, der zum Beispiel Kontakte zu Schulen und Vereinen knüpfe und die Neukonzeption der städtischen Behindertenhilfe aktiv begleite. Auch Dieter Zimmer geizt nicht mit Lob. „Ich freue mich, dass es den Verein gibt. Er ist eine perfekte Ergänzung unseres Angebots.“

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare