Amüsant und tiefgründig

Frank Goosen stellt Roman „Förster, mein Förster“ vor

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Jede Ähnlichkeit mit der Hauptfigur seines neuen Romans „Förster, mein Förster“ weist Frank Goosen im Bürgerhaus weit von sich. Dabei sind gewisse autobiografische Züge nicht von der Hand zu weisen.  

Dreieich - Es war fast eine Premiere: Der neue Roman von Frank Goosen ist erst am 18. Februar erschienen. Das Spendlinger Bürgerhaus war eine der erste Stationen auf seiner Lesereise. Von Sina Gebhardt 

Einfach mal raus, ganz weit weg fahren und den Alltagstrott hinter sich lassen - dieses nachvollziehbare Gefühl treibt die Hauptfigur in Frank Goosens neuem Roman voran. Mit „Förster, mein Förster“ ist sein inzwischen zwölftes Werk erschienen. Zu der Lesung des Autoren und Kabarettisten am Donnerstag kam ein interessiertes, aber überschaubares Publikum, das Goosen mit seinen literarischen Ergüssen und kurzweiligen Anekdoten unterhielt. Gewisse autobiografische Züge zwischen Protagonist und Autor lassen sich nicht weg reden - auch wenn Goosen, der wie seine Figur dieses Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, es versucht: „Das hat keine Bedeutung, aber im Nachhinein betrachtet hätte ich ihn einfach 51 werden lassen sollen.“ Wie sein Erschaffer ist Förster Schriftsteller, allerdings befindet er sich anders als Goosen gerade in einer Schaffenskrise, hat aber eine ebensolche Schwäche für die Schrullen seiner skurrilen Nachbarn und eine faszinierende Gedankenwelt, die von tiefgründig bis amüsant reicht. Einblicke in diese Welt gewährt Goosen, denn bei den ausgesuchten Auszügen, die in unterschiedlichen Textformen wie E-Mail-Verkehr oder Dramolett daherkommen, stehen die Figuren mit all ihren Eigenarten und Ansichten im Vordergrund.

Da wären neben dem schlagfertigen Förster, der mit innovativen Antworten auf Interviewfragen („Wo sind Sie aufgewachsen? – „Bei meinen Eltern.“) hervorsticht, seine immer streitbaren Jugendfreunde Fränge und Brocki, deren Debatten vor Dialogwitz sprühen. Klar, dass die Freunde Förster auf seiner Reise an die Ostsee begleiten. Grund dafür liefert die greise, mitten in der Nacht Saxofon spielende Nachbarin Frau Strobel, die zu einem Reunion-Konzert ihrer ehemaligen Kapelle eingeladen wurde. Ebenfalls mit von der Partie: Sein siebzigjähriger Nachbar Dreffke und der Teenager Finn, dem von seinem Vater die Freundin ausgespannt wurde. Jeder der sechsköpfigen Reisegesellschaft hat seine Vergangenheit im Gepäck - oder in Försters Fall noch einen Hamster namens Edward Cullen.

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Goosen als Beobachter des Zwischenmenschlichen hat nicht einfach nur Figuren geschaffen, sondern Typen. Allerdings keine Stereotypen, sondern eigenwillige, liebenswerte und tragikomische Typen. Wie sehr ihm sein neues Buch am Herzen liegt, spürt man schon, wenn er daraus vorliest. Aber auch im Anschluss an die Lesung räumt er ein: „Ich habe eine engere Beziehung zu den Figuren, als bei den anderen Büchern - und Förster ist der erste Held, der auch meiner Frau sympathisch ist.“ Woran das liegen könnte? Vielleicht weil dieser Protagonist so herrlich menschliche Schwächen wie das „fraglos in den Tag hineinleben“ hat, weil er über Dinge philosophiert, die jedem einmal durch den Kopf gehen („Das Einzige, was früher wirklich besser war, sind Augen und Gelenke.“) und Fragen stellt, auf die sonst keiner kommt: „Kann man einem Arzt trauen, der keinen weißen Kittel trägt?“

Zum Abschluss des unterhaltsamen, kurzweiligen Abends gibt es schöne Aussichten für Goosen-Fans, denn nach der mehr als zehn Jahre zurückliegenden Verfilmung seines Romans „liegen lernen“ kommt 2016 endlich eines seiner Werke auf die Kinoleinwand: Der Revierroman „Radio Heimat“.

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