Finger in die Wunde gelegt

Wie die Freunde Sprendlingens den Egenberger-Parkplatz umgestalten wollen

Skizze, wie der Egenberger-Parkplatz aussehen könnte: Zur Hauptstraße hin schwebt den Freunden Sprendlingens vor, vier Stelen zu platzieren, um den Platz zu fassen. Links und rechts könnten noch zwei Sandsteinblöcke aufgestellt werden, um eine Eingangssituation erzeugt, die den Platzcharakter noch mehr betont, so der Verein.
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Skizze, wie der Egenberger-Parkplatz aussehen könnte: Zur Hauptstraße hin schwebt den Freunden Sprendlingens vor, vier Stelen zu platzieren, um den Platz zu fassen. Links und rechts könnten noch zwei Sandsteinblöcke aufgestellt werden, um eine Eingangssituation erzeugt, die den Platzcharakter noch mehr betont, so der Verein.

Die Bewertung des Ist-Zustands fällt vernichtend aus. „Der Egenberger-Parkplatz ist ein städtebaulicher Unort, ein schmutziges Loch in der Straßenfront, mit verschmierten Seitenwänden, provisorischen Elektro-Verteilerkästen und unebener Asphaltierung.“ Rumms, das sitzt. Doch die Freunde Sprendlingens wollen das ändern.

Dreieich - Die Freunde Sprendlingens um ihren umtriebigen Vorsitzenden Wilhelm Ott legen nicht nur den Finger in die Wunde, sondern haben Ideen, wie sich das Grundstück im Herzen von Sprendlingen aufwerten ließe. Der Verein für Heimatkunde begrüßt natürlich die politische Initiative in Richtung Gestaltungssatzung (siehe Bericht unten). „So positiv diese Ansätze zu bewerten sind, die Maßnahmen bleiben zumeist im Verantwortungsbereich der jeweiligen Grundstücksbesitzer“, sagt Ott. Der Egenberger-Parkplatz hingegen sei im Besitz der Stadt, sie könne mithin selbst etwas tun, um die Attraktivität der Innenstadt zu erhöhen.

Der steht zumindest eine große Veränderung bevor – mit der Fertigstellung der Neuen Mitte im nächsten Jahr verändert die Hauptstraße ihr Gesicht. Zusammen mit dem Platz vor dem alten Rathaus, dem alten Rathaus selbst, der ehemaligen Stadt-Apotheke sowie weiteren Häusern mit rotem Mainsandstein, könnte nach Auffassung des Heimatkundevereins die Ensemblewirkung verstärkt werden. Denn dass der Parkplatz Potenzial hat, ist für die Freunde Sprendlingens unstrittig. „Das beweisen die gutbesuchten Schlemmerschoppen. Ein Blick nach Langen zeigt, dass sich der dortige Samstagsmarkt zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt hat.“

Auch in Sprendlingen gibt es einen solchen Markt, er würde durch eine Umgestaltung des tristen Geländes sicher einen Schub bekommen. Eine Projektgruppe der Freunde Sprendlingens hat sich darüber Gedanken gemacht und einige Entwürfe zur Neugestaltung des vorderen Teils des Egenberger-Parkplatzes erarbeitet. „Diese Entwürfe zeigen auf, wie man die Optik der Hauptstraße an dieser Stelle verbessern und gleichzeitig einen attraktiven innerstädtischen Platz für verschiedenste Zwecke schaffen könnte“, schreibt der Verein. Architekt Erhard Haller, Beisitzer im Vorstand, hat zur Veranschaulichung Skizzen angefertigt.

Weil Geld in der Stadtkasse knapp ist, haben sich die Initiatoren auf den vorderen Teil des über 100 Meter langen Platzes konzentriert, da er prägend für das Erscheinungsbild der Hauptstraße ist. Und das schwebt der Projektgruppe vor: Ausgangspunkt der Überlegungen ist, einen Platz zu gestalten, der sich über die Breite des Grundstücks zieht und die Tiefe des benachbarten Fachwerkhauses aufnimmt. Dieser zirka 17 mal 17 Meter große Platz erhält einen neuen Bodenbelag, ähnlich wie er zurzeit in Offenthal verlegt wird.

Da die Fassung auf der Straßenseite mit den beiden Mittelsäulen sehr transparent ist, regt der Verein weiterhin an, in die äußeren beiden Lücken zwei Sandsteinblöcke zu legen.

Weil jeder Platz städtebaulich betrachtet eine Fassung haben muss, schlagen die Freunde Sprendlingens vor, die Idee der Sandsteinstelen vom Rathausplatz aufzugreifen und vier solcher Stelen zur Straße hin aufzustellen. Drei weitere werden an der nördlichen Wand platziert. Zwischen diesen Stelen werden großformatige Drucke angebracht, mit Motiven aus den Partnerstädten oder Alt-Sprendlingen. Damit hätte der Platz auf drei Seiten eine Fassung. Nach hinten sollte der Platz offen sein, um die diversen Nutzungsmöglichkeiten nicht einzuschränken.

Sandsteinblöcke als kurzfristige Sitzgelegenheit

Da die Fassung auf der Straßenseite mit den beiden Mittelsäulen sehr transparent ist, regt der Verein weiterhin an, in die äußeren beiden Lücken zwei Sandsteinblöcke zu legen. Damit wird in der Mitte eine Eingangssituation erzeugt, die den Platzcharakter noch mehr betont. „Die Sandsteinblöcke können natürlich zum Sitzen benutzt werden, sind aber für einen längeren Aufenthalt wenig geeignet.“

Um den Eingangscharakter noch stärker hervorzuheben, könnte eine Dachkonstruktion installiert werden.

Die kreativen Köpfe im Verein haben noch mehr pfiffige Ideen: „Um den Eingangscharakter noch stärker zu betonen, könnte man über den Mittelsäulen eine spitzgieblige Stahlkonstruktion anbringen, welche die Dachformen der benachbarten Gebäude spielerisch aufnimmt. Man kann auch weiterträumen und sich zum Beispiel ein Glasdach für einen Teil oder gar den gesamten Platz wünschen. Das ist natürlich eine Kostenfrage.“

Kommentar: Charmant nicht nur mit Blick auf die Optik

Die ersten Reaktionen aus der Politik seien durchweg positiv ausgefallen, sagt Wilhelm Ott. Dass der Verein sich Gedanken über die Gestaltung des Egenberger-Parkplatzes gemacht hat, entsprang nämlich einem heimatkundlichen Austausch zwischen den Freunden Sprendlingens und den Fraktionen. Der Vorsitzende und seine Mitstreiter haben sich nicht lange bitten lassen und sich an die (ehrenamtliche) Arbeit gemacht. Im Rathaus hat man, vielleicht auch aus Geldmangel, keine größeren Anstrengungen unternommen, an der Situation etwas zu ändern. Dabei ist eigentlich jedem klar: Das Gelände liegt viel zu zentral, um es die allermeiste Zeit über einfach nur als hässlichen Parkplatz zu nutzen. Die Vorschläge, die der Verein nun präsentiert, haben nicht nur in optischer Hinsicht Charme. Die Pflasterung des vorderen Bereichs, Stelen und Sandsteinblöcke dürften von der Kostenseite her einigermaßen überschaubar sein. Samstagsmarkt, Schlemmerschoppen oder was auch immer – ein Plus an Aufenthaltsqualität an dieser Stelle ist absolut wünschenswert. Auch wenn es einige Parkplätze kosten würde. Der Verlust kann durch die Neue Mitte kompensiert werden. (Von Frank Mahn)

Die Skizzen zeigten, dass die Nutzung des Grundstücks in keiner Weise eingeschränkt würde, so Wilhelm Ott. „Ob das Parken dort weiterhin erlaubt sein sollte, muss man im Einzelnen diskutieren. Es sollten im hinteren Bereich zwei Lampen aufgestellt werden. Die Elektroverteilerkästen gehörten ebenfalls nach hinten verlegt.“

Mit diesen Vorschlägen wollen die Freunde Sprendlingens eine Diskussion anstoßen, was aus einem hässlichen Platz im Herzen von Dreieich werden könnte. Trotz knapper Kassen darf es nach Auffassung des Vereins kein „Weiter so“ geben. Dafür sei das Potenzial des Parkplatzes viel zu groß, meint Wilhelm Ott. (Von Frank Mahn)

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