Man fühlt sich wie vom Bulldozer überrollt

Dreieich - Das Medizinische Qualitätsnetz Langen-Dreieich wird sich in Zukunft wieder einmal monatlich an dieser Stelle zu allgemein interessierenden medizinischen Fragen äußern. Heute ein Beitrag der Buchschlager Ärztin Bettina Scholz zum Thema Grippe.

„Hatschi! Und schon kommt es geflogen, das Grippe-Virus, die Influenza. Winterzeit ist Grippezeit, und in diesem Jahr, also seit Anfang Januar , zeigt sich neben den normalen Erkältungserkrankungen die echte Grippe weit häufiger als in den letzten Jahren. Laut Robert Koch Institut ist in fast ganz Deutschland - außer Nordrhein- Westfalen und an der Nordseeküste - eine deutlich vermehrte Influenza-Aktivität zu verzeichnen. Die Wartezimmer der Ärzte sind voll, überall hustet es, schnupft und niest es.

Das plötzlich und akut einsetzende schwere Krankheitsgefühl mit hohem Fieber bis 40 Grad, Kopf- und Gliederschmerzen und trockenem Husten - „man fühlt sich wie vom Bulldozer überrollt - ist typisch für die Influenza. Die normalen Erkältungen fangen viel langsamer mit Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und Schnupfen an.

Als Viruserkrankung spielt sich die Grippe an unseren Schleimhäuten der Bronchien und im Nasen-Rachen-Bereich ab. Meist „gabeln“ wir die Viren über eine Tröpfcheninfektion auf, in Schulen, Bussen, Warteschlangen an der Supermarktkasse und so weiter. Aber auch eine Schmierinfektion (Einkaufswagen, Treppengeländer) ist möglich.

Die kugelförmigen, winzigen Viren haften durch bestimmte Oberflächenstrukturen, das Hämagglutinin, auf den Zellen der Schleimhäute, dringen dann in die Schleimhautzelle ein und fangen dort an, sich tausendfach zu vermehren. Die Zelle stirbt schließlich ab und die neuen Grippeviren müssen sich von den Zellresten befreien. Das gelingt mit Hilfe eines anderen Moleküls, der Neuramidase. Nach diesen zwei Molekülen beziehungsweise ihren Unterklassen werden die Influenzaviren übrigens klassifiziert.

Leider verändern sich die Grippeviren jedes Jahr mehr oder weniger, so dass selbst eine durchgemachte Grippe-Erkrankung keine sichere Immunität für die nächste Grippe-Saison hinterlässt. Daher heißt es jedes Jahr: Gefährdete Menschen mit chronischen Grunderkrankungen (Diabetes, Herz-/Kreislauferkrankungen, Asthma, chronischer Bronchitis, Tumorleiden) und Menschen über 60 sollten sich jedes Jahr gegen die Influenza impfen lassen. Der beste Impftermin liegt im September/Oktober, also bevor die richtige Grippesaison startet. Stark gefährdete Personen können sich aber auch jetzt noch impfen lassen. Allerdings dauert es etwa 14 Tage, bis ein wirksamer Schutz aufgebaut ist. Eine Ansteckung in der Zwischenzeit ist also trotzdem möglich..

Und wenn die Grippe uns doch erwischt hat, helfen erst einmal Hausmittel wie Bettruhe, viel Flüssigkeit (Tee, Wasser oder Saft )und vielleicht ein Medikament zum Fieber senken und gegen Kopfschmerzen.

Ist die Diagnose innerhalb der ersten 24 bis 48 Stunden sicher, können die modernen Grippemedikamente wie Tamiflu zum Einsatz kommen. Diese Medikamente hemmen die Neuramidase, also das Molekül, das quasi als Schere die neuen Grippeviren freisetzten soll. Die Viren können sich somit nicht mehr weiter vermehren und die Dauer der Grippesymptome wird abgekürzt.

In wieweit der Husten und vielleicht auftretenden Halsschmerzen die Einnahme zusätzliche Medikamente nötig machen oder wie gefährliche Folgeerkrankungen wie eine Lungenentzündung oder Herzmuskelentzündung verhindert werden können, sollte der Arzt entscheiden.

Da die Grippe eine viel stärkere Erkrankung als eine Erkältung ist, sollten Betroffene auch nach der Genesung noch vorsichtig mit körperlicher Belastung sein und Sport zum Beispiel nur langsam wieder aufnehmen.

Generell gilt, dass man sich zum Teil vor einer Ansteckung mit etwas Abstand zu den „Virusschleudern“(Husten und Niesen) und regelmäßig Hände waschen am ehesten schützen kann.

Bettina Scholz

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