Fahrradautobahn

Radschnellweg in Dreieich: Planung für Fahrradverbindung gehen voran

Der Zickzackkurs in Sprendlingen für den Radschnellweg dürfte keine Chance mehr haben.
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Der Zickzackkurs in Sprendlingen für den Radschnellweg dürfte keine Chance mehr haben.

Die Route des Radschnellwegs zwischen Darmstadt und Frankfurt in Dreieich stand im Mittelpunkt des Grünen-Webtalks. Aktuell sind fünf Varianten in der Prüfung.

Dreieich – Natürlich hat er es nicht gesagt, aber bei der Vielzahl von K.-o.-Kriterien, die Manfred Ockel aufzählt, kann man die sogenannte Sprendlinger Beule getrost vergessen. Im Webtalk der Dreieicher Grünen nennt der Geschäftsführer der Regionalpark Rhein-Main Südwest GmbH derart viele Schwachstellen und Konfliktpunkte, dass der Dreieicher Abschnitt der Radschnellverbindung zwischen Darmstadt und Frankfurt auf der Zickzack-Route nicht dar- und vorstellbar ist.

Gut 40 Interessierte klinken sich am Donnerstagabend in die Videoschalte ein – das zeigt, wie sehr das Thema unter den Nägeln brennt. Die Raddirektverbindung ist ein Pilotprojekt des Landes, das vor allem auch für Pendler, die es nicht weiter als 15 Kilometer zum Arbeitsplatz haben, einen Anreiz schaffen soll, vom Auto aufs Fahrrad umzusteigen. Das ist nicht attraktiv, wenn sie um zig Ecken fahren und an Kreuzungen ständig bremsen müssen. Deshalb geht es darum, möglichst schnell von A nach B zu kommen.

Radverbindung zwischen Darmstadt und Frankfurt: Viele Probleme behindern das Projekt

Davon ist man in Sprendlingen meilenweit entfernt. Für die Dreieicher Etappe spricht Manfred Ockel von einer „komplexen Aufgabenstellung“ . Die ausgedeutete Strecke, sie ist das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie und diente den Stadtverordneten 2018 als Grundlage für ihren Beschluss, passiert allein 15 Knotenpunkte. Außerdem sind viele Straßen in den Wohngebieten zu schmal, denn für den Schnellweg gelten vier Meter als Standardbreite.

Im Tannenweg, in Immanuel-Kant-, Erich-Kästner- und Poststraße würden in großer Zahl Parkplätze wegfallen. Der Verbindungsweg zwischen Breslauer und Poststraße misst gerade mal zwei Meter – und da sind etliche Fußgänger, gerade auch Schüler – unterwegs. Schwierig zu lösen sind die Übergänge an der Fichtestraße und am Knotenpunkt von Eisenbahn-/Theodor-Heuss-Straße. Hier wäre ein fünfarmiger Kreisverkehr erforderlich, die aber werden von der Polizei als Unfallschwerpunkt eingestuft. Die Bestandsanalyse lässt gar keinen anderen Schluss zu als den, dass die Beule gestorben ist.

Zahlreiche Alternativen für geplanten Radweg durch Dreieich

„Es wäre geradezu fahrlässig, keine Alternativen zu prüfen“, sagt Ockel. Damit ist ein Planungsbüro beschäftigt. Insgesamt werden nach den Worten des Geschäftsführers fünf Varianten unter die Lupe genommen, darunter Vorschläge der Grünen und der Fraktion Bürger für Dreieich, die durch Buchschlag führen. Für die Bewertung der Varianten werden folgende Kriterien herangezogen: Länge, Eigentumsverhältnisse, Strecke durch Schutzgebiete, Knotenpunkte, Breite der Trassen, Bahnquerung sowie Konflikte mit Fußgänger und Landwirtschaft. Die Prüfung sei fast abgeschlossen, so Ockel. Der Bericht werde dem Magistrat in Kürze zugehen.

Verfechtern der Sommerroute nimmt der Geschäftsführer den Wind aus den Segeln. „Trassen westlich der Bahnstrecke scheiden aus, weil das Gebiet Bannwald ist.“ In dieser höchsten Schutzkategorie seien Bauvorhaben nur zulässig, wenn sie unvermeidbar seien. Da andere Trassen östlich der Bahn möglich sind, wird die Route gar nicht erst untersucht. Zwischen ihr und der Beule gibt es nach Ockels Auffassung gute Alternativen. Wenn es auf Buchschlag hinausläuft, ist eines aber auch klar: Die Querung der Buchschlager Allee wird ein kniffliges Unterfangen.

Radweg zwischen Frankfurt und Darmstadt soll siedlungsnah verlaufen

Für die Freunde des Radschnellwegs in Dreieich, eine Bürger-Initiative, die gegen die Beule mobil macht, schlägt deren Sprecher Hans-Hartwig Löwenstein eine bahnnahe Trasse östlich der Bahnstrecke vor. Manfred Ockel indes macht mehrfach deutlich, dass das Ziel die Ausweisung einer möglichst siedlungsnahen Strecke mit vielen Anknüpfungspunkten sei. „Wir wollen keine Strecke abseits im Wald.“

Nach Einschätzung des Geschäftsführers könnte die Öffentlichkeit im April einbezogen werden. Die von Magistrat und Regionalpark GmbH favorisierte Route (es können auch zwei sein) würden dann zur Diskussion gestellt. In welcher Form ist natürlich abhängig von der Pandemie. In einem ersten Schritt geht es laut Ockel darum, sich auf eine Variante zu verständigen. Dann könne man die Ausgestaltung eines jeden Abschnitts mit den Anwohnern erörtern. „Wir brauchen Akzeptanz bei den Anwohnern und beim Naturschutz.

Neben der Idee eines Schnellradweges zwischen Darmstadt und Frankfurt wird auch eine „Fahrradautobahn“ in den Ostkreis Richtung Obertshausen vorgeschlagen. (Von Frank Mahn)

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