Streit um Kleingärten

Frau fassungslos: Sie muss Bäume im eigenen Garten fällen 

Ursula Müller ist sehr enttäuscht darüber, dass sie so viele gesunde Bäume in ihrem Garten fällen lassen musste. Die Gartenhütte im Hintergrund wird bis zum Sommer abgeräumt. Dann sind alle Forderungen der UNB erfüllt.
+
Ursula Müller ist sehr enttäuscht darüber, dass sie so viele gesunde Bäume in ihrem Garten fällen lassen musste. Die Gartenhütte im Hintergrund wird bis zum Sommer abgeräumt. Dann sind alle Forderungen der UNB erfüllt.

Ursula Müller aus Dreieich bei Offenbach kann es nicht fassen. Sie musste in ihrem Kleingarten auf Anordnung der Unteren Naturschutzbehörde gesunde Bäume fällen lassen.

Dreieich - Der Rasen von Ursula Müller (78) ist noch mit Resten von Schnee bedeckt, eigentlich könnte hier im Außenbereich von Götzenhain in Dreieich nahe Offenbach alles winterlich idyllisch sein. Aber die frisch gesägten Holzstücke und die Baumstümpfe sind untrügliche Spuren dafür, dass es hier am Wochenende alles andere als ruhig und idyllisch war. Eine noch recht junge Blutpflaume, eine Ligusterhecke, eine Thujahecke und einige Sträucher sind der Säge zum Opfer gefallen.

„Ich kann gar nicht hinschauen, es tut mir richtig im Herzen weh“, ist Ursula Müller noch immer fassungslos. Im vergangenen Jahr bekam sie von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Offenbach die Aufforderung, dass das rund 400 Quadratmeter große Gartengrundstück geräumt werden muss – wie alle anderen Gärten auch, die in unmittelbarer Nachbarschaft von dem der Müllers liegen. Die Gärten gelten als illegale Bauten und Einfriedungen im Landschaftsschutzgebiet. „Und diese Ansage kommt nach 60 Jahren, in denen wir den Garten liebevoll pflegen und nutzen“, sagt Müller verärgert.

Gartenbesitzerin aus Dreiech nahe Offenbach erschüttert: „Das will mir einfach nicht in den Kopf“

Am 21. Januar erreichte die Seniorin das nächste Schreiben der Behörde aus Dietzenbach. Beiliegend ein Drohnenfoto ihres Gartens mit genauen Angaben, was alles vom Grundstück zu beseitigen ist. „Das Hochbeet, die Laube, der Außenzaun – das muss bis zum Sommer weg sein. Auf dem Foto waren jetzt die Pflanzen markiert, die wir bis zum 28. Februar vor der Brut- und Setzzeit entfernen sollen“, berichtet Müller. Bleiben dürfen nur der Nussbaum, die heimische Erle, der Haselnussbaum und eine junge Weide. Der Rest – alles gesunde, gut gepflegte Sträucher – muss ausgegraben, die Bäume müssen gefällt werden.

„Ich bringe das kaum über mich, überall vertrocknen die Bäume und hier stehen sie gesund und sind auch Lebensraum von vielen Vögeln und Eichhörnchen und sollen jetzt weg, weil sie angeblich nicht hierhergehören. Das will mir einfach nicht in den Kopf. Die Vögel waren ganz aufgeregt und irritiert, als wir hier am Samstag gearbeitet haben“, erzählt Müller. Außerdem waren sehr viele Spaziergänger unterwegs, die am Zaun stehen geblieben sind und gefragt haben, warum die Bäume gefällt werden. „Die Menschen schütteln über diese Auflagen der Behörden den Kopf“, sagt die Gartenbesitzerin.

Auf einem Nachbargrundstück sieht es ebenfalls traurig aus. Auch hier mussten Bäume fallen.

Gärten in Dreieich nahe Offenbach: Weitere zweieinhalb Jahre Nutzung kosten 250 Euro

Ursula Müller hätte, wie auch die Pächter der städtischen Gärten, einen Aufschub von zweieinhalb Jahren haben können: „Doch das war mit der Auflage einer Zahlung von 250 Euro verbunden. Das habe ich nicht eingesehen, für meinen eigenen Garten zu bezahlen. Zumal ich in zweieinhalb Jahren noch älter bin und jetzt jemanden hatte, der mir hilft, den Garten zurückzubauen“, sagt Müller. Manche Eigentümer oder Pächter hätten diese Kosten übernommen, um den Garten in Dreieich bei Offenbach noch zwei Sommer genießen zu können, so Müller.

Im Sommer kommt die Hütte noch weg. Müller hat einen Bekannten gefunden, der sie abschlägt und bei sich wiederaufbaut. „Das freut mich natürlich. Mein im vergangenen August verstorbener Mann hat sich so viel Mühe damit gemacht. Schön, dass sie nicht auf den Müll kommt. Aber wenn die Laube weg ist, dann wird es hier auch keine Futterstellen für die Vögel und Eichhörnchen geben“, bedauert die Gartenbesitzerin. Sie ist überzeugt, dass sich die Situation für die Tiere verschlechtere, wenn keiner mehr Wasser und Futter bereit hält. (Nicole Jost)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare