Neues Ausstellungsprojekt im Elternhaus

Dem Gefühl der 60er nachspüren

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Stopfpilze nimmt die Künstlerin Anne Sommer-Meyer zum Ausgangspunkt für ihren „Hexenring“, den sie jetzt für die Ausstellung „heim - textil“ im Elternhaus von Anjali Göbel (rechts) aufgebaut hat.

Sprendlingen - Die künstlerische Beschäftigung mit Handarbeiten steht im Mittelpunkt einer neuen Ausstellung der Künstlerin Anjali Göbel in ihrem Projekt Elternhaus. Von Holger Klemm 

Ausgangspunkt waren für die beteiligten sieben Künstlerinnen Textilien, die aus dem Einfamilien-Haus im Kurt-Schumacher-Ring 96 stammen oder stammen könnten. „Ich glaube, dass Handarbeiten früher eine größere Rolle gespielt haben“, meint Anjali Göbel. Und da ihr Projekt Elternhaus die 60er und 70er Jahre zum Ausgangspunkt nimmt, lag es nahe, dazu einmal eine Ausstellung zu veranstalten. Die Dreieicher Künstlerin hat nach dem Tode ihrer Mutter das Ein-Familien-Haus geerbt, dessen Einrichtung sich seit den 60er und 70er Jahren nur unwesentlich verändert hatte. Daraus entwickelte die Künstlerin schon einige Ausstellungen, die sich mit den „Spuren der Vergänglichkeit“ oder Themen wie Weihnachten, Karneval oder „Reisezeit – Zeitreise“ beschäftigten. Vom 16. April bis 1. Mai heißt nun das Motto „heim - textil“.

„Ich finde Handarbeiten toll und habe gestrickt, gestickt und gehäkelt. Das konnten damals alle“, erinnert die Dreieicherin sich. Heutzutage stellt die Künstlerin beispielsweise in ihren Flechtkursen dagegen fest, dass Handarbeiten nicht mehr so hoch im Kurs stehen. „Ich spreche da von dummen Fingern. Handarbeiten helfen, die Intelligenz in diesen zu entwickeln.“ Für ihr aktuelles Projekt hat sie sechs Kolleginnen gewinnen können, die sie von Ausstellungen kennt oder mit denen sie schon immer mal zusammenarbeiten wollte. Dazu zählt Anne Sommer-Meyer, die sich unter anderem mit ihrer Arbeit „Hexenring“ beteiligt. Dabei bilden Stopfpilze in unterschiedlichen Größen einen Kreis. Ingke Günther stickt Schimpfworte wie Erbenszähler oder Korinthenkacker auf Büttenpaper. „Da wird aus rüden Worten etwas Niedliches“, meint Göbel.

Monika Linhard wiederum schneidet Blumen aus Decken oder Karos aus Topflappen, so dass am Ende geometrische Muster übrig bleiben. Katharina Sommer stickt in alte Fotos und hebt so bestimmte Aspekte der Aufnahme heraus. Dazu nutzte sie auch Fotoalben aus dem Elternhaus und „beschäftigt sich so direkt mit dessen Geschichte“, berichtet Anjali Göbel. Die Vernissage mit den Künstlerinnen ist am Samstag, 16. April, um 16 Uhr. Die Öffnungszeiten sind bis Sonntag, 1. Mai, samstags und sonntags ab 14 Uhr. Vorgesehen ist auch ein kleines Begleitprogramm. Im Rahmen des Forums am Montag der Kreisvolkshochschule hält die Dreieicher Künstlerin am Montag, 18. April, um 19 Uhr zudem einen Vortrag zu „Wohnkultur und Lebensgefühl im Wirtschaftswunder“. Dazu gibt es am Samstag, 23. April, ab 15 Uhr eine Führung durch das Elternhaus und die Ausstellung. Treffpunkt ist am HLL. Beim Gang zum Kurt-Schumacher-Ring lässt sich einiges zum Siedlungsbau der 60er Jahre und dem damaligen Leben erfahren.

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Am Dienstag, 19. April, um 18 Uhr gibt es unter dem Motto „Jour Strixx“ einen Abend mit Handarbeit und Gespräch. Zum Ausklang am Sonntag, 1. Mai, um 14 Uhr wartet auf die Besucher Brühe mit Fadennudeln und Eierstich. Die nächsten Projekte im Elternhaus stehen auch schon fest, wie Göbel mitteilt. Im Juni steht die Beschäftigung mit Nachlässen und der Umgang damit im Mittelpunkt. Die Regisseurin Katharina Peters sichtete nach dem Tod ihres Vaters Jürgen, der ein bedeutender Künstler war, das umfangreiche Werk an Malerei und Grafik, und dreht einen Film dazu. Eine Auswahl wird im Elternhaus zu sehen sein.

Nach der Eröffnung des Stadtteilzentrums im Sprendlinger Norden im Oktober wird die Ausstellung „Biografie einer Siedlung“ zu sehen sein. Das Elternhaus, das unverändert erhalten geblieben ist, bildet den idealen Rahmen für den Rückblick auf die Ursprünge der Siedlung Hirschsprung-Breitensee.

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