Offener Brief der Geschichtsvereine

Gegen drohenden Abriss einer Dreieicher Villa

Seit einigen Tagen hängt dieses Transparent vor der vom Abriss bedrohten Villa.
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Seit einigen Tagen hängt dieses Transparent vor der vom Abriss bedrohten Villa.

Mit Unverständnis, Bestürzung und Empörung reagieren die Freunde Sprendlingens, der Geschichtsverein Buchschlag und die Leiterin des Dreieich-Museums auf den Bericht zum Abrissantrag für die Wienand-Villa. Sie befürchten den Verlust eines Stück Heimats und haben dazu einen offenen Brief an den Investor des Dorinth/Mercure-Anwesens in der Eisenbahnstraße, an die Stadt und den Kreis geschrieben.

Dreieich - Wilhelm Ott (Freunde Sprendlingens), Isabel Schilling (Geschichtsverein Buchschlag) und Corinna Molitor (Dreieich-Museum) äußern ihr Unverständnis deshalb, weil das Landesamt für Denkmalpflege diesem für die Lokalhistorie so bedeutsamen Gebäude den Denkmalschutz verweigert hat. Der Erbauer des Hauses, Heinrich Wienand, war Miteigentümer der Zahnfabrik, einem Unternehmen, das Sprendlingen lange Zeit geprägt hat. „Die Architektur des Gebäudes strahlt eine besondere Qualität aus: der Sandsteinsockel, die Rundbogenfenster, der Eingangsbereich. Es gibt in Sprendlingen nur wenige solcher stattlichen Häuser. Gestalterisch bestehen starke Bezüge zum nahen Buchschlag. Wir halten die Entscheidung des Landesamtes schlichtweg für falsch“, heißt es in dem Brief weiter.

Bestürzung deshalb, weil es den Behörden der Stadt und des Kreises dem Vernehmen nach nicht möglich sei, den Abriss dieses stadtbildprägenden historischen Gebäudes zu verhindern. „Hier ist der Gesetzgeber gefordert, den lokalen Behörden Instrumente in die Hand zu geben, auch historische Gebäude zu erhalten, die nicht unter Denkmalschutz stehen“,

Empörung deshalb, weil offensichtlich Profitmaximierung über dem Erhalt dieses Gebäudes stehe. Das Beispiel Villa Schott in Sprendlingen zeige, dass die Integration eines historischen Objektes in ein Neubauprojekt möglich und sinnvoll sei.

„Wir sind von vielen Dreieicher Bürgerinnen und Bürgern auf die Wienand-Villa angesprochen worden.“ Auch in deren Namen appellieren Ott, Schilling und Molitor an die Vertreter der Investmentfirma, den Abrissantrag zurückzuziehen und die Wienand-Villa in das Bauprojekt einzubinden. „Sie würden damit ein Stück unserer Heimat bewahren“, heißt es abschließend.

Die Villa gehört zum ehemaligen Hotelkomplex, der nach der Aufgabe in neue Hände gewechselt ist. Der Kreis hatte in der vergangenen Woche bestätigt, dass der Bauaufsicht Abrissanträge für das Hotel und die Villa vorliegen. hok

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