Freiwillige lassen sich bei Pflanzaktion vom Regen nicht abhalten

Gemeinsam dem Wald in Dreieich helfen

Der Abstand ist wichtig: Rund 1,50 Meter Platz brauchen die jungen Bäume um sich herum, damit sie sich richtig entfalten können. Christian Klug (von links), Revierförster Stefan Neubrandt und Joergen Deutschmann in Aktion.
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Der Abstand ist wichtig: Rund 1,50 Meter Platz brauchen die jungen Bäume um sich herum, damit sie sich richtig entfalten können. Christian Klug (von links), Revierförster Stefan Neubrandt und Joergen Deutschmann in Aktion.

Nun hat es geklappt: Nachdem ein erster Termin coronabedingt ausfiel, konnten nun die Dreieichenhainer Waldfreunde ihre Pflanzaktion starten. Unterstützung kam vom Forstamt.

Dreieich – Jürgen Graf lässt sich nicht bremsen: Auch bei strömendem Regen und matschig aufgeweichtem Boden ist der Initiator der Hainer Kerbborschen (HKB) Waldfreunde voller Tatendrang. „Jawoll, endlich geht"s los“, sagt der Dreieichenhainer, während er sich die Arbeitshandschuhe anzieht.

Ende Oktober haben 150 Helfer die Waldstücke am Schützenhaus in Dreieichenhain und auf dem weit größeren Areal am Waldhaus Hotz auf Langener Gemarkung für eine Pflanzaktion vorbereitet. Jetzt ist es endlich soweit, der Hainer Wald wird nach dem verheerenden Sturm im August 2019 wieder aufgeforstet.

Die Idee von Jürgen Graf war es ursprünglich, dem heimischen Wald mit 302 Bäumchen (für die 302. Kerb) im Namen der Kerbborschen auf die Beine zu helfen. Die Initiative hat sich längst selbst überholt und eine große Welle der Unterstützung erfahren: „Wir haben die Spendenaktion bei 2 000 Bäumen im Wert von rund 20 000 Euro gestoppt, weil wir ja auch mit der Arbeit hinterher kommen müssen“, sagt Graf und ist immer noch überwältigt von der großen Hilfsbereitschaft.

Eigentlich sollten die 2 000 Stileichen, Linden, Hainbuchen, Esskastanien, Vogelkirschen, Hundsrosen, Holundersträucher und Haselnussbäume schon im November gesetzt werden. Die Pandemie bremste die Waldfreunde aus. Am Samstag sind dann mit Jürgen Graf, Joergen Deutschmann, Christian Klug und Julian Wagner nur vier Pflanzer im Einsatz, um allen Hygieneregeln gerecht zu werden. Fachmännisch unterstützt werden die Männer von Forstamtsleiter Melvin Mika und dem zuständigen Revierförster Stefan Neubrandt. „Ich stehe hier auch in meiner Freizeit“, sagt Melvin Mika, während der Regen auf ihn niederprasselt, „aber es ist bei den Menschen immer noch nicht so richtig angekommen, wie schlecht es unserem Wald geht. Aus diesem Grund unterstützen wir die Waldfreunde, denn mit dieser guten Sache können wir viele Leute erreichen“, ist Mika der Initiative sehr dankbar.

Die Einweisung zum richtigen Umgang mit den Pflanzen übernimmt Stefan Neubrandt. Der Revierförster erklärt im Detail, dass das Loch für die Wurzeln genau passend sein muss, und der Spaten einen trichterförmigen Aushub stechen sollte. Die rund zwei Jahre alte Pflanze wird dann vorsichtig in die kleine Grube gehoben und anschließend mit möglichst dunklem, feuchten Waldboden wieder bedeckt und angedrückt. Wirklich erstaunlich: auch nach gefühlten Wochen des Regens, ist der Waldboden in der Oberfläche aufgeweicht, aber kaum sticht der Spaten 20 bis 25 Zentimeter in die Tiefe, kommt staubtrockene Erde zum Vorschein: „Das zeigt deutlich, welche Folgen die drei vergangenen Jahre für den Wald haben. Es wird dauern, bis die Reserven aufgefüllt sind“, sagt Melvin Mika.

Neubrandt erläutert die Anordnung der jungen Bäume. Zunächst werden Sträucher an den Waldrand gesetzt, dahinter die kleineren Bäume und die nächst größere Sorte im Anschluss. „Wir nennen das eine stufigen Waldrand, das ist der optimale Schutz für die dahinter liegenden Bäume“, so Neubrandt. Bis die am Samstag gepflanzten Bäume aussehen wie neuer, junger Wald, gehen noch gut drei Jahre ins Land. Bis dahin sollten die Pflanzen rund 1,50 Meter hoch sein. „Ich bin auf jeden Fall froh, dass es Helfer gibt, die ihr Wochenende bei diesem Wetter opfern und helfen, den Wald aufzuforsten“, engagiert sich Stefan Neubrandt gerne für die Initiative.

Jürgen Graf ist indes mehr als glücklich: Die ersten 1000 Bäumchen sind gesetzt, am kommenden Wochenende gibt es den nächsten Einsatz. Dann wird auch der Verein HKB Waldfreunde offiziell gegründet. „Wahnsinn, ich bin wirklich so stolz, wie viel wir schon gemeinsam erreichen konnten“, freut sich Graf auf viele weitere gemeinsame Aktionen zugunsten des heimischen Waldes. (Von Nicole Jost)

Forstamtsleiter Melvin Mika hilft den Waldfreunden am freien Samstag, die jungen Bäume zu pflanzen.

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