Genervt von Endlos-Debatte

SGG-Fußballchef Stefan Jungermann legt sein Amt nieder

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Stefan Jungermann (rechts) bei der Einweihung des Jugendraums mit Ex-Nationalspieler Dieter Müller.

Dreieich - Mehr als 20 Jahre lang hat sich Stefan Jungermann bei der SG Götzenhain im Vorstand der Fußballer in verantwortlichen Positionen engagiert. Am Freitag ist Schluss, der 47-Jährige legt sein Amt als Abteilungsleiter nieder. Von Frank Mahn 

Ausschlaggebend seien mehrere Gründe, sagt er. Einer davon: die schier endlose Diskussion um die Sportplatzgebühren. Er habe sich immer gern ehrenamtlich engagiert, erzählt Stefan Jungermann. Bei den SGG-Fußballern war er Spielausschussvorsitzender, stellvertretender Abteilungsleiter und in den vergangenen fünf Jahren stand er an der Spitze. Doch die Lust ist ihm abhanden gekommen. Auch weil sich Magistrat, Vereine und Vertreter der Fraktionen in einer fruchtlosen Debatte über die Zukunft der Sportanlagen verloren haben. „Die Belastung ist in den letzten dreieinhalb Jahren immer größer geworden“, schildert Jungermann. Als selbstständiger Unternehmer sei er beruflich zudem stark beansprucht – nun sei für ihn der Zeitpunkt gekommen, die Konsequenzen zu ziehen.

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Frust und Enttäuschung kann er im Gespräch nicht verhehlen. Der Götzenhainer ist „ziemlich genervt, weil nix vorwärts geht“. Mit der Gründung des SC Hessen Dreieich im Sommer 2013 und dem Ende 2013 vom Stadtparlament gefassten Beschluss, die Vereine für die Nutzung der Sportplätze zur Kasse zu bitten, ist die Dreieicher Fußballwelt aus den Fugen geraten. In unzähligen Sitzungen suchte die Sportplatzkommission, ihr gehören Vertreter von Magistrat, Verwaltung, Vereinen und Politik an, nach einer Lösung, die ungeliebten Gebühren abzuschaffen und die von der Politik geforderten Einsparungen auf anderen Wegen zu erzielen. Das ist in Teilen gelungen, aber zum großen Wurf hat es bislang nicht gereicht. „Jeder guckt nur auf sich“, bedauert Jungermann und klagt über fehlende Kooperationsbereitschaft in Reihen der Vereine.

Der scheidende Abteilungsleiter erinnert an das Sportplatz-Gutachten, das der Magistrat auf Wunsch der Fußballer in Auftrag gegeben hatte, um Einsparpotenziale auszuloten. Das Büro aus Kaiserslautern kam zu dem Schluss, dass es Überkapazitäten gibt und die Plätze von FCO und SVD verzichtbar seien. Deren Spielbetrieb könne verlagert werden. Konsensfähig war und ist das nicht. Momentan geistert eine neue Variante durch den Raum. Der Magistrat erwägt wohl, FCO, SVD und FV 06 die Plätze zu übertragen – gegen ein Budget. Dazu müssen das Stadtparlament und die Vereine mitspielen. „Vielleicht ist dieser Ansatz ja erfolgreich“, sagt Jungermann, der die Hoffnung noch nicht ganz begraben hat.

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Die Gebühren seien für die Vereine eine gewaltige Hypothek, die kaum zu stemmen sei, meint der SGG-Mann. Zumal die Klubs seit geraumer Zeit für die Reinigung der Funktionsgebäude zuständig sind. Bei der SG Götzenhain beliefen sich die jährlichen Kosten dafür auf 6000 Euro, sagt Jungermann. Hinzu kämen für 2015 noch einmal knapp 6000 Euro Nutzungsgebühren.

Als besonders positiv bewertet er in der Rückschau die 2013 gegründete Spielgemeinschaft mit dem inzwischen aufgelösten SC Buchschlag. „Das war eine gute Entscheidung.“ In diese Zeit fiel auch der Bau des Jugendraums auf dem Gelände an der Rheinstraße, den der Verein aus eigener Kraft bewerkstelligt und nach Dieter Müller benannt hat. Der Ex-Nationalspieler und frühere Kickers-Präsident hat seine ersten Tore für die SGG geschossen. Im Jugendraum schließt sich am Freitag ab 19.30 Uhr der Kreis für Jungermann, wenn er in der Jahreshauptversammlung abdankt. Sein designierter Nachfolger ist Christoph Kramm.

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