Trauriges Ende einer langen Tradition

Sprendlingen - Es ist das Ende einer langen Tradition: Nach 152 Jahren haben die Mitglieder des Gesangvereins Eintracht Sprendlingen die Auflösung beschlossen. Am 31. Dezember ist Feierabend. Von Frank Mahn 

„Wir haben alles probiert, aber es geht nicht mehr“, sagt Wulf-Dieter Preiß, der elf Jahre lang die Geschicke der Sänger lenkte. Gerade noch 40 Mitglieder zählt der Verein – zu wenig, um das Überleben zu sichern. „Die immer höheren Kosten für die Unterhaltung und Reparaturen des von der Stadt gepachteten Vereinsgebäudes in der Elisabethenstraße können wir nicht mehr aufbringen“, berichtet der 72-Jährige. Zuletzt habe man 2 700 Euro in die Überholung der Heizung stecken müssen. Das sei schon ein Kraftakt gewesen. Die Immobilie sei auch der Grund gewesen, dass sich Fusionsgespräche mit anderen Vereinen zerschlagen hätten, schildert der Vorsitzende. Die Aussicht, das Haus übernehmen zu müssen, sei der Knackpunkt gewesen.

Während junge Chöre mit modernem Repertoire einen Aufschwung erlebten, „bluten ältere Chöre aus“, so Preiß. Der Vorstand habe vieles unternommen, um den Verein mit seinen beiden Ensembles – den Dreieicher SingFonikern und der SingFonietta – zu verjüngen. Doch alles Bemühen war vergeblich. „Wir werden uns aber weiter treffen, vermutlich einmal monatlich“, so der Vorsitzende. Ein Mitglied habe eine schön ausgebaute Scheune, die als Treffpunkt ideal sei. Und Preiß beruhigt auch alle, die um das Neujahrskonzert der Sprendlinger Musik- und Gesangvereine 2015 fürchten. „Das Konzert wird es geben.“

Preiß hat aktuell ganz andere Sorgen. „Wenn jemand noch irgendwelche Forderungen an den Verein haben sollte, wird er hiermit aufgefordert, sich unverzüglich bei uns zu melden.“ Auch aus finanziellen Erwägungen heraus startet der Vorstand deshalb einen „öffentlichen Ausverkauf“. Im Vereinsheim habe sich im Laufe der Jahrzehnte vieles angesammelt, was noch verwendet werden könne. „Ob Geschirr, Gläser, Haushaltsgeräte, Standventilatoren, große Partyzelte, Deckenfluter-Stehlampen, Kaffemaschinen, großer Garten-Gasgrill – alles wird angeboten und zu jedem akzeptablen Gebot abgegeben“, kündigt der Vorsitzende an. Was nicht verkauft werde, lande unweigerlich auf dem Sperrmüll. „Das wäre jammerschade. Auch für andere Vereine ist da manches Interessante dabei.“ Der Verkauf ist am Samstag, 13. Dezember, von 12 bis 17 Uhr im Sängerheim. Für die alte Vereinsfahne haben die Verantwortlichen einen dankbaren Abnehmer gefunden. Sie wandert ins Stadtarchiv. Daneben gibt es eine Vielzahl von Urkunden, Bildern, Pokalen und Plaketten, die vor allem für Vereinsmitglieder (auch ehemalige) von großem Erinnerungswert sind.

Rubriklistenbild: © dpa

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