Geplanter Neubau

Gesicht der Altstadt bewahren

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Die Läden sind unten, das Haus in der Tempelstraße soll abgerissen werden. Die Pläne für den Neubau stoßen auf energischen Widerstand der Freunde Sprendlingens. Der Verein fordert eine Gestaltungssatzung für die Altstadt.

Sprendlingen - Das Herz der Sprendlinger Altstadt schlägt um die Erasmus-Alberus-Kirche herum. Am Lindenplatz und in angrenzenden Straßen ziehen einige schmucke Fachwerkhäuser die Blicke auf sich. Von Frank Mahn

Alles in allem aber hat der Ortskern sein Gesicht in den vergangenen Jahren stark verändert. Die Entwicklung bereitet den Freunden Sprendlingens Sorge. „Durch Neubauten verändert sich der Charakter der Altstadt schleichend und irreversibel“, kritisieren Willi Menzer, Winfried Ossner und Wilhelm Ott vom Vorstand des Vereins für Heimatkunde. Sie sind derzeit besonders sensibiliert. Anlass ist der geplante Bau von zwei Häusern in der Tempelstraße. Der Verein hat sich an Bürgermeister Dieter Zimmer gewandt. Sein Anliegen: Der Magistrat möge den Dialog mit den Anwohnern der Altstadt suchen, um eine Gestaltungssatzung auf den Weg zu bringen.

Aktueller Stein des Anstoßes: Das Haus Tempelstraße 4 soll nach Angaben des Vereins abgerissen und durch zwei „modernistische Architektenhäuser“ ersetzt werden. Das Areal liegt schräg gegenüber dem denkmalgeschützten Pfarrhaus und grenzt an den Garten der Alberus-Kirche. Der Blick vom Hengstbach auf die Kirche („Sprendlinger Malerwinkel“) sei im Bewusstsein vieler Sprendlinger fest verankert, schreibt das Vorstandstrio in seinem Brief an den Verwaltungschef. Die Bauvoranfrage sei bereits positiv beschieden, die Denkmalschutzbehörde habe keine Einwände erhoben. Formal sei gegen das Vorhaben nichts einzuwenden, räumen die Freunde Sprendlingens ein.

An den Bauträger gewandt

Man habe sich deshalb an den Bauträger gewandt, um diesen dazu zu bewegen, die Dachform und die Fassade der vorherrschenden Bauweise anzupassen. Es gehe dem Verein nicht darum, das Projekt zu verhindern, betonen Menzer, Ossner und Ott. Das Gespräch habe allerdings nicht den erhofften Erfolg gebracht. Im Gegenteil: „Der Bauträger droht uns über einen Rechtsanwalt mit Regressforderungen, wenn wir uns weiterhin für eine der historischen Umgebung angepasste Bauweise dort engagieren“, heißt es in dem Brief an Zimmer, den der Verein auch an die Presse geschickt hat.

Die Erfahrung der vergangenen Jahre habe gezeigt, dass ohne eine Gestaltungssatzung der ursprüngliche Charakter der Sprendlinger Altstadt schleichend und unwiderruflich zerstört werde. Deshalb fordern die Freunde Sprendlingens von den Entscheidungsträgern der Stadt, die Diskussion mit den Bürgern über eine Gestaltungssatzung wieder aufzunehmen. „Es kann sinnvoll sein, die Satzung weniger rigoros zu gestalten als in dem Entwurf von 1985, um die Akzeptanz bei den betroffenen Eigentümern zu sichern. Zumindest müsste sie deutlich über Paragraf 34 des Baugesetzbuches hinausgehen, was Dachform und Fassadengestaltung betrifft“, schlägt der Verein vor.

Freunde Sprendlingens

Seit ihrer Gründung 1977 setzen sich die Freunde Sprendlingens dafür ein, den Charakter der Altstadt zu erhalten. Schon 1980 hatte der Verein eine Altstadtsatzung gefordert, die für Neu- und Umbauten eine Richtschnur bieten sollte. „Die Stadt Dreieich legte 1985 einen Entwurf einer Gestaltungssatzung vor, die leider nie in Kraft trat“, erinnert das Vorstandstrio. Darin hieß es unter anderem: „Ziel der gestalterischen Festsetzung ist es, das charakteristische, historische Erscheinungsbild des alten Ortskerns zu bewahren beziehungsweise wiederherzustellen. Insbesondere sollen dabei die typischen Gestaltungsmerkmale erhalten oder wiederaufgenommen werden, um die Eigenart dieses Stadtteils auch künftig zu sichern und zu fördern.“

Aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen sei diese Satzung nicht weiterverfolgt worden, so der Verein. Aber: „Es kam, wie es zu erwarten war: In Sprendlingens Altstadt wurden einige Gebäude errichtet, die das Ortsbild deutlich veränderten. Wir konnten dies nur resignierend nachträglich zur Kenntnis nehmen.“

Das möchte der Verein perspektivisch vermeiden. „Das Beispiel Tempelstraße 4 zeigt deutlich, dass hier lenkend eingegriffen werden muss, um ähnliche Bausünden zukünftig zu verhindern.“

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