Ebbe auf der Einnahmenseite

GHV Dreieich kämpft mit vielfältigen Auswirkungen der Corona-Krise

Die Burg in der Vorweihnachtszeit: Das Motiv für die Karte stammt vom Rödermarker Fotografen Patrik Hennebold.
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Die Burg in der Vorweihnachtszeit: Das Motiv für die Karte stammt vom Rödermarker Fotografen Patrik Hennebold.

Es ist nicht übertrieben, wenn Detlef Odenwald von einem „Leuchtturm unserer Region“ spricht. Odenwald ist seit fast 30 Jahren Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins (GHV).

Dreieich – Der Verein ist Eigentümer der Dreieichenhainer Burg, die identitätsstiftend wirkt und ein Magnet für Touristen ist. Gleiches gilt für das Dreieich-Museum, das seit 2011 unter Regie des GHV läuft und sich in dieser Zeit prächtig entwickelt hat. Das Museum punktet nicht nur mit einer sehenswerten Dauerausstellung über Dreieich und seine Stadtteile, sondern auch mit hochkarätigen Wechselausstellungen.

Der Erhalt der Reichsburg Hayn und ihrer Gartenanlage zählt zu den wesentlichen Aufgaben des Vereins mit seinen knapp 320 Mitgliedern. „Wir waren Anfang des Jahres richtig gut drauf“, berichtet Odenwald. 2019 war das Museum mit dem Museumspreis der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen ausgezeichnet worden – „eine Wertschätzung, über die wir uns sehr gefreut haben“, sagt Odenwald. Alles ließ sich gut an. Das Vermietungsgeschäft lief hervorragend, ebenso die Zusammenarbeit mit der Pächterin des Restaurants „El Castillo“. Führungen und Kindergeburtstage im Museum brummten.

Dann kam Corona und der GHV wurde – wie viele andere auch – komplett ausgebremst. Kein Gartenfest, keine Festspiele, kein Burgfest – die geplanten Einnahmen blieben aus. Bereits eingenommene Gelder für die Vermietung des Runden Turms und des Burgkellers mussten zurückgezahlt werden. „Mit Ausnahme einer kleinen Feier wurden alle Veranstaltungen abgesagt“, erzählt Odenwald. Die Perspektive lässt nichts Gutes erahnen. Für 2021 gibt es nach seinen Worten keine einzige Reservierung, „nur ein paar vorsichtige Anfragen“. Auch eine Ausstellung im Museum fiel dem Lockdown zum Opfer. Da sei dann zwischendrin schon mal etwas Frustration aufgekommen, räumt der 70-Jährige ein. Er hat leise Hoffnung, dass die Gartenmesse im Frühjahr die Durststrecke bei den Veranstaltungen beendet.

An einem Gemäuer wie der Burgruine gibt’s eigentlich immer was zu reparieren. Doch die geplanten Sanierungsarbeiten wurden allesamt auf Eis gelegt. Und jetzt steht der Winter vor der Tür. Odenwald und seine Mitstreiter hoffen, dass er nicht allzu streng ausfällt und die altehrwürdigen Mauern von Frostschäden verschont bleiben. Kleinere bauliche Verbesserungen im Burgkeller sind ebenfalls aufgeschoben.

Im Wartestand ist auch die Theatergruppe des GHV, die alljährlich die Bühne im Burggarten bespielt. In Zeiten von Corona allerdings nicht. Zwischenzeitliche Überlegungen, Vorstellungen im Gewölbekeller zu geben, wurden wieder verworfen. „Das rechnet sich nicht“, sagt Odenwald.

Auch wenn man angesichts der Pandemie von Tag zu Tag denken muss – Weihnachten wird nicht ausfallen. Und hoffentlich auch nicht die Ausstellung, die Museumsleiterin Corinna Molitor und ihre Mitarbeiterin Anna-Mala Kolaß aktuell vorbereiten. Die Eröffnung von „Weihnachten bei Wagners – ein Familienalbum von 1900 bis 1945“ ist für den 7. November geplant. Im Museum und in der Geschäftsstelle des GHV (06103 8049640) ist auch die neue Hayner Weihnachtskarte zum Preis von zwei Euro inklusive Kuvert zu haben. Sie ist Einnahme- und Werbefaktor zugleich. Großabnehmer bekommen Rabatt. Der Erlös fließt in Erhalt und Renovierung der Burganlage.

Trotz aller Unwägbarkeiten ist Detlef Odenwald optimistisch, dass der vor mehr als 100 Jahren gegründete Verein die Krise meistert. „Wir sind voller Zuversicht. Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ (Von Frank Mahn)

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