Götzenhain bekommt „Ilse-Pohl-Straße“

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Ilse Pohl - nach ihr soll die neue Straße im Baugebiet „Nördlich der Albert-Schweitzer-Straße“ benannt werden.

Götzenhain (klg/id) - Das ist eine Idee, die vielen Dreieichern, vor allem aber Götzenhainern gefallen wird: Die neue Straße im Baugebiet „Nördlich der Albert-Schweitzer-Straße“ soll nach der bekannten Dreieicher Schriftstellerin Ilse Pohl (1907 bis 2010) benannt werden.

Diesen Vorschlag macht der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung, und es ist damit zu rechen, dass die zustimmt. Ilse Pohl hat bis zu ihrem Tod im vergangenen Jahr in der benachbarten Albert-Schweitzer-Straße gewohnt.

Ilse Pohl wurde am 7. Mai 1907 in Berlin geboren und ist am 13. Mai vergangenen Jahres in ihrem Haus in Götzenhain verstorben. Sie hat beide Weltkriege erlebt und früh einen Bezug zur Kunst und soziales Engagement in ihrem Elternhaus erfahren, denn die Familie hat im Ersten Weltkrieg Hauskonzerte für Kriegsblinde angeboten. Neben dem Bezug zur Musik hat sie an der Kunstschule in Berlin Malen und Töpfern gelernt. Ob ihrer vielen Talente und Begabungen schwankte sie in jungen Jahren zwischen Bühne, Schreiben und Malerei.

Zwölf Jahre lang leitete Ilse Pohl den Seniorenliteraturkreis

Aus gesundheitlichen Gründen wechselte sie von Berlin nach Konstanz, wo sie ihren Mann Walter Pohl kennen lernte, den sie zu allen Stätten seines beruflichen Wirkens begleitete, woraus sich insgesamt 18 Umzüge ergaben, bis Ilse Pohl in Dreieich sesshaft wurde. Trotz eigener Erkrankung und der Krankheit ihres Sohnes hat sie nie aufgegeben und nachdem sie in Dreieich ihr Zuhause gefunden hatte, hat sie sich hier aktiv am sozialen und kulturellen Leben beteiligt.

Zwölf Jahre lang hat Ilse Pohl den 1984 durch sie ins Leben gerufenen Seniorenliteraturkreis Dreieich geleitet und inspiriert, nachdem sie zuvor - von 1973 bis 1977- in der evanglischen Kirche Götzenhain einen Spielkreis für körperlich und geistig behinderte Kinder auf Bittengeleitet hat. Überhaupt war sie Kindern sehr verbunden und hat sich stark für Albert-Schweitzer-Kinderdörfer engagiert, mit großem persönlichen und finanziellen Einsatz.

Im Alter von 67 Jahren mit dem Schreiben begonnen

Ilse Pohl war zwar seit früher Jugend der Kunst und Literatur verbunden, hat jedoch erst 1974 im Alter von 67 Jahren damit begonnen, Kurzgeschichten und andere Bücher zu veröffentlichen. Große Aufmerksamkeit erzielte sie mit ihrer dreibändigen Autobiografie, die in den Jahren 1998 bis 2001 veröffentlicht wurden. Damit hat sie für die jüngeren Generationen ein Leben dokumentiert, das Vorbild dafür ist, bei allem Unwillen nicht aufzugeben. Dafür erhielt Ilse Pohl als erste den Literaturpreis des Bundes Deutscher Schriftsteller.

Weitere Auszeichnungen waren im Mai 2000 die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande und 2008 die Verleihung des Hessischen Verdienstordens in Anerkennung ihrer besonderen kulturellen und sozialen Leistungen.

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