Ein ganz besonderer Moment

Vikarin Helen Lee hält Weihnachtspredigt in Götzenhain

Es sei eine inspirierende Zusammenarbeit, sagt die 31-jährige Vikarin Helen Lee über ihre Ausbildung bei Pfarrerin Martina Schefzyk. Am ersten Feiertag hält die junge Frau ihre erste Weihnachtspredigt in Götzenhain. 
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Es sei eine inspirierende Zusammenarbeit, sagt die 31-jährige Vikarin Helen Lee über ihre Ausbildung bei Pfarrerin Martina Schefzyk. Am ersten Feiertag hält die junge Frau ihre erste Weihnachtspredigt in Götzenhain. 

Für Helen Lee ist dieses Weihnachten ein ganz Besonderes: Sie wird am 25. Dezember in Götzenhain ihre erste Weihnachtspredigt halten. 

Götzenhain - Weihnachten ist für jeden Christen ohnehin ein großes Fest. Für Helen Lee ist dieses Weihnachten aber ein ganz Besonderes, das sie wohl immer in Erinnerung behalten wird. Die junge Frau aus Südkorea, die seit September Vikarin bei Pfarrerin Martina Schefzyk ist, wird am ersten Weihnachtsfeiertag, 25. Dezember, um 18 Uhr im Gottesdienst ihre erste Weihnachtspredigt halten. „Es ist überhaupt erst meine zweite, eigene Predigt. Ich freue mich schon sehr auf den Moment, vor den Menschen zu stehen und gemeinsam mit ihnen Weihnachten zu feiern“, sagt Lee.

Der Wunsch, Pfarrerin zu werden, ist in Lee langsam gewachsen. Sie wurde im südkoreanischen Seoul geboren und kam mit ihren Eltern nach Deutschland, als sie neun Jahre alt war. „Mein Vater ist auch Theologe und er wollte in Tübingen seinen Doktor machen und wir sind als Familie zusammen nach Deutschland gezogen“, erzählt Lee. Vom ersten Moment an habe ihr Vater einen großen Wert daraufgelegt, dass sie die deutsche Gemeinde besuchen und nicht die koreanische, die es auch gab. „So und natürlich durch die Schule haben meine Schwester und ich schnell Deutsch gelernt, das war ihm immens wichtig“, erzählt die Vikarin.

Ihre Eltern beschreibt sie als „ein bisschen altmodisch gläubig“. Ihr war das zunächst zu eng, sie habe die „Nase voll von Kirche“ gehabt, wie sie schmunzelnd zugibt. „Ich wollte studieren und viel Geld verdienen und es auch ausgeben, einfach nur egoistisch leben“, berichtet sie lachend. Ihre Fächerwahl fällt auf Zahnmedizin. Während des Studiums in Frankfurt merkt sie, dass sie keine Freude an dem eingeschlagenen Weg hat. „Ich habe ein Jahr gebraucht, bis ich mich getraut habe, meinen Eltern zu sagen, dass ich das Fach wechseln möchte. Heute bin ich ihnen sehr dankbar, dass sie es mir ermöglicht haben, dass ich insgesamt zehn Jahre studieren konnte“, sagt die 31-Jährige.

Ihre Beziehung zu Gott beschreibt Helen Lee als „einfach nur Liebe“. „Egal wie schwierig es für mich war, hier in diesem neuen Land, dessen Sprache ich nicht kannte, ohne Freunde. Er war immer da und hat mich beschützt. Auch dieser egoistische Ausflug hat mir gezeigt: Gott ist da, was immer ich auch tue, er liebt mich. Mit dieser Erkenntnis habe ich meinen Grund zum Leben gefunden“, ist sie überzeugt.

Das Theologiestudium in Heidelberg habe sie fasziniert, die Landeskirche Hessen Nassau hat sie sich im nächsten Schritt bewusst ausgesucht, wegen ihres offenen und modernen Ansatzes. Als Lee im Frühling mit dem Studium fertig war, hat sie Martina Schefzyk besucht, um sich die Vikariatsstelle anzusehen. „Ich hatte gleich ein gutes Gefühl. Ich wurde hier sehr offen empfangen und bin schon nach Götzenhain in die Frühlingsstraße gezogen.“ Im ersten Teil ihrer Ausbildung war die Schule und der Religionsunterricht an der Karl-Nahrgang-Schule ein Schwerpunkt. Martina Schefzyk spiele eine wichtige Rolle in ihrer Ausbildung. Die Zusammenarbeit mit ihrer Mentorin sei spannend und inspirierend. „Sie ist sehr strukturiert, das kommt meinem Charakter entgegen. Meine erste Predigt haben wir zusammen vorbereitet, ich konnte in der Kirche üben. Das ist nicht bei allen meinen Kollegen im Studienseminar so“, sagt Lee, die mit anderen Nachwuchspfarrern im engen Austausch steht.

Ihr Vater sei sehr stolz auf sie, freue sich, dass sie es in die Landeskirche geschafft hat. Das Foto mit ihrem ersten Talar habe er direkt an die ganze Verwandtschaft in Korea verschickt. Am liebsten würden die Eltern die Predigten ihrer Tochter miterleben. „Aber da bitte ich die beiden noch um Geduld. Wenn ich eines Tages einen ganzen Gottesdienst hier in Götzenhain halten darf, dürfen sie mich gern besuchen“, sagt sie. Zunächst aber kommt die Weihnachtspredigt vor den Götzenhainern. Sie verspüre ein bisschen Aufregung, sagt Lee – aber die Vorfreude überwiege.   Von Nicole Jost

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