HSV Götzenhain ist seit Kurzem um eine Abteilung reicher

Feuer und Flamme für den Bogensport

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Er gehört zu den alten Hasen: Helmut Teschner hat fast alle Trainerscheine, die man im Bogensport braucht.

Götzenhain - Die Abkürzung HSV steht für Handballsportverein. Doch der 1954 gegründete Klub öffnet sich immer mehr für andere Sportarten. So gibt es unter dem Dach des HSV Götzenhain inzwischen eine Rugbyabteilung. Von Manuel Schubert 

Jüngstes „Kind“ der Vereinsfamilie ist die Bogensportabteilung. Deren Mitglieder haben ihr Hobby früher bei der Schützengesellschaft Dreieichenhain betrieben. Horst Petri ist erst seit ein paar Wochen dabei, aber er hat das Geheimnis bereits entdeckt: „Das hält jung!“ Der 74-Jährige ist überzeugt, dass sich so der große Reiz des Bogenschießens ergründen lässt. „Nächstes Jahr werde ich 73“, verkündet er. Lautes Gelächter. Petri streckt seinen Bogen nach vorn, spannt die Sehne, ein Pfeil saust durch die Luft. Er bleibt in der Zielscheibe stecken, aber nicht in den kleinen Pappquadraten und -dreiecken, die es eigentlich zu treffen gilt. Petri stört das nicht. Er hat ja gerade erst angefangen. Köcher, Pfeile, Armschutz, und Handschuh hat er sich bereits selbst gekauft, und den Bogen, erklärt er euphorisch, den könne man im Laden mieten. „Für nur 40 Euro!“ Petri, das erkennt ein Blinder, ist Feuer und Flamme für den Bogensport.

Und damit ist er nicht allein. Laut Vereinshomepage beginnt die Einheit der Bogensportabteilung des HSV Götzenhain um 17 Uhr, doch die Mitglieder sind schon lange vorher zu Gange. Einen Container und ein Stahltor haben sie am Nachmittag gestrichen, und ein spontanes abteilungsinternes Turnier wird auch bereits ausgetragen. Offiziell wird hinter der HSV-Vereinshalle dienstags, donnerstags und sonntags geschossen. Aber in Wahrheit, verraten die Schützen, sind sie eigentlich jeden Tag hier. Dabei schmunzeln sie im Kollektiv, als hätte man sie gerade bei etwas ertappt.

Horst Petri hat die Leidenschaft fürs Bogenschießen erst spät entdeckt. Dafür hat es ihn voll erwischt. Er hat jede Menge Spaß, auch wenn nicht jeder Schuss ein Treffer ist.  

Und ein bisschen verrückt nach ihrem Sport sind die rund 15 Bogensportler ja auch. „Manche nehmen den Bogen mit ins Bett“, erzählt Trainer Helmut Teschner grinsend. Auch er sei „eher öfter als drei Mal pro Woche hier“. Der Rentner schießt seit 15 Jahren, hat fast alle Trainerscheine, die man im Bogensport machen kann, geht regelmäßig auf Schulungen. Auch dieses Jahr stehen für ihn noch zwei Lehrgänge an. Doch wirklich trainieren muss er die Mitglieder nicht. Die meisten sind erfahrene Bogenschützen. Nur wenn jemand Neues dazukommt, wird der natürlich unterrichtet. „Wie man aufspannt, wie man steht, wie man die Sehne sauber auszieht“, erklärt Teschner, der aber nicht allein für die neuen Teilnehmer verantwortlich ist: „Dann helfen alle mit.“

Schließlich ist die kleine Gemeinschaft, die sich fast jeden Tag trifft und wahlweise über 18, 30, 50 oder 70 Meter Distanz versucht, das Ziel zu treffen, eine eingeschworene Truppe. Kennengelernt haben sie sich bei der Hainer Schützengesellschaft, wo es aber im Frühjahr wegen „Unstimmigkeiten“ zu einem Bruch kam. In Götzenhain wurden die Schützen nun heimisch. Seit dem 1. Juli gibt es die Abteilung offiziell, doch schon zwei Monate zuvor durften die Mitglieder ihrer Passion auf dem HSV-Gelände nachgehen. „Wir können uns wirklich nicht beschweren“, berichtet Helmut Teschner.

„Sauwohl“ fühlt sich in Götzenhain auch Norbert Och, der mit Abstand erfolgreichste Schütze der kleinen Runde. Zweifacher Deutscher Meister ist er, dazu drei- oder vierfacher Hessenmeister, so genau wisse er das nicht mehr. Seit zehn Jahren hält er den Bogen in der Hand, vorher war Och leidenschaftlicher Kugelschütze. Im Urlaub habe er zum ersten Mal das Bogenschießen ausprobiert, danach habe es ihn erwischt. „Man kann es bis ins hohe Alter machen, es ist im Freien“, beschreibt er die Vorzüge. „Und man muss keine Waffe putzen.“

Hessenmeisterschaft im Bogenschießen

Man sei „ein ganz tolles Team“, schwärmt Och. Und doch sind die Dreieicher Bogensportler immer offen für neue Gesichter. Wer möchte, kann das Gelände für einen Kindergeburtstag oder einen Betriebsausflug buchen und unter Anleitung der Vereinsmitglieder den Schuss auf die Scheibe ausprobieren. Dazu bieten Teschner und Och am 11. und 12. September einen Einsteigerkurs an. Für das 50 Euro teure Seminar können sich Interessierte unter  06103/88637 anmelden. „Es könnte ein neues Hobby werden“, lautet der Titel des Kurses. Wer Teschner, Och, Petri und die anderen beobachtet, dürfte daran keine Zweifel haben.

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