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Grenzsteine im Burggarten: Ein riskanter Umzug

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Zwischen Burgkirche und Palas haben die fünf historischen Grenzsteine nebst Grabstele einen neuen Standort gefunden.

Dreieichenhain - Wer ab und zu auf der Burganlage unterwegs ist, dem wird aufgefallen sein, dass neuerdings einige historische Steine auf der Grasfläche zwischen Burgkirche und Palas zu finden sind. Von Cora Werwitzke 

Es handelt sich um fünf Grenzsteine und eine vorgeschichtliche Grabstele, die ihr Dasein zuvor im Burggarten gegenüber dem Dreieich-Museum fristeten. An dieser Stelle waren die Steine überwuchert – „und sind kaum zur Geltung gekommen“, sagt Anna-Mala Kolaß vom Dreieich-Museum. Der Grund für die Umsiedlung der Steine war nun die Neugestaltung des Eingangsbereichs rund ums Museum. Mithilfe der Frankfurter Rosenfachfrau Helga Urban hat der Hainer Geschichts- und Heimatverein den Rosengarten nach mittelalterlichem Vorbild umgestaltet.

Im Zuge der Erdarbeiten sind dabei die lokalhistorisch wertvollen Relikte freigelegt worden. Eine alles andere als risikolose Sache, wie Dr. Wilhelm Ott deutlich macht: „Jede Bewegung der Steine birgt die Gefahr, dass sie beschädigt werden“, betont der Experte, der im Auftrag der Hessischen Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation historische Grenzsteine im Westkreis erfasst. Der neue Standort für die historische Steinsammlung („Lapidarium“) ist nach den Worten von Wilhelm Ott der wahrscheinlich älteste Friedhof im Hain. Bis die Steine dort aufgestellt waren, leisteten drei Helfer und ein kleiner Bagger ganze Arbeit. „Der Standortwechsel war mit großem Aufwand verbunden“, bestätigt Ott.

Details zu den Steinen finden sich auf Wilhelm Otts Webseite unter der Rubrik Grenzsteine/Lapidarien in der Dreieich.

Die fünf Grenzsteine stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Wesentlich älter ist die zentral platzierte Grabstele aus der Hallstattzeit (800 bis 475 vor Christus). Sie stammt ursprünglich aus einem Grabhügel in der Koberstadt, nur die Spitze schaute seinerzeit aus der Erde. Aus Angst vor Grabräubern entschieden Denkmalpfleger 1968, den Monolithen auszugraben und vor dem Dreieich-Museum zu sichern.

Die weiteren Steine von links nach rechts:

  • Güterstein derer von Falkenstein : Diese Markierung wurde in den 70er Jahren 140 Meter östlich der Kreuzung Rostädter Weg und Hainer Trift in der Rostadt gefunden. Mit Mühe ist ein „Beileisen“ im Wappenschild zu entziffern – was für das Adelsgeschlechtes von Frankenstein steht.
  • Güterstein des Deutschordens : Der Stein stammt von der Grenze des „Grafen-Waldes“ nördlich von Weiskirchen. Er wurde 1979 westlich der Tannenmühle gefunden. Dieser Wald war neben dem Wildhof ein weiterer Grundbesitz des Deutschherrenordens und gehörte bis 1806 der Komturei Frankfurt.
  • Stein von der Territorialgrenze Ysenburg/Hessen-Darmstadt : Die Grenze zwischen Ysenburg und Hessen-Darmstadt wurde 1783 zwischen Gehspitz und Dreieichenhain neu besteint – bei diesem Relikt handelt es sich um den Stein Nummer acht. Sein ehemaliger Standort befindet sich unter der Schneisenbrücke über die A 661 in der Nähe des Krankenhauses.
  • Wappenstein aus der Hanauer Koberstadt: Dieser Fund stammt von der Grenze zwischen Hanauer und Ysenburger Koberstadt nördlich der B 486. Um 1600 erhielten die Hanauer einen Streifen Wald in der Koberstadt.
  • Kilometerstein von der Chaussee Langen-Sprendlingen : Bei diesem Stein handelt es sich um einen aus Basalt gefertigten Kilometerstein mit der Inschrift „15,0“. Er stand an der Straße von Sprendlingen nach Langen. Die „15,0“ bezieht sich auf die Entfernung zur Darmstädter Stadtkirche.

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