Die Jagd nach dem ledernen Ei

Großes Interesse an Rugby beim HSV

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Götzenhain - Rugby kommt immer mehr in Mode. Das merkt auch Trainer Tobias Quick, der beim Handballsportverein Götzenhain eine entsprechende Abteilung aufgebaut hat – mit wachsendem Zuspruch. Von Manuel Schubert 

Es ist laut in der Sporthalle des HSV Götzenhain. Sehr laut. Schuhe quietschen übers Parkett, stampfen mit schnellem Schritt über den Hallenboden, und vor allem: Stimmen, viele Stimmen. Wer denkt, dass man für Rugby nur Muskeln braucht, der irrt. Ohne Absprachen geht bei der Sportart gar nichts. „Eine Linie halten!“, fordert einer seine Mitspieler auf. „Werft die Bälle nicht einfach weg!“, ruft ein anderer.

Und natürlich: Ab und zu scheppert es auch mal, wenn beim Training der „Young Boars“ die Körper aufeinanderprallen. Rugby ist eben Vollkontaktsport in seiner reinsten Form, ohne Helm oder Protektoren. „Wenn man sich richtig aufwärmt“, sagt der 15-jährige Lukas Dörr, „tut es aber eigentlich gar nicht weh.“ Und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Felix ergänzt: „Es kommt auch auf die Technik an. Wenn man die beherrscht, passiert eigentlich nichts.“

Immer mittwochs und freitags steht beim HSV in der Langener Straße die Jagd nach dem ledernen Ei im Terminkalender. „Ab und zu gibt es ein paar Beulen, aber etwas Größeres hatten wir zum Glück noch nicht“, sagt Tobias Quick, der Mann, der das Rugby nach Götzenhain gebracht hat. Der 41-Jährige sitzt auf einer dieser langen Holzbänke, die man noch aus dem Sportunterricht kennt, und lässt seinen Blick zufrieden durch die Halle gleiten. Gerade fegen die Spieler der U14/U16 über den hellblauen Boden, der Ball wandert schon sehr ansehnlich durch die Reihen.

Trainer Quick kam durch seinen Onkel zum Rugby, der selbst im belgischen Malmedy gespielt hatte und eine große Sammlung von Weltmeisterschaftsspielen besaß, die er auf Video aufgezeichnet hatte. Als Quick die Aufnahmen sah, war er angefixt und startete selbst eine Rugby-Laufbahn, die ihn bis in die Bundesliga führte. In seiner Phase als Aktiver ist Quick mit dem BSC Offenbach und dem RK Heusenstamm viel herumgekommen, in schöner Erinnerung geblieben sind ihm vor allem die Auslandsfahrten nach Kroatien, Italien, Wales oder Frankreich.

„Rugby ist ein Teil von meinem Leben geworden“, sagt der Offenthaler. Kein Wunder also, dass auch zwei seiner Söhne schon in jungen Jahren Gefallen am neuseeländischen Nationalsport fanden. Das Problem: Es gab keinen Verein in der Nähe. Da Quick eine Trainerlizenz besitzt, überlegte er sich: Warum nicht selbst etwas starten? Und fragte bei den Dreieicher Vereinen nach, wer sich eine Zusammenarbeit vorstellen könnte. Beim Handballsportverein Götzenhain stieß sein Vorschlag auf offene Ohren.

Seit 2014 leitet Quick, der als Sportlehrer an einer Privatschule in Frankfurt arbeitet, nun schon die Rugby-Abteilung des HSV. Am Anfang konnte er die Trainingsgäste noch an einer Hand abzählen, mittlerweile sind es zwischen 30 und 40, die sich auf drei Mannschaften aufteilen. Die U8 und die U10 messen sich bereits regelmäßig mit anderen Mannschaften und gehen bei Turnieren auf Landesebene an den Start, die U14/U16 befindet sich derzeit im Aufbau, soll aber bis zum Sommer so weit sein. Während die Jüngsten das kontaktlose Tag-Rugby spielen, geht es bei den Älteren schon ordentlich zur Sache.

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Quick tut auch sonst einiges, um Rugby in der Region bekannter zu machen. Er besucht die Dreieicher Schulen, um dort die Sportart vorzustellen, und organisiert Fahrten zu Länderspielen. Im Sommer des vergangenen Jahres veranstaltete er ein großes Saisonabschlussfest, bei dem auch die Nationalspieler Sean Armstrong und Samy Füchsel in Götzenhain vorbeischauten. Und wenn die deutsche Nationalmannschaft am 19. März auf Russland trifft, will Quick auf dem HSV-Gelände zum Public Viewing laden. „Nur so funktioniert’s“, betont der Rugby-Fan. Seit diesem Jahr hat er einen Mitstreiter: Marc Bettner unterstützt Quick beim Training, der Student spielt für den RK Heusenstamm in der Bundesliga.

„Rugby boomt momentan“, urteilt Quick. „Das wird noch stark nach oben gehen.“ Für Kinder sei die Sportart eigentlich ideal, so der studierte Sportwissenschaftler. „Man muss erst mal nicht viel können, außer mit einem Ball in der Hand laufen, das andere kommt dann schon von allein.“ Und: Wer gute Anlagen besitze, habe gute Chancen, es in eine höhere Liga oder in ein Auswahlteam zu schaffen, da die Konkurrenz deutlich geringer sei als in anderen Sportarten. Auch bei den „Young Boars“ hat der Trainer bereits ein paar Talente erspäht. Er glaube, dass der ein oder andere schon in einer Auswahlmannschaft mithalten könnte, sagt Quick. „Das Potenzial ist da.“

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