Die Wende vor der Haustür anstoßen

Dreieich - Sie ist in aller Munde, die Energiewende. Die Dreieicher Grünen wollen aber nicht nur darüber reden, sondern Taten sehen. Vorarbeit haben sie schon geleistet. Von Frank Mahn

Bereits im vergangenen August hatte die Partei ein umfangreiches Positionspapier vorgelegt, in dem sie unter anderem einen Energienutzungsplan (ENP) als Gesamtkonzept für die energetische Entwicklung der Stadt fordert. Bisher seien vielfach unabhängige Einzelmaßnahmen ohne eine geordnete Koordination und Konzeption umgesetzt worden, kritisiert Roland Kreyscher. Für den Fraktionssprecher steht außer Frage, „dass die Energiewende auf kommunaler Ebene stattfindet oder gar nicht“. Die Stadt müsse dabei mit ihren eigenen Liegenschaften eine Vorbildfunktion übernehmen.

„Etwa fünf Prozent des gesamten Energieverbrauchs im Gemeindegebiet werden in kommunalen Liegenschaften verbraucht. Hier liegt ein sehr großes Einsparpotenzial für Dreieich, wie auch im Kienbaum-Gutachten festgestellt wurde“, sagt Kreyscher. Nachdem inzwischen mit Unterstützung des Landes Hessen über das Programm „100 Kommunen für den Klimaschutz“ eine Bestandsanalyse des Verbrauchs abgeschlossen sei, „erwarten wir, dass die Stadt die Konsequenzen aus diesen Erkenntnissen zieht“. Und Beschlussvorlagen fürs Parlament auf den Weg bringt.

Die Grünen machen sich für die Aufstellung eines Energienutzungsplans stark. „Mit diesem Instrument sollen Energieeinsparung, Effizienzsteigerung und die Umstellung auf regenerative Energieträger in einem gewissen Zeitrahmen aufeinander abgestimmt werden“, erläutert Kreyschers Kollegin Heidi Soboll. Ein solcher Plan geht über ein Klimaschutzkonzept hinaus, weil zum Beispiel auch Neubaugebiete und neu zu entwickelnde Gewerbegebiete zu berücksichtigen sind. Nach Ansicht der Grünen sollte das Konzept über die energetische Ausstattung der kommunalen Gebäude hinaus auch das Verhalten der Nutzer einbeziehen.

Die Koordinierung des Projekts wollen die Grünen in die Hände eines städtischen Mitarbeiters legen, bei dem die Kompetenzen gebündelt werden und der sich ganz auf das Thema konzentriert. „Wir regen daher unbedingt an, einen Energiebeauftragten zu installieren“, sagt Kreyscher. Die Stellenbesetzung müsse aus der Verwaltung heraus erfolgen. Ein Fachbeirat Energie könnte die Arbeit unterstützen, schlagen die Grünen vor.

Der Energiebeauftragte (der natürlich auch eine Frau sein kann) soll Konzepte entwickeln, die nicht nur auf die Stadtverwaltung reflektieren. Energieversorger, Kaminkehrer, Energieberater, Unternehmen, Vereine, Schulen, Handwerk und die Bürger – alle sollen ins Boot geholt werden. Dabei müsse man das Rad nicht neu erfinden, so Kreyscher. So seien im Zuge der Lokalen Agenda 21 viele gute Ideen geboren worden – „von denen aber so gut wie keine umgesetzt worden ist“.

Geschenkt gibt’s freilich nichts, ein Energienutzungsplan muss von einem externen Büro erstellt werden. Rodgau hat dafür 60.000 Euro ausgegeben. Nach Kreyschers Worten stellt das Bundesumweltministerium bis zu 65 Prozent Fördermittel zur Verfügung. Auch Beratungsleistungen für Kommunen, die noch am Anfang ihrer Klimaschutzaktivitäten stehen, könnten mit Zuschüssen rechnen.

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